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DVD-Besprechung - Unter den Brücken

Story:
Henrik (Carl Raddatz) und Willy (Gustav Knuth) fahren zusammen auf einem Schleppkahn, der ihnen jeweils zur Hälfte gehört. Sie sind ständig unterwegs und fühlen sich daher oft recht einsam. Sie träumen von Heirat und der eigenen Frau an Bord ihres Kahns. Eines Abends stoßen sie bei einer ihrer Fahrten auf Anna (Hannelore Schroth), die den Eindruck macht, sich von einer Brücke ins Wasser stürzen zu wollen. Sie eilen ihr zu Hilfe, doch sie wollte gar nicht springen. Sie lässt sich aber von ihnen überreden, mit nach Berlin zu fahren. Beide fühlen sich zu ihr hingezogen. Sie beschließen, dass derjenige, dem es gelingt ihre Gunst zu gewinnen, dafür dem anderen den Kahn überlässt.

Meinung zum Film:
"Unter den Brücken" entstand während des sich abzeichnenden Endes des 2. Weltkriegs von Mai bis Oktober 1944. Helmut Käutner drehte den Film in der Umgebung Berlins, dass zu dieser Zeit ständigen Bombenangriffen ausgesetzt war, Tod und Vernichtung lauerten quasi um die Ecke. Am 6. Juni landeten die Alliierten in der Normandie und kurz vor Ende der Dreharbeiten war Aachen bereits in amerikanischer Hand, während die Sowjets schon in Ostpreußen standen. Unter der ständigen Gefahr von Luftangriffen wurde die Produktion erheblich erschwert. Verzögerungen und Ausfälle wirkten sich auf den Schnitt und die Nachbearbeitung aus. Nach der Fertigstellung erhält der Film zunächst keine Zensurentscheidung, weshalb zwei Kopien des Films nach Schweden gebracht werden. Erst im März 1945 erfolgt die Freigabe, in dieser Phase ist an eine Premiere aber nicht mehr zu denken. Der Film erlebt seine Premiere dann 1946 in der Schweiz beim erstmals stattfindenden Internationalen Filmfestival von Locarno. Erst am 18. Mai 1950 erlebt der Film seine Deutschlandpremiere. Regisseur Helmut Käutner errang international mit "Unter den Brücken" und "Große Freiheit Nr. 7", mit Hans Albers, große Bekanntheit. Es folgten Klassiker wie "Des Teufels General" mit Curd Jürgens oder "Der Hauptmann von Köpenick" mit Heinz Rühmann im Jahre 1956.

Während ringsum Bomben fielen, stellt "Unter den Brücken" im absoluten Kontrast dazu ein Stück Idylle dar. Der Film kann wohl als optimistische Vision einer besseren Zeit nach dem Krieg verstanden werden. Der Film ist eine romantische Dreiecksgeschichte und handelt von drei einsamen Menschen, von Freundschaft und von Liebe. Auch wenn es zu einigen Irrungen, Wirrungen und Missverständnissen zwischen den drei Protagonisten kommt und die beiden engen Freunde in einen Wettkampf um die Gunst einer Frau treten, ist der Grundton des Films sehr positiv gehalten und die Geschichte wird auch mit einem gewissen Augenzwinkern erzählt. Der Schatten eines versöhnlichen Endes wird bereits vorausgeworfen und eine zu starke Dramatisierung der Ereignisse wird vermieden. Am Ende ist die langjährige Freundschaft der beiden Männer gefestigt und alle drei scheinen gemeinsam ihr Glück gefunden zu haben. Auch wenn die recht simple Geschichte nicht gleich Begeisterungsstürme auslöst, hat der Film doch zweifelsohne seine Qualitäten. Da sind zunächst die hervorragenden Landschaftsaufnahmen, der Kahn gleitet an dicht bewaldeten Ufern entlang, Nebel liegt über dem Wasser und der Film erzeugt den Eindruck von Frieden und Freiheit. Weiterhin macht das komplizierte Verhältnis zwischen Henrik und Anna einen Großteil des Reizes von "Unter den Brücken" aus. Es schippert wie ein Kahn stetig zwischen Harmonie und Disput hin und her. Einerseits ist Henrik sehr einfühlsam, so erklärt er z.B. der ein wenig verängstigten Anna in ihrer ersten Nacht auf dem Kahn liebevoll und beruhigend die für sie ungewohnten Geräusche des Flusses, seiner Bewohner, sowie des Schiffes. Doch bereits kurz darauf stößt er sie wieder vor den Kopf, indem er ihr die an Bord befindliche Gans zur Feier des Tages als Braten präsentiert. Zuvor hatte er Anna noch deren Kunststücke vorgeführt und Anna hatte die Gans liebgewonnen. Somit entwickelt sich die Beziehung zu einem ständigen herankommen lassen und zurückgestoßen werden. Anna muss sich erst mühsam an die unbedarfte Art von Henrik gewöhnen, der wiederum sich erst an weibliche Gesellschaft und dem angemessene Verhaltensweisen gewöhnen muss. So kommen sich beide im Verlauf des Films immer näher und lernen sich gegenseitig besser einzuschätzen, der Weg dahin ist jedoch beschwerlich und die Starrköpfigkeit beider Charaktere macht sie nur umso liebenswerter.

