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DVD-Besprechung - Stolz und Vorurteil

Story:
Das Leben der Familie Bennet verlief bis vor kurzem noch sehr ruhig. Mr. Bennet (Donald Sutherland) und seine Gattin Mrs. Bennet (Brenda Blethyn) leben auf ihrem ruhig gelegenen Landsitz und wachen über das Wohl ihrer Töchter. Als der wohlhabende Mr. Charles Bingley (Simon Woods) auf dem Land eintrifft, sieht Mrs. Bennet darin die Chance, ihre älteste Tochter Jane (Rosamund Pike) wohlhabend unter die Haube zu bringen, während Elizabeth (Keira Knightley) trotz anfänglicher Abneigung immer mehr Gefallen an Bingleys Freund Mr. Fitzwilliam Darcy (Matthew Macfadyen) findet. Für noch mehr Aufregung sorgt das Eintreffen von Mr. Collins (Tom Hollander), der im Falle des Ablebens von Mr. Bennet den Grundbesitz erben würde. Um dies zu umgehen, setzt Mrs. Bennet alles daran, ihre Tochter Elizabeth mit dem wenig attraktiven und recht plumpen Mann zu verkuppeln, der seinerseits auch schon großes Gefallen an der jungen Frau gefunden hat.

Meinung zum Film:
"Stolz und Vorurteil" von Regisseur Joe Wright, der sich eher als Drehleiter bei TV-Mini-Serien denn bei Kinofilmen hervorgetan hat, ist im Grunde ein guter Film. Doch sein Problem ist es, dass es mit der BBC-Mini-Serie zum Jane-Austen-Kultroman "Pride and Prejudice" bereits eine Verfilmung gibt, die im direkten Vergleich eindeutig überlegen und deutlich näher an der literarischen Vorlage ist. Keira Knightley ("Tatsächlich... Liebe") stellt die Elizabeth erfrischend dar, allerdings fehlt ihr das große Talent, um die ganze Tiefe ihrer Figur präsentieren zu können. Über weite Strecken ist ihre Darstellung äußerst gelungen und es macht Spaß, ihr zuzuschauen, teilweise ist es aber klar zu erkennen, dass sie nicht in der Lage ist, die nicht ganz einfache Gefühlswelt ihrer Figur ausreichend herüberzubringen. Wie etwa bei der Begegnung mit Darcys Statue und dem direkten Aufeinandertreffen anschließend in dessen Schloss oder am Ende, wenn sie mit ihrem Vater über ihre Gefühle zu ihrer großen Liebe redet. Im Grunde wäre dies noch zu verschmerzen gewesen, wenn nicht Jennifer Ehle bereits eine perfekte und kaum zu übertreffende Leistung in der Rolle der Elizabeth dargeboten hätte. Erschwert wird es Keira Knightley zusätzlich noch durch eine stellenweise viel zu biestige Auslegung ihrer Figur, was vor allem für Kenner und Liebhaber des Romans einen unschönen Bruch mit der Vorlage darstellen dürfte.

Noch gravierender fällt der Qualitäts-Unterschied bei der Darstellung des Mr. Darcy auf. Matthew Macfadyen ("Spooks") schafft es die meiste Zeit über nicht, die Präsenz von Colin Firth in der Rolle zu erlangen. Sein Darcy wirkt meist wie ein verschüchterter Schuljunge, den man nur schwerlich das Herz und die Zuneigung von Elizabeth wünscht. Erst gegen Ende des Filmes entwickelt sich seine Figur zumindest teilweise dahin, dass man ihn doch noch als Happy-End-Partner für Lizzy sehen möchte. Zum großen Teil liegt dies aber auch in der Geschichte begründet, die im Grunde die gleiche Geschichte in gut 2 Stunden erzählt wie die TV-Serie in 4. Stellenweise galoppiert die Story schnell vorweg und während man dem eher unwichtigen Nebenplot um Mr. Collins relativ viel Zeit schenkt, wird der für die Bedeutung der Geschichte wesentlich wichtigere Teil um Mr. Wickham nur oberflächlich angerissen. Wesentlich schlechter weg kommt auch Donald Sutherland ("Die Nadel") in seiner Interpretation des Mr. Bennet. Ist dieser in der Geschichte der eigentlich ruhende Pol, erscheint dieser nun als ein desillusionierter Mann, der sich in sein Schicksal gefügt hat und nur selten als Herr des Hauses erscheint.

