 |
DVD-Besprechung - Die weisse Massai (Premium Edition)
Story:
Eigentlich war es der letzte Abend für Carola (Nina Hoss) und ihren Freund Stefan (Janek Rieke) in ihrem Kenia-Urlaub, als sie zufällig drei Samburu-Kriegern begegnen. Die junge Frau ist gleich von Lemalian (Jacky Ido) fasziniert und verliebt sich auf der Stelle in ihn. Sie beschließt in Afrika zu bleiben und gemeinsam mit ihm in seinem Dorf unter Ziegenhirten zu leben. Es bricht ein ganz neues Leben für sie an, in dem es heißt, sich von der bisherigen Lebensweise zu verabschieden und ein ganz einfaches Leben zu führen. Doch neben der erwarteten Idylle schleichen sich auch reichlich Probleme in ihr neues Leben ein.
Meinung zum Film:
Der Film "Die weisse Masai" beruht auf dem autobiografischen Roman von Corinne Hofmann und wurde durch die Regisseurin Hermine Huntgeburth ("Bibi Blocksberg") für die große Leinwand umgesetzt. Für die Hauptrolle verpflichtete sie mit der für ihre Leistung in der TV-Produktion "Das Mädchen Rosemarie" mehrfach ausgezeichnete Nina Hoss, die für ihre Darstellung der "weissen Massai" zu Recht mit dem Bayrischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Die Rolle des Samburu-Kriegers Lemalian besetzte man mit dem noch unerfahrenen, dafür aber sehr authentisch wirkenden Jacky Ido, der eine angenehme Leinwandpräsenz besitzt und hervorragend mit Nina Hoss harmoniert. Herausgekommen ist ein Film, der neben einer interessant erzählten Geschichte auch mit sehr vielen wunderschönen Aufnahmen aufwarten kann. Diese sind vor allem Naturaufnahmen des schwarzen Kontinents gewidmet, widmen sich aber auch sehr liebevoll dem einfachen Leben im Dorf. Selbst wenn man es sich selbst nie vorstellen kann so zu leben, so kann man durchaus die Idylle und die einfache Schönheit dieses Daseins erkennen.
Beim Zuschauen ist es sicherlich sehr hilfreich, wenn man sich zu Beginn des Films immer wieder selbst laut vorsagt "Es basiert alles auf einer wahren Begebenheit. Es basiert alles auf einer wahren Begebenheit." Denn wenn Carola ihre Zelte in der Schweiz abbricht und am Flughafen spontan entscheidet in Afrika zu bleiben, wirkt das sehr weit hergeholt und nur sehr schwer nachvollziehbar. Vor allem da sie vor 5 Minuten noch erzählte, dass sie seit 3 Jahren glücklich mit ihrem Stefan zusammen ist und dies auch noch hoffentlich viele weitere Jahre der Fall sein wird. Nun gibt sie alles auf, auf Grund einer recht flüchtigen Begegnung mit einem wildfremden Menschen, von dem sie überhaupt nichts weiß, noch nicht einmal, wo er überhaupt zu finden ist. Männer werden das mit ihrer rationalen Denkweise überhaupt nicht begreifen können und wenn überhaupt, werden nur Frauen in der Lage sein, dies nachzuvollziehen, wenn sie ebenfalls spontan mit dem Herzen handeln, ohne groß über die Konsequenzen nachzudenken. Doch im Fall von Carola / Corinne Hoffman ist es ja zum Glück relativ gut ausgegangen und so kann "Die weisse Massai" mit einer Geschichte aufwarten, die eigentlich viel zu unglaublich und viel zu schön ist, um wahr zu sein. Also genau das richtige für einen romantischen Film, der aber auch einiges an dramatischen Ereignissen und depressiven Einstellungen zu bieten hat.
