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DVD-Besprechung - Das Neue Babylon
Story:
Im Jahre 1871, der Zeit des preußisch-französischen Krieges, wird Paris von den vorrückenden ausländischen Soldaten belagert. Schließlich kapituliert die französische Armee, was jedoch zur Gründung der Pariser Commune durch die Arbeiterbewegung führt. Sie verteidigt weiterhin die Stadt und regiert sich selbst. Die französische Bourgeoisie hetzt daraufhin die eigene Armee auf die Verteidiger. In den Wirren dieses Klassenkampfes verlieben sich die einfache Verkäuferin Louise (Yelena Kuzmina) aus dem Kaufhaus "Das Neue Babylon" und der Infanterist Jean (Pyotr Sobolevsky) ineinander, stehen sich jedoch im Kampf schließlich als Feinde unversöhnlich gegenüber.
Meinung zum Film:
Das Regie-Duo Grigori Kozintsev und Leonid Trauberg, das zwei Jahre nach "Das Neue Babylon" mit dem Drama "Odna" für Aufsehen sorgte, welches im September ebenfalls bei absolut MEDIEN erscheinen wird, nahm sich im Jahre 1929 des historischen Aufstands der Pariser Commune von 1871, rund um das Warenhaus "Nouvelle Babylon", an und machte daraus ein Stummfilm-Drama in 8 Teilen. Als Geburtsstunde der Commune gilt der 18. März 1871, mit der Besonderheit, dass es sich hier, anders als bei vorherigen Revolutionen, nicht um eine bürgerliche, sondern eine proletarische handelte. Diese Revolution griff jedoch nicht großartig um sich und die Pariser Commune existierte lediglich 72 Tage. Die Bourgeoisie massakrierte nach ihrem Sieg 30.000 Menschen, rund 40.000 wurden eingekerkert oder mussten ihr Schicksal fortan als Zwangsarbeiter fristen. Dmitri Schostakowitsch gab mit "Das Neue Babylon" sein Debüt als Filmkomponist und wurde später zu einem der bedeutendsten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Diese Filmkomposition war jedoch technisch zu anspruchsvoll für die meisten Orchester. Der Film und die Musik wurden ein Flop. Schostakowitschs Musikuntermalung wurde deshalb verworfen und erst im Jahre 1975 wiederentdeckt.
Kozintsev und Trauberg waren die Gründer von "FEKS", der "Fabrik des exzentrischen Schauspielers", einem Zusammenschluss avantgardistischer Künstler, die auch das Schauspiel-Ensemble dieses Films stellten. Stilistisch bedient sich "Das Neue Babylon" einer äußerst experimentell anmutenden Montagetechnik, die sich in einem für die damalige Zeit geradezu unerhörten Tempo entfaltet. Unterstützt wird diese Technik durch die nicht minder radikale musikalische Montage Schostakowitschs, der darin Walzer und Cancans des französischen Komponisten Jacques Offenbach mit französischen Revolutionsliedern gegen schneidet. Die Häufigkeit der Zwischentitel verbleibt, dem Tempo und der Darstellung geschuldet, eher gering.
Inhaltlich kontrastiert "Das Neue Babylon", unterstützt durch die angeführte Technik der Montage, vor allem die Lebensverhältnisse der beiden Klassen, des Proletariats und der Bourgeoisie, betont also die Heterogenität beider Klassen. Als die französischen Soldaten zu Beginn des Krieges in den Kampf ziehen, feiert die Bourgeoisie ausgelassen und man jubelt ihnen zu "Lasst sie bluten in Paris". Mit eben diesen Worten jubelt man später auch den Soldaten zu, als sie gegen die eigene Bevölkerung, die aufständische Pariser Commune, in den Krieg ziehen. Während die Landsleute sich in Paris gegenseitig bis aufs Blut bekämpfen, beobachtet das reiche Bürgertum von in Versailles gelegenen Hügeln amüsiert das Schauspiel, das sich ihren Augen bietet. Die Bourgeoisie feierte auch bereits das "heitere", "sorglose" und "satte" Paris, als die Arbeiter unter der preußischen Belagerung hungerten und litten. Eine Verbrüderung der Arbeiter mit den Soldaten scheitert schon früh, die Armee kapituliert und zieht sich zurück. Doch am Ende des Films, nachdem die Armee siegreich geblieben ist, feiert wiederum nur die Bourgeoisie. Die Aufständischen und die Soldaten stehen zusammen sprichwörtlich im Regen, während man in den feinen Pariser Etablissements den Sieg begießt und sich schließlich im Überschwang des Triumphes an der hilflosen Bevölkerung vergeht wie ein tollwütiges Raubtier.
Digitale Aufarbeitung:
Der Film ist beinahe 80 Jahre alt und natürlich finden sich deshalb auch hier die üblichen Verschmutzungen, Beschädigungen, Laufstreifen und Kratzer, sowie ein stärkeres Bildrauschen. Diese Mängel fallen jedoch kaum ins Gewicht, da der Film aufwendig restauriert wurde und mit hervorragender Schärfe und sehr gutem Kontrast aufwartet. Die Begleitmusik von Schostakowitsch wurde komplett auf Basis eines persönlichen Manuskripts rekonstruiert und im Jahre 2005 vom SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern unter Leitung von Frank Strobel neu eingespielt. Die Qualität der Tonspur ist daher ebenfalls hervorragend. Für die russischen Zwischentitel gibt es deutsche, englische, französische und holländische Untertitel, auch die Menüs der DVD sind komplett in diesen vier Sprachen konfigurierbar.
Der DVD liegt ein ausführliches und interessantes 24-seitiges Booklet bei, das sich u.a. mit dem historischen Hintergrund, der Bedeutung des Films, der Filmmusik und ehemals vorgenommenen Zensurschnitten beschäftigt.
Fazit:
"Das Neue Babylon" begeistert mit seiner optischen und akustischen Montagetechnik und seinem stakkatohaften Tempo, das dem Zuschauer keine Pause gönnt. Inmitten dramatischster Ereignisse entspinnt sich eine tragische Liebesgeschichte, die aufgrund der Klassengegensätze von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, und schließlich in der Hoffnung auf eine zweite Chance in einer anderen, besseren Welt ihren traurigen Abschluss findet. Technisch präsentiert die DVD den aufwendig restaurierten Film in hervorragender Qualität.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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93:24 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Instrumental Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch, Französisch, Holländisch |
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Bonusmaterial:
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Das Neue Babylon
Novyy Vavilon
Der Kampf um die Pariser Commune von 1871 - Ein russischer Klassiker im aufwendig restaurierten Gewand
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Sowjetunion, 1929 Regie: Grigori Kozintsev, Leonid Trauberg Drehbuch: Grigori Kozintsev, Leonid Trauberg Darsteller: David Gutman, Yelena Kuzmina, Yanina Zhejmo, Lyudmila Semyonova, Sergei Gerasimov, Pyotr Sobolevsky
Label :
absolut MEDIEN
Verkaufsstart : 04.08.2007
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