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DVD-Besprechung - Wassup Rockers

Story:
Sieben Latinos im Teenageralter, die in South Central/L.A. leben, vereint ihre Leidenschaft für das Skaten und den Punk Rock, ihr Outfit besteht aus langen Haaren und engen Jeans. Die Gruppe beschließt, ins Nobelviertel Beverly Hills zu reisen, um dort auf einer unter Skatern berühmten Location einige Tricks einzuüben. Schnell gibt es jedoch Ärger mit den dortigen Cops. Auf der Flucht vor der Polizei begegnen sie verwöhnten Wohlstandskindern, geraten in eine Schlägerei und platzen in eine Schwulenparty hinein, immer von dem Wunsch beseelt, wieder nach South Central zu gelangen.

Meinung zum Film:
Der Name Larry Clark ("Kids") steht für Provokation und kontroverse Themen. In "Kids" standen gelangweilte Jugendliche, sowie die Themen Sex, Aids und Drogen im Mittelpunkt. In "Bully" drehte sich alles um perspektivlose Teenager, die zu Mördern wurden, was auch optisch drastisch dargestellt wurde. "Ken Park" schließlich porträtierte den Sittenverfall einer verlorenen Generation, was vor allem in drastischen Darstellungen von Sex und Gewalt gipfelte. "Wassup Rockers" hingegen ist eine deutliche Abkehr Larry Clarks von seinen bisherigen Werken. Die Themen Gewalt und Sex spielen nur eine relativ untergeordnete Rolle und auch exzessive Gewaltdarstellungen und Sexszenen sind dieses Mal nicht auffindbar. Die dargestellte Gruppe von Latinos verhält sich relativ normal, es handelt sich also nicht um die üblichen gelangweilten Psychopathen mit perversen Gewaltfantasien und einem unstillbaren Drang zur Kopulation.

Die Frage, die sich stellt ist, was bei einem Larry-Clark-Film übrigbleibt, der auf wirklich provokante Themen verzichtet und außerdem in der Darstellung recht zahm ist. Zunächst sind alle Akteure, wie bei Clark üblich, von der Strasse gecastet. Es handelt sich um jugendliche Latinos zwischen 13 und 17 Jahren ohne jegliche schauspielerische Erfahrung. Diese Gruppe vertreibt sich den Tag mit Skaten und Punkrock, den sie nicht nur konsumieren, sondern auch mit ihrer eigenen Band spielen. Leider ist im Gegensatz zu bisherigen Filmen von Larry Clark kein einziges Talent unter den Laiendarstellern auszumachen. Die schauspielerischen Leistungen sind weit unter dem Durchschnitt und auch von der vielbeschworenen Authentizität der Charaktere ist, trotz der Tatsache, dass sie sich selbst spielen, nichts zu sehen. Das wird direkt zu Beginn des Films deutlich, wenn der junge Jonathan (Jonathan Velasquez) sich einige wenige Sätze über seine Freunde zusammenstammelt. Es ist eben nicht einfach, sich selbst darzustellen, wenn die ganze Zeit eine Kamera dabei ist. Ein ausdrücklicher Minuspunkt ist die deutsche Synchronisation, die vollkommen ungenießbar ist. Zwar sind die Dialoge auch in der englischen Originalfassung weitestgehend sinnfrei und geizen nicht mit dem F-Wort, wobei sie sich inhaltlich vor allem um oberflächliche, pubertäre Themen drehen, die Übertragung ins Deutsche setzt dem ganzen aber noch die Krone auf. So wurden für die deutsche Fassung Sprecher direkt von der Strasse gecastet und die Dialoge klingen wie Gespräche auf dem Pausenhof der Rütlischule. Die begriffliche Vielfalt erschöpft sich dann in "ficken", "geil", "übersauer", "Spast ey", "Ey bist Du behindert" und ähnlichen Vergewaltigungen der deutschen Sprache.

Das größte Problem des Films ist jedoch, dass es weder einen anständigen Plot, noch ein wirkliches Anliegen gibt, dass der Film verfolgt. Die Jugendlichen reisen von South Central nach Beverly Hills, sind dort nicht gern gesehen, kriegen Probleme mit der Polizei, fliehen und geraten dabei an einige seltsame Figuren. Diese Charaktere sind, wie die jugendlichen Latinos selbst, die eindimensionaler nicht dargestellt werden könnten, lebendig gewordene Klischees. Die Schwarzen sind grundsätzlich nur aggressiv und auf Schlägereien aus. Die weiblichen Latinas sind sexgeile Schlampen, wie z.B. die Figur der Rosalia, die erst 14 Jahre alt ist, aber schon 20 Männer hatte und kaum in der Lage ist, ihre Beine geschlossen zu halten, oder gehen gleich beruflich der Prostitution nach. Die Weißen sind Rassisten, ihre Jugendlichen gelangweilt, reich und völlig verzogen. Der Film ergeht sich weiterhin minutenlang in Sequenzen, in denen die Latinos vergeblich versuchen, Tricks einzustudieren und regelmäßig auf die Schnauze fliegen, viel mehr passiert im gesamten Film nicht. Das Geschehen wird ferner noch mit einem unerträglich schlechten, ziemlich aggressiven und völlig nervtötenden Punkmusik-Soundtrack unterlegt, der genauso klingt wie die hilflosen musikalischen Versuche der Jugendlichen. Zur Auflockerung stolpern die Jugendlichen immer wieder in völlig unglaubwürdige, konstruierte Situationen und erleben haarsträubende Abenteuer, die vor unfreiwilliger Komik beinahe triefen. Auch die nur zu bekannten Szenen, in denen Larry Clark seiner Leidenschaft frönt, entblößte Knabenoberkörper ins rechte Bild zu setzen, dürfen hier nicht fehlen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist insgesamt hervorragend, auch wenn die Farben manchmal etwas zu künstlich wirken. Beide Tonspuren sind klar verständlich und haben keine besonderen Schwächen.

Die Verleih-DVD enthält lediglich einen Trailer zum Film als Extra.

Fazit:
Der Film besitzt keine echte Story, die Schauspieler sind unterirdisch, die Dialoge ein schlechter Scherz, die präsentierten Alltagsszenen so langatmig wie trivial und obendrein sind die Erlebnisse der Gruppe von jugendlichen Latinos vollkommen unglaubwürdig, beinahe schon grotesk.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
106:44 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
Wassup Rockers - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Wassup Rockers
Wassup Rockers

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Film wie die Titanic - Ein einziger großer Schiffbruch


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2005
Regie:
Larry Clark
Drehbuch:
Larry Clark, Matthew Frost
Darsteller:
Jonathan Velasquez, Francisco Pedrasa, Milton Velasquez, Yunior Usualdo Panameno, Eduardo Velasquez, Luis Rojas-Salgado

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
01.03.2007