Denn es ist nicht alles nur romantische Idylle, was Carola erlebt. Das neue Leben bringt auch einige Unannehmlichkeiten mit sich und die Umstellungen in den Lebensgewohnheiten sind gravierend. Der Film erzählt die Geschichte von Gegensätzen, die sich aufeinander abstimmen. Er erzählt davon, wie sich eigentlich nicht zusammenpassende Dinge zusammenfinden, einfach weil sie es wollen. Besonders in der Szene, in der Carola im weißen Brautkleid ihren Samburu-Krieger nach Stammestradition heiratet, ist klar zu erkennen - es gibt ein Zusammenfinden der Kulturen, wenn man es nur will und dafür kämpft. Doch der Film zeigt auch ganz klar, dass es nicht leicht ist, solche auf instabilem Grunde gebauten Gebilde aufrecht zu erhalten. Man muss sein Leben lang dafür bereit sein zu kämpfen und Opfer bringen, und vor allem die Lebenssichtweise des Anderen respektieren. Nur dann kann eine solche Beziehung auch wirklich funktionieren. Vor allem die zweite Hälfte des Filmes zeigt die vielfältigen Probleme und wird so manch spontan handelnder Frau vor Augen halten, wie blauäugig die spontane Entscheidung von Carola war. Trotz kleinerer Holprigkeiten, die wahrscheinlich auf die Straffung auf einen zweistündigen Film zurückzuführen sind, ist "Die weisse Massai" ein absolut sehenswerter Film, der gleichermaßen zum Träumen, Mitfiebern und Nachdenken anregt.
Digitale Aufarbeitung:
Bild und Ton werden den Anforderungen an eine aktuelle Produktion vollauf gerecht. Die Farben sind kräftig, die Konturen scharf gezeichnet und Bildfehler sind nicht auszumachen. Der Ton bietet trotz weniger Gelegenheiten ein breites Räumlichkeitsgefühl, in dem es immer wieder hinreichend Landschaftsgeräusche einfließen lässt.
Das Bonusmaterial bietet auch nach dem Film noch reichlich Unterhaltungswert. Die verschiedenen Specials bieten so viel Hintergründe zum Film, dass man den fehlenden Audiokommentar nicht vermisst. Den Beginn macht das "Making Of" mit einen allgemeinen Blick auf die Entstehung des Films. "Gourmet der Wildnis" erzählt in rund 20 Minuten über die Verpflegungsmöglichkeiten und bietet einen interessanten Einblick in die Welt des Caterings bei einem großen Spielfilmdreh. Das "Wiedersehen in Barsolai" ist ein äußerst interessanter Beitrag, weil hier die Buchautorin zurück nach Barsaloi kommt und hautnah ihre Erinnerungen aufleben lässt. Es folgen noch eine ganze Reihe weiterer Beiträge, die sich mit verschiedenen Aspekten des Drehs beschäftigen und von Auftritten von Corinna Hoffmann in der Öffentlichkeit berichten. Die "Premium Edition" von "Die weisse Massai" hat sich den Namen redlich verdient und jeder, der sich ein wenig für die Hintergründe zum Film interessiert, sollte diese Variante auf jeden Fall der Single-Disk-Version vorziehen.
Fazit:
"Die weisse Massai" ist an manchen Stellen zwar nicht leicht nachvollziehbar, kann aber dank der wunderbaren Aufnahmen, des natürlichen Schauspiels von Nina Hoss und Jacky Ido sowie der zum Nachdenken anregenden Geschichte vollauf überzeugen. Die technisch sehr gute "Premium Edition" ist mit reichlich Extras versehen und trägt diesen Namen zu recht.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,35:1
|
125:46 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch für Hörgeschädigte |
|
Bonusmaterial:
|
- Making Of
- Ausschnitte aus "Wiedersehen in Barsaloi"
- Gourmet der Wildnis
- Die Dreharbeiten mit Kommentar von Herstellungsleiter Jürgen Tröster
- Interviews
- Corinne Hofmann auf Lesetour
- Ein Samburu erzählt
- Persönliche Worte von Corinne Hofmann und Lesung aus dem Buch "Die weisse Massai"
- Bericht der Szenenbilder von S. Bieling und U. Szielasko
- Final Castin mit Nina Hoss und Jacky Ido
- Sabine Hehnen-Wild über Maske und Kostüm
- Darsteller und Crew
|
|  |
Die weisse Massai
Die weisse Massai
Schöne Landschaften und natürliche Darsteller in einem wunderbaren Film
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2005 Regie: Hermine Huntgeburth Drehbuch: Johannes W. Betz (nach dem Roman von Corinne Hofmann) Darsteller: Nina Hoss, Jacky Ido, Antonio Prester, Katja Flint, Janek Rieke
Label :
Constantin Film
Verkaufsstart : 23.03.2006
|