 |
DVD-Besprechung - Wie im Himmel
Story:
Nachdem der erfolgreiche Dirigent Daniel Daréus (Michael Nyqvist) einen lebensbedrohlichen Zusammenbruch erlebte, der eine Reaktion seines Körpers auf den ganzen Stress war, kehrt Daniel in sein altes Heimatdorf zurück, das weit abgeschieden von der Zivilisation in Norrland im nördlichen Teil Schwedens liegt. Als er sich dazu bereiterklärt, den kleinen Kirchenchor zu leiten, beginnt er nicht nur selbst umzudenken, sondern auch das Leben im Dorf gerät ein wenig ins Wanken.
Meinung zum Film:
"Wie im Himmel" war 2005 bei der Oscar-Verleihung als bester nicht englischsprachiger Film nominiert, musste sich am Ende aber dem spanischen Beitrag "Das Meer in mir" beugen. Doch für Regisseur Kay Pollak war schon alleine die Nominierung ein sehr großer Erfolg, da seine bisherigen Beiträge, zu denen er stets auch selbst das Drehbuch verfasste, über die Grenzen Schwedens hinaus kaum eine Rolle spielten und nur wenig Bekanntheit erlangten. Ähnlich sieht das auch mit den Schauspielern aus, bei denen Hauptdarsteller Michael Nyqvist ("Slim Susie") überzeugen kann. Die Show wird ihm allerdings von der überragenden Frida Hallgren ("Nur Pferde im Kopf") gestohlen, die in der Rolle der Lena wie eine ernstere, schwedische Variante von Renée Zellwegger erscheint und in ihren Szenen stets den Mittelpunkt des Bildschirms darstellen zu scheint.
Pollaks Film über die Selbstfindung ist eine zweigleisige Sache. Es geht nicht nur darum, dass sich ein Erfolgsdirigent auf seine Wurzeln und aufs Leben besinnt, denn auch das Dorf selbst beginnt sich zu wandeln. Daniel lernt, sich wieder über die kleinen Dingen im Leben zu freuen, wie Schneefall oder die Freude in den Gesichtern anderer Menschen, vor allem aber lernt er wieder zu leben und was es bedeutet zu lieben. Dafür gibt er seinem Heimatdorf und den Menschen, die dort leben, eine ganze Menge zurück. Eingefahrene Wege werden verlassen, er sieht die Dinge aus einer ganze anderen Sicht und hat auch keine Angst davor, eingefahrene Rituale in Frage zu stellen. Seine größte Leistung ist es aber wohl, dass er Missständen in der Dorfgemeinschaft, die von den Anderen schon seit Jahren wortlos als gegeben hingenommen werden, direkt anspricht und versucht sie zu ändern.
Die Konflikte und Probleme, die im Film gezeigt werden, sind recht unterschiedlich und es ist kaum zu glauben, was alles in den knapp 2 Stunden verarbeitet wird. Gewalt in der Ehe und ein Pfarrer, der aus Selbstgefälligkeit jegliches Vergnügen mit der Einstufung als Sünde zu unterbinden versucht, sind nur die Spitze eines Eisberges an kleineren Zwisten, die nach und nach aufgerollt werden. Doch ein wenig Kritik muss auch angebracht werden, da zwischenzeitlich immer wieder kurze Passagen entstehen, in denen zu viel von der Ruhe des sehr ländlichen Teils Schwedens durchkommt und wo das Erzähltempo ein klein wenig verschleppt wird. "Wie im Himmel" ist ein Film, der ein sehr ansprechendes und mitreißendes Portrait über eine Kleinstadtidylle zeigt, die sehr trügerisch ist. Die Präsentation des Ganzen geschieht aber alles andere als mit erhobenem Zeigefinger, sondern findet auf einer natürlichen Weise statt, wie sie auch aus dem eigenen Alltag bekannt ist. Am Ende sitzt ein Großteil der Zuschauer sicherlich ergriffen vor dem Bildschirm und versucht das Gesehene zu reflektieren. Wer dabei Parallelen zu biblischen Ereignissen entdeckt, ist damit sicherlich nicht allein.
Digitale Aufarbeitung:
Die Farben wirken ein klein wenig schwach und da der Film nicht im anamorphen Format vorliegt sind nur eine maximal durchschnittliche Schärfe und einige Kammeffekte zu sehen. Die Auswirkung hält sich allerdings in Grenzen und treten nur selten störend auf. Der deutsche Ton ist insgesamt ziemlich leise abgemischt und sorgt nur für wenig Raumklang.
Extras gibt es keine auf der Single-Disc DVD zu finden. Wer mehr über die Hintergründe erfahren möchte greift zur ebenfalls erhältlichen Doppel-DVD-Variante.
Fazit:
Was wie der Selbstfindungstrip eines Stardirigenten beginnt, stellt sich mit der Zeit immer mehr als Selbstfindung einer ganzen Dorfgemeinde dar. Trotz kleinerer Längen weiß "Wie im Himmel" durch seine natürliche Art, die eingefahrenen Wege im Dorfleben zu zeigen, zu überzeugen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
127:05 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Schwedisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch, Schwedisch |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Wie im Himmel
Så som i himmelen
Eine Massenselbstfindung in einem sehr natürlich wirkendem Umfeld
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Schweden, 2004 Regie: Kay Pollak Drehbuch: Kay Pollak , Anders Nyberg, Ola Olsson, Carin Pollak, Margaretha Pollak Darsteller: Michael Nyqvist, Frida Hallgren, Lennart Jähkel, Helen Sjöholm, Niklas Falk, Ingela Olsson, Per Morberg
Label :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart : 21.09.2006
|