Handwerklich weiß der Film ebenfalls zu begeistern. Wenn Anna abends weinend auf der Brücke steht, ihr Gesicht im Dunkeln, während ihre tränenden Augen jedoch vom Mondlicht beschienen werden verstärkt das noch den gewissermaßen poetischen Unterton des Films. Auch gelingt es ihm meisterlich, Stimmungen und Wirkungen zu erzeugen und zu verstärken. Als sich beispielsweise der Kahn der Großstadt Berlin nähert, gibt es sehr schnelle Schnitte. Bilder von Stahlkonstruktionen und Industrieeinrichtungen dominieren die Szenerie, gleichzeitig wird die Musik zunehmend energischer.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wurde aufwendig restauriert und ist insgesamt für einen 60 Jahre alten Film als sehr gelungen zu bezeichnen. Es gibt aber trotzdem ein leichtes Hintergrundrauschen und Längsstreifen, dafür jedoch kaum auffällige Verschmutzungen oder Beschädigungen, auch der Kontrast ist nicht immer optimal. Die deutsche Tonspur ist insgesamt gut verständlich, es gibt aber ein leichtes, beständiges Rauschen im Hintergrund.

Als Extra befindet sich auf der DVD die Dokumentation "Knef - Die frühen Jahre" von Felix Moeller. Diese Dokumentation konzentriert sich vor allem auf den Beginn der Karriere von Hildegard Knef und lässt zahlreiche ihrer Weggefährten und ihr nahestehende Personen zu Wort kommen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf ihrem Werdegang während der Zeit der NS-Herrschaft. Auch wenn die Dokumentation interessante Einblicke in eine vielschichtige Persönlichkeit gewährt und sich durchaus kritisch mit ihr auseinandersetzt, wirkt sie im Grunde in dieser Deluxe Edition ein wenig deplaziert. Einerseits spielt Hildegard Knef in dem Film "Unter den Brücken" nur eine kleine, recht unbedeutende Rolle, andererseits hebt sich der Film auch völlig von typischen NS-Filmproduktionen ab. Weiterhin gibt es Biografien zu Helmut Käutner, Hildegard Knef, Gustav Knuth, Carl Raddatz und Hannelore Schroth, sowie Produktionsnotizen in Form von Texttafeln. Außerdem ist eine Bildergalerie vorhanden.

Fazit:
"Unter den Brücken" ist ein leichtfüßiger, herzensguter und romantischer Film, der drei einsame Menschen auf ihrer Suche nach Erfüllung zusammenführt, ohne dass dabei einer von ihnen auf der Strecke bleibt. Der Film findet dabei genau die richtige Mischung zwischen Humor, Anteilnahme und Dramatik, um den Zuschauer über 90 Minuten in seinen Bann zu ziehen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
95:43 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Englisch
Bonusmaterial:
  • Bonusfeature: "Knef - Die frühen Jahre"
  • Biografien von Helmut Käutner, Hildegard Knef, Gustav Knuth, Carl Raddatz und Hannelore Schroth
  • Produktionsnotizen
  • Bildergalerie
Unter den Brücken - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Unter den Brücken
Unter den Brücken

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Eine liebenswerte Dreiecksbeziehung mit natürlichem Charme und einer technisch überzeugender Präsentation


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1945
Regie:
Helmut Käutner
Drehbuch:
Helmut Käutner, Leo de Laforgue, Walter Ulbrich
Darsteller:
Hannelore Schroth, Carl Raddatz, Gustav Knuth, Hildegard Knef, Margarete Haagen

Label Deutschland :
Transit Film
Verkaufsstart Deutschland :
20.11.2006