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DVD-Besprechung - Suicide Circle (Director's Cut)

Story:
Eine mysteriöse und grauenvolle Selbstmordwelle sorgt für Entsetzen in Japan. Aus unerklärlichen Gründen nehmen sich junge Menschen offensichtlich aus freien Stücken das Leben. Die Polizei ist ratlos, da sie nicht weiß, in welche Richtung ihre Ermittlungen gehen sollen. Die Tatsache, dass an den Orten von Massenselbstmorden immer weiße Taschen mit aneinandergenähten, kleinen rechteckigen Hautstücken gefunden werden, erhärten jedoch den Verdacht, dass eine treibende Kraft hintern den Massenfreitoden steckt.

Meinung zum Film:
Eines muss man Regisseur und Drehbuchautor Shion Sono lassen - er weiß genau, wie man mit einem großen Knall gleich zu Beginn das Publikum mit einem Schlag in den Bann zieht und es mit einem Tiefschlag auf die Geschichte einstimmt. In der ersten Szene sieht man eine vergnügte Schar Highschool-Mädchen am Bahnhof stehen, sieht, wie sie herumalbern, wie sie kichern und sich des Lebens freuen. Dann kommt die Durchsage, dass der Tokyo-Express einläuft und man vorsichtig an der Bahnsteigkante sein soll. Die Mädchen stellen sich nach der Durchsage in einer Reihe an den Gleisen auf, fassen sich an den Händen und als der Express einläuft, springen sie. Doch die grafische Härte der Szene wird auch wieder ein wenig entschärft, indem in überzogener Weise literweise Kunstblut durch die Gegend spritzt und eher heitere Musik gespielt wird. Dadurch bekommt das ganze Szenario einen fast schon surrealen Touch.

In ähnlicher Weise geht es den ganzen Film über weiter. Trotz seiner nicht zu leugnenden Härte behält er immer einen ironischen und sozialkritischen Ton, der die teilweise harten Bilder entschärft. Das Ziel des Filmemachers ist deutlich - er übt Kritik am Lemming-Dasein mancher Menschen, die sich immer der Mehrheit anschließen, jeden noch so üblen Modetrend mitmachen, mit sich selbst nie zufrieden sind und immer nach besserem Streben. Der "Suicide Circle", was zu deutsch "Kreis des Selbstmordes" heißt, ist dann wahrscheinlich auch so etwas wie der Wunsch, wie bei einem Computerspiel den Reset-Knopf drücken zu können, um einfach noch einmal von vorne zu beginnen. Nach buddhistischen Lehren, in der die Wiedergeburt fester Bestandteil ist, wäre der Freitod somit nichts anderes als das Drücken der Reset-Taste. Aber Sono lässt auch zu keiner Sekunde einen Zweifel daran, was er von der Sache hält - nämlich gar nichts. Dies wird durch die teils bizarren Verhaltensweisen der willenlosen Selbstmörder überdeutlich und wenn er etwas mit seinem Film zum Ausdruck bringen will, dann sicherlich, dass man versuchen soll, aus dem was man hat, das beste zu machen und nicht immer gleich nach einem Neustart zu betteln, wenn es mal nicht so läuft, wie man es sich im Idealfall wünschen würde.

Aber auch nach dem Ende des Films bleiben einige Fragen nach bester David-Lynch-Manier offen und man muss sich als Zuschauer selbst einen Reim darauf machen. Da wäre zum Beispiel die Frage, was es mit den aneinandergenähten Hautfetzen auf sich hat, wo genau die beliebte Band Desaster herkommt und wie sie nun schlussendlich mit den Geschehnissen verbunden ist. Der Filmemacher löst die Hintergründe in einem groben Rahmen auf, ohne jedoch auch nur ein bisschen ins Detail zu gehen. Er hätte vielleicht ein bisschen weniger Zeit auf die Genesis-Szenen, die ein wenig an die "Rocky Horror Picture Show" erinnern und von Albernheit dominiert werden, vergeuden, und dafür ein bisschen mehr auf die offenen Fragen eingehen sollen. Aber der Film weiß auch so durchweg zu unterhalten und regt auf jeden Fall zum Nachdenken über Modetrends und Trittbrettfahrer an. Am Ende denkt man unweigerlich auch darüber nach, welche Macht die Medien auf unser tägliches Leben ausüben und wie schwer man sich ihnen entziehen kann. Die Mischung aus buntem Kitsch und Bauchschmerzen hervorrufender Härte sind dabei sehr gut aufeinander abgestimmt und erzielen eindeutig die gewünschte Wirkung.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen durchschnittlichen Eindruck. Es wirkt insgesamt sehr verwaschen und die Farben ein klein wenig kraftlos. Hinzu kommt leichtes Bildrauschen, doch gemessen an anderen fernöstlichen Filmen in Deutschland gehört es zum besseren Durchschnitt. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist sehr gut abgemischt und bringt auch gute Räumlichkeit mit.

Als Bonusmaterial gibt es einen Beitrag über eine Vorführung des Filmes, bei der Regisseur und Darsteller vor und nach dem Film ein paar Worte sagen, ein ausführliches Interview mit Shion Sono, bei dem es einiges über den Film und die Intentionen des Regisseurs zu erfahren gibt, sowie den Trailer zum Film.

Fazit:
"Suicide Circle" ist ein Film, der noch lange nach seinem Ende zum Nachdenken anregt. Zum einen über die (gewollt) offen gelassenen Punkte, aber auch über die Beeinflussung der Menschen durch Medien und Modetrends. Auch wenn die Bilder teilweise sehr schwer zu verdauen sind, sollte man sich diesen Film nicht entgehen lassen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,78:1
1,78:1
92:06 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Japanisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Talkshow
  • Interviw mit Regisseur Shion Sono
  • Trailer
Suicide Circle (Director's Cut) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Suicide Circle
Jisatsu saakuru

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Teils schwerverdauliche Kritik an Medien und Modetrends, aber auch ein Plädoyer zum Akzeptieren seiner eigenen Persönlichkeit


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Japan, 2002
Regie:
Shion Sono
Drehbuch:
Shion Sono
Darsteller:
Ryo Ishibashi, Akaji Maro, Masatoshi Nagase, Saya Hagiwara, Hideo Sako, Takashi Nomura, Tamao Satô, Mai Hosho, Yoko Kamon, Rolly

Label Deutschland :
I-On New Media
Verkaufsstart Deutschland :
25.04.2005