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DVD-Besprechung - Vampire gegen Herakles

Story:
Als Herkules (Reg Park) von einem seiner Abenteuer in das Königreich Icalia zurückkehrt, muss er erfahren, dass sich Licos (Christopher Lee) zum König gemacht hat und seine Geliebte Deianira (Leonora Ruffo) in ein Delirium verfallen ist. Um sie von dem bösen Zauber zu befreien, muss Herkules in den Hades, das Reich der Toten hinabsteigen und dort einen magischen Stein finden. Um den Hades betreten zu können, benötigt er jedoch zunächst den heiligen Apfel aus dem Garten der Hesperiden. Auf seiner Mission begleiten ihn sein Freund Theseus (George Ardisson) und Telemach (Franco Giacobini).

Meinung zum Film:
"Vampire gegen Herakles" würde eigentlich, bei einer etwas angemesseneren Übersetzung, auf den Namen "Herkules am Mittelpunkt der Erde" lauten und bezieht sich auf dessen Reise in den Hades. Der Film stellt die zweite, eigenständige Regiearbeit der italienischen Regielegende Mario Bava ("Baron Blood") nach "Die Stunde, wenn Dracula kommt" dar. Mario Bava war hier nicht nur Regisseur, sondern auch Drehbuchautor und Kameramann.

"Vampire gegen Herakles" ist vor allem ein farbenfroher Sandalenfilm mit mythologischem Hintergrund. Der deutsche Titel ist völlig irreführend, Vampire gibt es während des gesamten Films keine, lediglich am Ende muss sich Herkules mit einigen Untoten auseinandersetzen. Der Film greift immer wieder Teile der griechischen Sagenwelt auf und integriert sie, sehr frei, in den Fortgang der erzählten Geschichte. Herkules, oder auch Herakles, ist der strahlende, muskelbepackte Held und Sohn des Zeus, der vor allem durch die Verfilmungen mit Steve Reeves zu filmischen Ehren gelangte. Auch sein Gefährte Theseus ist ein berühmter griechischer Sagenheld und eine Art jüngerer, schlankerer Herkules. Ein Beispiel für die sehr freie Auslegung der Sagen ist das Aufeinandertreffen der Helden mit Prokrustes, einem Riesen, der vorbeiziehenden Reisenden ein Bett anbot. Großen Wanderern gab er ein kleines Bett und hackte ihnen die Füße ab, kleinen Wanderern hingegen gab er ein viel zu großes Bett, worauf er sie mit einem Ambos streckte. Entgegen der Sage wird er hier jedoch nicht von Theseus erschlagen, der ihm im Film hilflos ausgeliefert ist, sondern von Herkules auf völlig andere Art bekämpft, da es sich dort um einen Riesen aus Stein handelt.

Die große Stärke des Films sind eindeutig die äußerst fantasievollen Kulissen und deren kunstvolle, farbenfrohe Ausleuchtung. Hier kann man eindeutig die Handschrift von Mario Bava erkennen und auch typische Elemente wie aufwendige, gemalte Hintergrundbilder oder auch bunte, von innen beleuchtete Felsen findet man hier wieder. Die Spezialeffekte hingegen sind äußerst billig geraten und lassen deutliche Rückschlüsse auf ein äußerst begrenztes Budget zu. Besonders peinlich gerieten die oft bemühten Szenen, in denen Herkules riesige Felsen aus Pappmaché an einem Seil durch die Lüfte schleudert. Deutlich überzeugender geriet hingegen der Angriff der Untoten am Ende des Films, die dabei auch durch die Lüfte schweben. Entgegen der optischen Präsentation weiß die Story des Films leider nicht zu überzeugen, sie geriet äußerst actionarm und langweilig, ein Spannungsbogen ist kaum auszumachen.

Digitale Aufarbeitung:
Obwohl der Film bereits über 45 Jahre alt ist, kann die Bildqualität absolut überzeugen. Der Film wurde offensichtlich aufwendig restauriert. Die Schärfe ist gelungen, die Farben sind sehr kräftig und Defekte oder Verschmutzungen sucht man vergeblich. Es gibt lediglich ein minimales Bildrauschen. Die deutsche Tonspur verfügt über eine gute Verständlichkeit und klingt lediglich ein wenig dumpf. Die italienische Originaltonspur klingt sogar noch ein wenig besser und verfügt über deutsche Untertitel.

Das Herzstück der Extras ist ein Interview mit Mario Bavas Sohn Lamberto Bava, das im Januar 2007 von Lorenzo Codelli geführt wurde und eine Laufzeit von rund 50 Minuten hat. Inhaltlich geht es vor allem um Mario Bavas erste Filme, Vampire gegen Herakles, die Produktionsbedingungen zur damaligen Zeit, seine Arbeitsweise und seine besonderen Markenzeichen. Obwohl das Interview grundsätzlich nicht uninteressant ist, weist es jedoch einige Schwächen auf. Interviewer und Befragter reden leider häufig aneinander vorbei. Bava unterbricht Codelli mehrmals bereits, bevor dieser die Frage komplett gestellt hat und schweift vom eigentlichen Thema ab. Besonders störend ist, dass er seine angefangenen Sätze häufig einfach abbricht, um etwas völlig anderes zu schildern. Ferner fällt auf, dass Bava kein Experte für "Vampire gegen Herakles" ist, viele Fragen ins Leere laufen und er auf persönliche Erfahrungen und Anekdoten ausweicht. Weiterhin gibt es eine Fotogalerie, u.a. mit Filmplakaten, und im DVD-ROM-Teil finden sich im PDF-Format eine Biographie von Mario Bava (4 Seiten), eine Filmkritik von Frieda Grafe (2 Seiten) und ein Interview mit Mario Bava vom Mai 1976 (2 Seiten).

Fazit:
"Vampire gegen Herakles" punktet vor allem durch seine farbenfrohe, fantasievolle, optische Aufmachung und auch Reg Park ist ein überzeugender Herkules. Einige Spezialeffekte sind jedoch sehr billig geraten, der Film plätschert größtenteils vor sich hin, die anderen Darsteller, die kurzen Auftritte von Christopher Lee ausgenommen, sind eher schwach und einige Liebesszenen sind sehr kitschig geraten. Fans von Mario Bava und auch Freunde von Fantasyfilmen mit mythologischem Hintergrund dürften aber durchaus zufriedengestellt werden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
79:51 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Italienisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interview mit Lamberto Bava
  • Fotogalerie
  • Interview mit Mario Bava (DVD-ROM)
  • Filmkritik (DVD-ROM)
  • Biographie von Mario Bava (DVD-ROM)
Vampire gegen Herakles - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Vampire gegen Herakles
Ercole al centro della terra

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein farbenprächtiges Fantasyabenteuer mit eher langweiliger Geschichte


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1961
Regie:
Mario Bava, Franco Prosperi
Drehbuch:
Mario Bava, Sandro Continenza, Franco Prosperi, Duccio Tessari
Darsteller:
Reg Park, Christopher Lee, Leonora Ruffo, George Ardisson, Marisa Belli, Franco Giacobini

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
27.04.2007