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DVD-Besprechung - Die Stunde, wenn Dracula kommt

Story:
Noch bevor ihr eigener Bruder der Hexe Asa (Barbara Steele) eine mit Stacheln besetzte Maske auf das Gesicht setzt, verflucht sie die Nachfahren ihrer Familie und verkündet aus dem Reich der Toten zurückzukehren und diesen das Leben auszusaugen. 200 Jahre später sind Professor Khoma Kruvajan (Andrea Checchi) und sein Gehilfe Doktor Andrej Gorobec (John Richardson) auf der Durchreise. Durch Zufall entdecken sie die Ruhestätte Asas und erwecken sie durch eine Unvorsichtigkeit zum Leben. Durch ihre Unvorsichtigkeit bringen sie das Leben von Prinzessin Katia Vajda (Barbara Steele) in Gefahr, denn sie ist nun in einem Alter, in dem schon eine Urahnin von ihr auf mysteriöse Weise ums Leben kam.

Meinung zum Film:
Regisseur Riccardo Freda ("Das Gesicht im Dunkeln") ist es wohl zu verdanken, dass Mario Bava 1960 vom bequemen Platz hinter der Kamera auf den manchmal etwas unbequemen Regiestuhl Platz nahm. Denn Bava hatte selbst nicht unbedingt große Ambitionen, einmal hauptverantwortlich Regie zu führen und begnügte sich damit, wie er es selbst sagte "...in der Mittagspause der eigentlichen Drehleiter ein wenig Regisseur zu spielen". Um das Talent Bavas nicht zu vergeuden, schmiss Freda mitten in der Filmphase zu "Caltiki, Rätsel des Grauens" hin und machte Mario Bava somit zum Regisseur. Die Produzenten waren von dem Ergebnis dermaßen begeistert, dass sie dem Drehleiter wider Willen ein Projekt nach Wahl anboten. Bava entschied sich für die Umsetzung einer alten ukrainischen Geistergeschichte mit dem Namen "Der Vrij", von welcher aber nach dem Schreiben des Drehbuchs nur noch Versatzstücke übrig blieben. Das Ergebnis dieses Umstandes ist Legende und begeistert auch heute noch Horrorfreunde auf der ganzen Welt.

Wenn man heutzutage von den großen Horror-Filmklassikern redet, sind Universals "Frankenstein" oder Hammer-Films "Dracula" sicherlich die meistgenannten Titel. Auf die Nennung von "Die Stunde wenn Dracula kommt" wartet man meist vergeblich, obwohl dieser den genannten Titeln in allen Belangen das Wasser reichen kann und mindestens genauso spannend und atmosphärisch daherkommt wie die berühmten Grusel-Kollegen. In künstlerischer Hinsicht kann er sie in weiten Teilen sogar noch deutlich übertreffen. Der Grund, warum der Bava-Film zwar seinerzeit sehr erfolgreich war, aber dennoch nicht den breiten Kultstatus der klassischen Monster erreichte, liegt sicherlich in seinen für die damalige Zeit recht harten Bildern und der nicht zurücknehmenden Art mit der Thematik Erotik und Gewalt begründet. Man war sich zwar einig, dass der Film gut gefilmt und spannend dargereicht wurde, war sich aber auch einig darüber, dass einiges in der Darstellung zu weit ging.

Alptraumhafte Bilder hat der Film ausreichend zu bieten. Das von Einstichen gezeichnete Gesicht der Hexe Asa, wenn sie mit weit aufgerissenen Augen in die Kamera starrt und dabei förmlich den Zuschauer direkt in die Augen blickt, ist unheimlich und kann bei zarten Gemüter problemlos zu schlechten Träumen führen. Die Szene bleibt noch lange nach Ende des Films im Gedächtnis und gehört zu den stärksten Momenten in der Geschichte des Horrorfilms. Aber es gibt noch weitaus mehr an spannungsgeladenen Momenten zu erleben. Mario Bava versteht es ohne Zweifel wie kaum ein Zweiter, eine unheimliche Atmosphäre auf den Schirm zu bringen. Er hat mit seinem Gruselmärchen ein Meisterwerk geschaffen und sich gleich mit seinem ersten Film einen Ehrenplatz in der Welt des Horrorkinos reserviert. Auch wenn er nach seinem Debüt noch viele bemerkenswerte und einflussreiche Filme geschaffen hat, die ganze Genres prägten oder sogar begründeten, dürfte "Die Stunde wenn Dracula kommt" seine beste Arbeit sein, die man als Freund von Gruselfilmen einfach gesehen haben muss.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist hervorragend aufgearbeitet worden. Verschmutzungen, Beschädigungen und Kontrastschwankungen sind kaum auszumachen und die gut gezeichneten Konturen sorgen für einen sehr guten Sehgenuss. Der deutsche Ton in Dolby Digital 1.0 ist klar zu verstehen, klingt allerdings ein wenig dumpf.

Das Bonusmaterial der DVD ist sehr umfangreich. Der Audiokommentar von Bava-Fachmann Tim Roth hält einiges an interessanten Hintergründen zum Film und Mario Bava bereit. Leider wurde dieser nicht deutsch untertitelt, wodurch er nur englischsprachigen Zuschauern von Nutzen ist. Das gut 8-minütige Interview mit Hauptdarstellerin Barbara Steele ist lobenswerter Weise mit deutschen Untertiteln versehen worden. Es folgen rund 3 Minuten Szenen vom Schneidetisch, verschiedene Trailer und Titelsequenzen, Bio- und Filmografien so wie eine mehr als ausführlich zu bezeichnende, in 5 Kategorien unterteilte Bildergalerie. Natürlich fehlen auch bei der 4. DVD der "The Films of Mario Bava"-Edition nicht das Booklet mit einigen Informationen und der Schuber mit alternativem Covermotiv. Als zusätzliches Schmankerl gibt es diesmal noch einen Comic mit der Story des Films als kostenlose Dreingabe.

Fazit:
Endlich ist mit "Die Stunde wenn Dracula kommt" der wohl beste Mario-Bava-Film in sehr guter Qualität erhältlich. In guter Qualität und einem passenden Rahmen stellt diese für rund 10 EURO verfügbare DVD einen klaren Pflichtkauf für Bava- und Gruselfreunde dar. Hoffentlich legt e-m-s noch weitere "Films of Mario Bava" auf. Es gibt noch genügend unveröffentlichter Schätze von ihm zu entdecken.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,66:1
1,66:1
84:35 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Italienisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Barbara Steele - Erinnerungen an "Die Stunde wenn Dracula kommt"
  • Vom Schneidetisch
  • Audiokommentar von Tim Lucas
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Titesequenzen Mario Bava - All the colors of the dark
  • Comic
  • Booklet
Die Stunde, wenn Dracula kommt - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Stunde, wenn Dracula kommt
La maschera del demonio

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Mario Bavas Meisterwerk in einer mehr als würdigen DVD-Umsetzungen


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1960
Regie:
Mario Bava
Drehbuch:
Ennio de Concini, Mario Serande (nach einer Novelle von Nikolai Gogol)
Darsteller:
Barbara Steele, John Richardson, Ivo Garrani, Andrea Cecchi, Arturo Dominici

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
24.11.2005