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DVD-Besprechung - Das Testament des Dr. Cordelier

Story:
Ein wüster Gewalttäter mit dem Namen Opale (Jean Louis Barrault) sorgt in Paris für reichlich Aufregung. Als dieser ein kleines Mädchen anfällt, kann er nur durch einen Zufall davon abgehalten werden, diesem Gewalt anzutun. Doch da der unheimliche Zeitgenosse unter dem Schutz des angesehenen Psychologen Dr. Cordelier (Jean Louis Barrault) steht, wird er nicht den Behörden gemeldet. Als jedoch weitere Übergriffe stattfinden, beginnt die Polizei zu ermitteln und macht Jagd auf den gewissenlosen Gewalttäter.

Meinung zum Film:
Wenn man den Namen Renoir hört, denken die Meisten sicherlich zuerst an den großen Impressionisten Pierre Auguste Renoir, dessen Gemälde zu den bekanntesten Werken der Geschichte gehören. Doch es gibt noch einen weiteren Renoir, der durch seine Arbeiten ein Medium prägte - Pierre Augustes Sohn Jean Renoir, der mit seinem visuellen und dramaturgischen Stil das europäische Kino mit Werken wie "Die Spielregel" oder "Die Bestie Mensch" in den Mittelpunkt des internationalen Kinos rückte. Mit seiner experimentellen Art und der optisch ansprechenden Weise schuf der Regisseur Filme, die fast schon den optischen Reiz der Bilder seines Vaters hatten.

Mit "Das Testament des Dr. Cordelier" nahm sich der Filmemacher für seine TV-Produktion (!) einer literarischen Vorlage von Robert Louis Stevenson an und erschuf seine eigene Version von dessen "Dr. Jeckyll & Mr. Hyde", die problemlos mit den großen Kinofilmen der damaligen Zeit mithalten kann. Bei seiner Umsetzung geht er anders an die Thematik heran, als in Umsetzungen zuvor. Er zeigt das Geschehen weniger aus dem Blickwinkel des Doktors, sondern konzentriert sich mehr auf dessen gewissenloses Alter Ego und zeigt den Rest der Handlung aus Sicht dritter Personen. Der tragische Aspekt aus der Romanvorlage wird größtenteils außen vorgelassen und kommt erst in den letzten 20 Minuten zum Tragen. Die Geschichte wird dadurch noch interessanter und das Thriller-Potential um einiges mehr hervorgehoben. Der Film wirkt stellenweise fast wie ein Krimi aus der Edgar-Wallace- oder Dr.-Mabuse-Reihe.

Darstellerisch bietet Jean Louis Barrault ("Kinder des Olymp") in seiner Doppelrolle des Dr. Cordelier und Opale eine Glanzleistung. Während er in der Verkörperung des Arztes eine dämonische Überheblichkeit erkennen lässt, blitzt in der Gestalt des Opale eine gewissenlose und hemmungslose Gewaltbereitschaft hervor, die man in jeder Gestik und Mimik erkennen kann. Teilweise fragt man sich als Zuschauer, ob es wirklich ein und dieselbe Person ist, die beide Figuren verkörpert. Es sind vor allem die Momente, in denen Opale auf der Suche nach einem neuen Opfer durch die Gegend streift, wie Raubtier auf der Pirsch nach leichter Beute, die zu den angsteinflößendsten Momenten des Films zählen. Renoir ist mit dem "Testament des Dr. Cordelier" ein zeitloses Meisterwerk gelungen, das eindeutig zu den Besten Verfilmungen der literarischen Vorlage zählt, wenn sie nicht sogar die Beste von allen ist.

Digitale Aufarbeitung:
Das einzige kleinere Problem des Schwarz-Weiß-Bildes sind gelegentlich auftretende Kontrastschwankungen. Abgesehen davon, trübt nichts das Sehvergnügen. Der deutsche Ton in Dolby-Digital-2.0-Mono ist klar verständlich, hat aber gelegentlich leichte Störungen, die allerdings nicht nachhaltig störend ins Gewicht fallen. Diese Störungen machen sich in erster Linie durch unterschiedlich stark ausfallendes Rauschen bemerkbar.

Als Bonus gibt es auf der Disk den alten deutschen Vorspann zum Film, eine kurze, selbstablaufende Bildergalerie, so wie den Trailer. Am interessantesten ist das beiliegende Booklet, das einen recht umfangreichen und gut beschriebenen Arbeitsnachweis des Regisseurs bietet.

Wenig schön ist die Inhaltsangabe zum Film auf dem Inlay. Diese vermittelt den Eindruck, dass der Film eine weitere, stark an der literarischen Vorlage angelehnte Variante von Jekyll & Hyde ist. Hier wird im Grunde das beschrieben, was in den letzten 20 Minuten des Films zu sehen ist. Die krimiartige Inszenierung, aus welcher der Film hauptsächlich besteht, wird hierbei fast gänzlich außer Acht gelassen.

Fazit:
"Das Testament des Dr. Cordelier" ist eine der spannendsten Filmvarianten von Stevensons "Dr. Jekyll & Mr. Hyde". Den tragischen Aspekt größtenteils außen vor gelassen, beschränkt sich Regisseur Jean Renoir auf die spannende Seite der Story, was den Film zu einem unterhaltsamen Filmvergnügen macht. Ein empfehlenswerter Klassiker, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
92:10 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Französisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Deutsche Titelsequenz
  • Booklet
Das Testament des Dr. Cordelier - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Testament des Dr. Cordelier
Le testament du Docteur Cordelier

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein echter Renoir, nach einem echten literarischem Klassiker


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 1959
Regie:
Jean Renoir
Drehbuch:
Jean Renoir (basierend auf dem Roman "Dr. Jekyll & Mr. Hyde" von Robert Louis Stevenson)
Darsteller:
Jean Louis Barrault, Teddy Bilis, Michel Vitold, Jacques Danoville, André Certes

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
07.07.2005