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DVD-Besprechung - World Trade Center
Story:
Am 11. September 2001 attackieren zwei von Terroristen gekaperten Passagierflugzeuge die Twin-Towers des World Trade Centers in New York. Ein Team, gebildet aus Polizisten der Hafenbehörde, wird unter der Führung von Sergeant John McLoughlin (Nicolas Cage) losgeschickt, um Menschen aus der Umgebung des instabilen WTC zu evakuieren. Als der erste Turm zusammenstürzt, wird das Team jedoch unter den Trümmern eines anliegenden Gebäudes verschüttet. Die Eingeschlossenen müssen ausharren und auf Hilfe warten, während ihre Überlebenschancen immer weiter sinken, und die Sucharbeiten wegen Einsturzgefahr zwischenzeitlich sogar eingestellt werden müssen.
Meinung zum Film:
"World Trade Center" basiert auf realen Geschehnissen. Bei den Flugzeuganschlägen vom 11. September 2001 wurden 2973 Menschen getötet. Aus den Trümmern des World Trade Center konnten lediglich 20 Überlebende geborgen werden, darunter John McLoughlin und William Jimeno. Auf Basis ihrer Schilderungen und Erlebnisse entstand das Drehbuch des Films, das von Oliver Stone ("Platoon") im Jahr 2006 verfilmt wurde. Der Anschlag vom 11. September ist auch heute, mehr als 5 Jahre später, noch mehr als aktuell und hat nach wie vor schwerwiegende Folgen für die Tagespolitik. Neben einer erhöhten kriegerischen Aktivität der USA, als Vergeltungsmaßnahme, hat vor allem das Völkerrecht international seit dieser Zeit stark an Bedeutung eingebüßt. Und auch die liberalen Freiheitsrechte in den westlichen Demokratien müssen immer stärker hinter einer vorgeschobenen Sicherheitsmaschinerie zurücktreten. Normalerweise der ideale Stoff für einen renommierten Filmemacher wie Oliver Stone, der schon häufig mit kontroversen Filmen jenseits des Mainstream und mit Skizzierung unbequemer Wahrheiten ins Rampenlicht getreten ist.
"World Trade Center" befasst sich jedoch in keinster Weise mit dem politischen Geschehen seit dem 11. September 2001, bzw. den Folgen der Anschläge. Die Herangehensweise des Films ist vollkommen unpolitisch, es handelt sich um eine Mischung aus Katastrophenfilm und Drama. Im Mittelpunkt stehen zwei Rettungskräfte, deren Schicksale allerdings durch die ausgiebige Berichterstattung zu diesem Thema einigen Zuschauern bereits bekannt sein dürfte. Unter dem Gesichtspunkt eines vorhersehbaren Endes sollte man also vermuten, dass sich der Film besonders ins Zeug legt, um trotzdem noch eine angemessene Spannungskurve zu erreichen. Leider ist das jedoch ein Trugschluss und das größte Problem eines Films, der mit zunehmender Spielzeit immer weiter an Fahrt verliert. Die ersten 24 Minuten wissen dagegen besonders zu überzeugen. Zu Beginn des Films erwacht das New York des 11. Septembers 2001 und der Alltag hält Einzug. Doch bald zeichnen sich im wahrsten Sinne des Wortes dunkle Wolken am Himmel ab. Man sieht die Silhouette eines Flugzeugs an einem Hochhaus und ein dumpfer Knall ertönt. Die Polizisten werden in die Einsatzzentrale gerufen und sind völlig ahnungslos. Erst langsam werden die Ausmaße des ungeheuerlichen Geschehens deutlich, selbst am Tatort, dem WTC, sind die Rettungskräfte noch längst nicht über alles im Bilde und auch die Hintergründe des Unglücks bleiben bis zum Schluss des Films für die Beteiligten ungeklärt, für den Zuschauer unerwähnt. Der interessante Teil des Films endet allerdings mit einem Trümmerregen, der McLoughlin und seine Leute unter sich begräbt.
