Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Unter Wölfen
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Unter Wölfen

Story:
Der Unternehmer Otto Stromberg (Ernst Konarek) lädt einige Mitarbeiter, seinen Stellvertreter Klaus Gruber (Martin Brauer), den Verkaufsleiter und Mitgründer Heiner Klebb (Wolfgang Krassnitzer), Ernst Ostoyke (Ernst Konarek), sowie Sebastian Drax (Sebastian Sommerfeld) auf einen Jagdausflug nach Tschechien ein. Schon früh gibt es erste Dissonanzen zwischen den Protagonisten. Als jedoch Otto Stromberg nach der ersten Jagd erschossen aufgefunden wird, entsteht eine sich verdichtende Atmosphäre aus Misstrauen, Neid und Intrigen, in der jeder verdächtig ist, der Mörder zu sein.

Meinung zum Film:
"Unter Wölfen" stellt die Diplomarbeit von Renè Sydow und Daniel Hedfeld an der Werbe- und Medienakademie Marquardt (WAM) in Dortmund dar. Sie führten nicht nur gemeinsam Regie, sondern schrieben u.a. auch das Drehbuch und waren für die musikalische Untermalung verantwortlich. Das Drehbuch für den Film entstand innerhalb von 3 Monaten. Der Film wurde innerhalb von nur 19 Drehtagen mit einem Budget von lediglich 12.000 Euro im Sauerland abgedreht.

"Unter Wölfen" ist ein Thriller, der als Kammerspiel inszeniert wurde. Dreh- und Angelpunkt des Films ist dabei die einsam gelegenen Jagdhütte des Unternehmers Otto Stromberg in Tschechien, sowie das angrenzende Pachtland in der Gestalt von dichten Wäldern. Bereits bei der ersten Pirsch fällt Otto Stromberg einer Kugel zum Opfer. Die Umstände seines Todes sind dabei ungeklärt. Die aufgrund dieses Vorfalls eh schon angespannte Atmosphäre wird jedoch noch weiter angeheizt. Das liegt vor allem an dem ausbrechenden Konflikt zwischen dem jugendlichen Stellvertreter und dem in die Jahre gekommenen ehemaligen Mitbegründer der Firma, der in der Hierarchie mittlerweile unter ihm angesiedelt ist. Die Verdachtsmomente gegenüber Heiner Klebb sind dabei jedoch so schwerwiegend, dass er schnell von allen Beteiligten als Hauptverdächtiger angesehen wird und sich die anderen Personen um Klaus Gruber gruppieren. Bald keimt aber der Verdacht auf, auch Gruber könnte ein Motiv haben, so dass niemand mehr dem anderen vertraut und alle ihr eigenes Spiel beginnen, in dem sie nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind.

Leider verläuft der Film nach einem "Eyecatcher" zu Beginn, in dem ein totes Reh effektvoll überfahren wird, äußerst zäh. Erst nach beinahe einer halben Stunde wird der tote Unternehmer aufgefunden und die Suche nach dem Motiv für einen heimtückischen Mord beginnt. Leider kommt der Film aber nie wirklich in die Gänge und wirkt arg konstruiert, wobei eklatante Logikfehler keine Seltenheit sind. So entschließen sich beispielsweise Iris und Sebastian, Heiner den schwarzen Peter zuzuschieben, um selber besser dazustehen und wollen eine von Heiner verwendete Kugel in den toten Otto Stromberg inkorporieren. Mal abgesehen von der Tatsache, dass diese Aktion wohl keine ballistische Untersuchung überstehen würde, handelt es sich bei der Schusswunde auch noch um einen Durchschuss, weshalb auch die originale Kugel nicht aufgefunden wurde. Auf die Schnapsidee, einen Durchschuss mit einer Patrone zu verzieren, muss man auch erst mal kommen. Das bleibt jedoch bei weitem nicht der einzige Klops im Film. Die weitergehenden Verwicklungen und das Verhalten der Charaktere wirken außerdem oft äußerst unglaubwürdig. Bereits am Anfang wird die Motivation, warum die Polizei herausgehalten werden soll, nicht wirklich deutlich. Später taucht dann auch noch ein Förster auf, der direkt ohne Gewissensbisse zum Freiwild erklärt wird, weil man befürchtet, er könnte den Vorfall melden. Der negative Höhepunkt des Films ist dann das äußerst blutrünstig geratene Finale, das sowohl vom Ausmaß, als auch von den misslungenen Effekten her, wohl eher in einen deutschen Amateursplatterfilm passen würde, und unfreiwillig komisch erscheint.

Digitale Aufarbeitung:
Der Film wurde komplett mit einer Mini DV-Cam aus dem Consumerbereich gedreht und das merkt man dem Bild auch an. Es wirkt beinahe zu klar und dadurch steril. Der Kontrast überzeugt, wie häufig bei DV, nicht und verfügt über zu wenige Abstufungen. Weiterhin gibt es ein leichtes Hintergrundrauschen. Der Ton ist leider, vor allem bei den Innenaufnahmen, ziemlich katastrophal ausgefallen und bewegt sich oft am Rande der Verständlichkeit. Auch in klareren Sequenzen hat er mit einem stärkeren Halleffekt zu kämpfen.

Was die Extras angeht, kann die DVD als sehr gelungen bezeichnet werden. Neben einem sehr informativen Audiokommentar, der stark ins Detail geht und vor allem viel über die Improvisation am Set berichtet, gibt es auch noch ein rund 18 Minuten langes Interview mit den beiden Regisseuren, kleinere inhaltliche Überschneidungen lassen sich allerdings nicht vermeiden. Hinzu kommen noch die eher unspektakulären Outtakes, ein kleiner Blick hinter die Kulissen und der Trailer zum Film.

Fazit:
Geringes Budget hin oder her, der Film scheitert nicht an seiner budgetbedingten, zweckmäßigen Präsentation und auch nicht an den gut aufgelegten, professionellen Schauspielern. Vielmehr versetzt ihm neben seiner Schwerfälligkeit das hanebüchene Drehbuch, das weder in Sachen Dramaturgie einen überzeugenden Bogen schlagen kann, noch die Ereignisse halbwegs logisch nachvollziehbar aufbereitet, den Todesstoss.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
82:08 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Audiokommentar mit den Regisseuren Renè Sydow und Daniel Hedfeld
  • Interview mit den Regisseuren Renè Sydow und Daniel Hedfeld
  • Outtakes
  • Hinter den Kulissen
Unter Wölfen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Unter Wölfen
Unter Wölfen

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Kammerspiel ohne Spannung und Logik


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2005
Regie:
Renè Sydow, Daniel Hedfeld
Drehbuch:
Renè Sydow, Daniel Hedfeld
Darsteller:
Jochen Kolenda, Martin Brauer, Sebastian Sommerfeld, Ernst Konarek, Kathrin Hildebrand, Wolfgang Krassnitzer

Label Deutschland :
Epix
Verkaufsstart Deutschland :
30.11.2006