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DVD-Besprechung - We Feed the World - Essen global

Story:
Von den Lebensmitteln, die wir tagtäglich zu uns nehmen, wissen wir im Allgemeinen nur höchst selten, wie diese produziert wurden, bevor sie letzten Ende auf unseren Tellern landen. Der österreichische Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer hat sich gemeinsam mit seiner Assistentin Lisa Ganser auf die Fährte der Lebensmittelproduktion gemacht und dabei einige unglaubliche Fakten aus der vom Profitgedanken gesteuerten Gesellschaft ans Tageslicht gebracht.

Meinung zum Film:
In einer Zeit, wo immer mehr Menschen sich Gedanken darüber machen, woher die von ihnen konsumierten Lebensmittel stammen, hat sich Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer in seiner von Helmut Grasser produzierten Dokumentation "We feed the world - Essen global" aufgemacht, ein wenig Licht in die Lebensmittelindustrie zu bringen. Während Filmemacher wie Michael Moore ("Bowling for Columbine") die Zusammenhänge in ihren Dokumentationen mit bissigen Worten und zynischen Konfrontationen präsentieren, hält sich Wagenhofer dezent zurück und lässt allein die befragten Personen im Film zu Wort kommen und wartet darauf, dass sie sich selbst widersprechen oder zeigt in für sich selbst sprechenden Bildern, welche Wahrheit hinter den oftmals wohlklingenden Worten steckt. Der Einstieg in den Film ist dabei relativ human. Hier kommt ein österreichischer Landwirt zu Wort, der sein Leid darüber klagt, dass er durch den Beitritt in die EU weniger Einnahmen hat und härter Arbeiten muss, um seinen Lebensstandard halten zu können. Das Ergebnis wird dann umgehend gezeigt, wenn zentnerweise Brotrückläufer aus den Geschäften auf einen riesigen Müllberg geschmissen werden. Brot, das ohne Probleme noch gut zu verzehren wäre. 

Aufschlussreiche Worte über die weltweite Lebensmittelproduktion hat Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Die Fakten, die er präsentiert, kann der gesunde Menschenverstand nur mit einem verständnislosen Kopfschütteln beantworten. Die Frage, warum es günstiger ist, Lebensmittel über tausende von Kilometern zu transportieren, anstatt sie ortsnah anzubauen oder warum in Europa angebautes Gemüse auf den lokalen Märkten der Länder Afrikas um eine Drittel günstiger verkauft werden kann als das von einheimischen Bauern angebaute Gewächs, wodurch die Armut im Lande weiter vorangetrieben wird, dürfte so manchen über die soziale Gerechtigkeit und Menschlichkeit in der Welt nachdenklich werden lassen. Die Aussage ist klar - es wird Zeit, endlich einmal wegzukommen vom Streben nach maximaler Profitmaximierung, hin zu einem Bestreben, die Güter der Erde gleichmäßig unter der Weltbevölkerung zu verteilen. Jean Ziegler bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet."

Die Dokumentation präsentiert aber auch Details, die sicherlich nicht jeder Verbraucher wirklich wissen möchte. Die Fakten, dass es auf Grund von Saatgut fast schon gar nicht mehr geklärt werden kann, welches Obst und Gemüse tatsächlich noch reine Natur ist und frei von Gentechnik, ist nicht leicht zu verdauen. Wenn dann aber gezeigt wird, wie Hühner vom Ei zum Suppenhuhn werden, wird sicherlich so manch zartem Gemüt das Essen förmlich bis zum Halse stehen und vielleicht sogar noch ein Stückchen höher. Wenn dann der Betreiber einer Hühnerfarm zu Wort kommt und sich, während er kleine Küken auf engstem Raume in einer riesigen Halle verteilt wie Grassamen auf einem Feld, beschwert, dass "die Herren da oben jeglichen Kontakt zur Basis verloren haben und brutal mit ihm umgehen", ist das fernab jeder Ironie und einfach nur pervers. Ist es doch er selbst, der die kleinen, süßen Tiere wie ein Produkt aus totem Material behandelt. Wer bis zu diesem Moment noch nicht einen dicken Klos im Halse stecken hat, dem wird dieser spätestens dann aufsteigen, wenn die 8 Wochen alten Hühner auf einem Fließband des Todes verfrachtet und geschlachtet werden. "We feed the world" sollte sich jeder Mensch einmal ansehen. Dies soll nicht heißen, dass dann alles anders und besser wird, aber zumindest weiß dann ein jeder, welchen Weg das köstlich anmutende Mal auf seinem Teller hinter sich gebracht hat und warum die Menschen in Brasilien deswegen an Hunger sterben. Vielleicht beginnt dadurch sogar ein Umdenkungsprozess beim Verbraucher, der einsieht, dass Geiz nicht unbedingt immer Geil sein muss, sondern sich im extremen Fall für einen anderen Menschen tödlich auswirkt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist für eine Dokumentation gut geworden. Abgesehen von gelegentlichem Rauschen unterschiedlicher Stärke gibt es keine Kritikpunkte. Auch der Ton, der von den jeweiligen Sprechern in Landessprache aufgenommen wurde und mit festen deutschen Untertiteln daherkommt, ist stets klar zu verstehen.

Als Extra gibt es ein Making Of, das noch einmal einen Blick hinter die Kulissen wirft und bei dem der Regisseur sehr viel über die Hintergründe und die Entstehung der einzelnen Szenen berichten kann und auch die ein oder andere weitere Information zu erfahren ist. Vertieft wird die Entstehung noch einmal in einem Interview mit dem Regisseur und die Gedanken, die Jean Ziegler in einem eigenen Extrabeitrag vorträgt, sorgen noch einmal für reichliches Grübeln. Abgerundet werden die Extras neben dem Trailer noch mit Unterrichtsmaterialien, die in Form eines PDF-Dokumentes auf der DVD vorhanden sind.

Wer weitere Fakten zu dem Thema sucht, kann auch auf der Homepage zum Film unter http://www.we-feed-the-world.at/facts.htm fündig werden.

Fazit:
"We feed the world" lässt einem das Essen wortwörtlich im Halse stecken. Auf erschreckende Weise wird hier gezeigt, wie der Gedanken von der Profitmaximierung jeden Skrupel und jeden Funken Menschlichkeit über Bord wirft. Diese Dokumentation sollte Pflichtprogramm für jeden Verbraucher sein, damit zumindest niemand mehr sagen kann "Wenn ich das vorher gewusst hätte...!"

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,78:1
1,78:1
95:34 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of "Die Wahrheit ist eine Erfindung des Lügners"
  • Interview mit Erwin Wagenhofer
  • Gedanken von Jean Ziegler
  • Kinotrailer
  • Unterrichtsmaterial im PDF-Format
We Feed the World - Essen global - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
We Feed the World - Essen global
We Feed the World - Essen global

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Eine Dokumentation die Pflichtprogramm für jeden mündigen Verbraucher sein sollte


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Österreich, 2005
Regie:
Erwin Wagenhofer
Drehbuch:
Erwin Wagenhofer
Darsteller:
Jean Ziegler, Karl Otrok, Peter Brabeck-Letmathe

Label Deutschland :
Universum Film
Verkaufsstart Deutschland :
13.11.2006