Zentral für den Hauptteil des Films ist ab jetzt die Szenerie mit McLoughlin und Will Jimeno, die im Halbdunkel unter Tonnen von Trümmern begraben liegen. Nicolas Cage ("8mm") und Michael Peña ("L.A. Crash") haben aufgrund dieser Situation von vornherein keinerlei Möglichkeit, sich schauspieltechnisch auszuzeichnen. Dramatik kommt gar nicht erst auf, denn jegliche Spannung wird durch absolut sinnfreie Dialoge zwischen den beiden bereits im Keim erstickt. Zunächst kommt es zum Austausch über Frau und Kinder - der plumpe Versuch, beim Zuschauer Sympathien für die beiden Hauptakteure, die zuvor nicht ausführlich vorgestellt wurden, zu wecken. Es gibt aber auch völlig deplatzierte Diskussionen über den Film "Die Akte Jane", sowie die Titelmelodie von "Starsky und Hutch". Um gar nicht erst eine Identifikation mit den Opfern zu ermöglichen, wird alle paar Minuten zu den Familien der beiden gewechselt, oder es werden Eindrücke von den anlaufenden Rettungsarbeiten vermittelt. Spannung oder aber der Eindruck eines Wettlaufs gegen die Zeit entsteht aber nie auch nur ansatzweise. Stattdessen bremst sich der Film noch weiter, durch Flashbacks der Eingeschlossenen von ihrer Familie, aus. Nicht nur die Eingeschlossenen kämpfen darum, wach zu bleiben, um nicht ihren inneren Verletzungen zu erliegen, der Zuschauer teilt ihr Schicksal. Der Höhepunkt ist die Vision von Will Jimeno, in dem ihm Jesus mit einer Flasche Wasser erscheint. Spätestens an dieser Stelle erleidet der Film endgültig Schiffbruch und man kann nur noch den Kopf schütteln. Aber es kommt noch schlimmer, von einer göttlichen Mission angetrieben betritt der Marine Dave Karnes (Michael Shannon) das Schlachtfeld. Als einziger hat er erkannt, "Dieses Land befindet sich im Krieg". So macht er sich alleine auf nach Überlebenden des Unglücks zu suchen, stapft durch die Trümmer und philosophiert dort über von Gott gewollten Qualm und Rauch. Die getragene und aufdringliche Musik versucht ihrerseits mit allen Mitteln, dem Film den Kitsch- und Pathosstempel aufzudrücken, was ihr auch hervorragend gelingt. Der 11. September tritt im Verlauf des Films immer stärker in den Hintergrund und verliert jegliche Bedeutung für das Geschehen. Er ist völlig austauschbar geworden, jede andere Katastrophe hätte problemlos in den Film eingebaut werden können. Nach etwas mehr als 2 Stunden ist das Drama beendet und als vermeintlich versöhnliches Fazit schließt der Film damit, wie sehr diese Katastrophe doch wieder das Gute im Menschen heraus gekehrt hat. Das bezieht sich vor allem auf den Zusammenhalt der Helfer und die Hilfe aus der Bevölkerung. Angesichts der zahlreichen Opfer des Anschlags, und der bereits erwähnten internationalen Spätfolgen, wirkt dieser Abschluss wie der blanke Hohn.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist bis auf ein leichtes, kaum wahrnehmbares Bildrauschen nahezu perfekt. Die beiden Tonspuren in Dolby Digital 5.1 sind ebenfalls ohne Makel und können voll überzeugen.
Neben den eher belanglosen entfernten, bzw. erweiterten Szenen mit einer Länge von etwa 17 Minuten enthält die DVD auch zwei Audiokommentare. Der erste Audiokommentar stammt von Regisseur Oliver Stone, wirkt aber recht unmotiviert und man vermisst einen durchgängigen, roten Faden. Der zweite Audiokommentar mit den realen Vorbildern des Films, Will Jimeno, Scott Strauss, John Busching und Paddy McGee, wirkt hingegen deutlich emotionaler und engagierter. Lobenswerterweise besitzen beide Audiokommentare optionale deutsche und englische Untertitel.
Fazit:
"World Trade Center" fehlen für ein Drama der Anspruch und die Hintergründe des Anschlags. Für einen Katastrophenfilm fehlt ihm das spektakuläre Element, sowie das Hervorrufen von Betroffenheit beim Zuschauer. Die Darsteller sind durch das Drehbuch sehr stark in ihren Möglichkeiten beschnitten und müssen sich zudem durch unglaublich abgedroschene und häufig unfreiwillig komische Dialoge quälen. Die Spannungskurve des Films siedelt sich immer dicht am Nullpunkt an, man kann wirklich nur hoffen, dass es sich hier um einen einmaligen Ausrutscher von Oliver Stone gehandelt hat!
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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123:51 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 | Türkisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch, Türkisch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar von Regisseur Oliver Stone
- Audiokommentar von Will Jimeno, Scott Strauss, John Busching und Paddy McGee
- Deleted Scenes
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World Trade Center
World Trade Center
Nicht nur die Rettungskräfte wurden verschüttet, auch ein Spannungsbogen ist unauffindbar
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006 Regie: Oliver Stone Drehbuch: Andrea Berloff Darsteller: Nicolas Cage, Michael Peña, Maria Bello, Maggie Gyllenhaal, Michael Shannon, Jay Hernandez
Label :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart : 15.02.2007
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