Aber es gibt auch Stellen, bei denen die Kinovariante glänzen kann. Einer dieser klaren Sieger ist Dame Judi Dench ("Goldeneye") in der Rolle der Lady Catherine de Bourg. In den Momenten mit ihr gibt es keine Frage, wer das Sagen im Raum hat und wie stark ihr Charakter ist. Es ist schade, dass ihre Rolle vergleichsweise klein ausfällt, denn sie hätte durch ihre Anwesenheit für einiges mehr an Klasse sorgen können. Besser fällt auch die Besetzung der kleineren Schwestern aus dem Hause Bennet aus. Während diese in der TV-Produktion wie junge Frauen um die 20 aussahen, sehen sie nun ihren Rollen gerecht jung aus. Letzten Endes sind dies aber nur Randerscheinungen, die nichts an der Tatsache ändern, dass die Kinovariante deutlich hinter der BBC-Mini-Serie in Sachen Qualität und Unterhaltungswert rangiert. Es ist sicherlich alles andere als Zeitverschwendung sich Keira Knightley in der Rolle der Elizabeth anzuschauen. Das perfekte Vergnügen ist es allerdings, Jennifer Ehle in ihrer Interpretation der Lizzie zu erleben. Sich den Kinofilm anzuschauen ist, als würde man sich den Nährwert eines köstlichen 5-Gänge-Menüs über ein mit Nährstoffen angereichertes Mineralwasser holen. Vom Input gesehen ist es ungefähr das gleiche, aber vom Erlebnis garantiert nicht das Selbe.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen guten Eindruck und lediglich ein feines Rauschen könnte sensible Augen stören. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist sauber abgemischt, allerdings in erster Linie in der Front. Vereinzelt ertönt aber auch aus dem hinteren Bereich der ein oder andere Umgebungseffekt.

Als Extra ist ein Audiokommentar des Regisseurs verfügbar, in dem er über seine Umsetzung und Interpretation des Romans berichtet. Bei den weiteren Specials gibt es eine stolze Anzahl an Beiträgen, die sich dann in der Summe aber doch als recht kurz darstellen. Die jeweils rund 5-minütigen Beiträge beschäftigen sich mit dem Leben vor 200 Jahren und der Umsetzung des Romans. Es gibt noch ein alternatives Endes und ein Drehtagebuch, wo die Akteure erzählen können, wieviel Spaß sie beim Dreh hatten. Insgesamt nicht ganz so umfangreich, wie man es auf den ersten Blick vermuten könnte, aber immerhin leichte Infokost, unterhaltend gereicht.

Fazit:
Müsste sich "Stolz und Vorurteil" nicht an der BBC-Serie messen, wäre er ein guter Film, den man sich ansehen sollte. So wird er zwar kein schlechter Film, doch er schafft es nicht, aus dem Schatten der TV-Mini-Serie zu treten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
2,35:1
2,35:1
121:26 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bonusmaterial:
  • Die Diplomatie des Werbens im 18. Jahrhundert
  • Die Herrenhäuser von "Stolz & Vorurteil"
  • Die Bennets
  • Jane Austen und ihre Zeit
  • Familien-Stammbäume in "Stolz & Vorurteil"
  • Bildergalerien des 19. Jahrhunderts
  • Drehtagebuch
  • Alternatives Ende der US-Fassung
  • Audiokommentar von Regisseur Joe Wright
Stolz und Vorurteil - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Stolz und Vorurteil
Pride and Prejudice

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein guter Film, aber eindeutig nicht so gut wie die Mini-Serie


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / UK, 2005
Regie:
Joe Wright
Drehbuch:
Deborah Moggach (nach dem Roman von Jane Austen)
Darsteller:
Keira Knightley, Talulah Riley, Rosamund Pike, Jena Malone, Carey Mulligan, Donald Sutherland, Brenda Blethyn, Simon Woods, Tom Hollander, Judi Dench

Label Deutschland :
Universal Pictures Germany
Verkaufsstart Deutschland :
23.02.2006