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DVD-Besprechung - Die Zwillinge

Story:
Als sie noch kleine Mädchen waren, wurden die Zwillinge Lotte (Julia Koopmans) und Anna (Sina Richardt) nach dem Tod ihrer Eltern getrennt. Anna wuchs unter eher rauhen Bedingungen auf einem deutschen Bauernhof auf, während die kränkliche Lotte verhätschelt in den Niederlanden ihre Kindheit verbrachte. Doch auch ihre Jahre als junge Frauen verlaufen unterschiedlich, wie sie nur können. Anna (Nadja Uhl) befindet sich mitten im Nazideutschland und erlebt die Schrecken dieser Zeit hautnah mit, während Lotte (Thekla Reuten) die Verbrechen dieser Zeit mit etwas Abstand aus den Niederlanden erlebt. Doch beide haben sie Schicksalsschläge zu verkraften, die auch ihre Verbundenheit miteinander auf eine harte Probe stellt.

Meinung zum Film:
Zwillinge sind ein Phänomen, das schon seit langem die Wissenschaft beschäftigt. Was hat es mit der Verbundenheit, dem unsichtbaren Band auf sich, das ihnen immer wieder nachgesagt wird? Ist es wirklich so, dass sich beide Menschen zu ähnlichen Persönlichkeiten entwickeln, obwohl sie unter gänzlich verschiedenen Umständen aufwuchsen? Regisseur Ben Sombogaart geht dieser Frage in seinem Film nach und stellt immer wieder auf symbolträchtige Weise die Verbundenheit der in frühester Kindheit getrennten Zwillinge dar. Großes Leiden der einen, scheint die andere als Mädchen über hunderte von Kilometern fühlen zu können. Doch mit den Jahren geht diese Verbundenheit offensichtlich immer mehr verloren, um so länger man voneinander getrennt ist.

Ein interessanter Aspekt des Filmes ist es, dass Lotte und Anna sich trotz der ständigen Versuche ihrer Zieheltern, die beiden ideologisch zu entzweien, sie sich nie gegeneinander aufbringen lassen. Lotte erzählt man immer wieder, dass ihre Schwester bei den Barbaren lebt und es viel besser ist, wenn sie keinen Kontakt mehr zu ihr hat. Anna wird von ihren Pflegeeltern gedemütigt, geschlagen und als geistesgestört hingestellt und man erzählt ihr erst gar nicht, wo sich ihre Schwester aufhält. Die Briefe, die Lotte immer wieder an Anna sendet, werden durch ihre Adoptiveltern heimlich zurückgehalten. Erst nach vielen Jahren treffen sich die beiden als junge Frauen wieder und müssen erkennen, wie unterschiedlich ihre Leben sich entwickelt haben.

Obwohl der Film ohne nennenswerte Höhepunkte daherkommt, und die ein oder andere Frage offen bleibt, wird er nie langweilig oder zieht sich in die Länge. Es ist interessant zu sehen, wie sich die Leben der beiden Frauen entwickeln und mit welchen Schicksalsschlägen sie immer wieder zu kämpfen haben. Dank der guten Leistungen von Thekla Reuten ("Rosenstraße") und Nadja Uhl ("Das Wunder von Lengede"), welche die Zwillinge als junge Frauen darstellen, leidet man mit ihnen mit. Vor allem Nadja Uhl in der Rolle der Anna versteht es, ihren Part mit Leben auszufüllen und die Leiden und den Kampf ihres Lebens zu vermitteln. "Die Zwillinge" ist nicht unbedingt ein Meilenstein des ernsten Kinos, dafür gibt es dann doch die ein oder andere nicht ganz nachvollziehbare Begebenheit, doch im Großen und Ganzen ist er ein sehenswertes Portrait über die Beziehung zweier Schwestern, deren Leben trotz der Ferne immer nah miteinander verbunden sind.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen guten Eindruck. Die größtenteils vorherrschende Blässe sind ein gewolltes Stilmittel, um die Vergangenheit mit einem Retro-Look zu versehen. Ansonsten gibt es lediglich leichtes Rauschen und ein klein wenig schwammige Details zu vermelden. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist sehr sauber abgemischt und die räumliche Verteilung der Musik sorgt für eine Verstärkung der Stimmungen im Film. Für Räumlichkeit sorgen auch Schüsse, die immer wieder im hinteren Bereich zu vernehmen sind.

Als Bonusmaterial gibt es u.a. ein rund 23-minütiges Making Of, das von der Entstehung des Films berichtet. Es folgen knapp 10 Minuten geschnittene Szenen und ein gute Viertelstunde dauerndes Interview mit Nadja Uhl. Abgerundet werden die Extras durch den Trailer zum Film.

Fazit:
"Die Zwillinge" ist ein sehr interessanter und sehenswerter Film über die Leiden zweier Schwestern, die in frühem Kindesalter getrennt werden und grundverschiedene Leben leben. Trotz kleinerer nicht ganz nachvollziehbarer Momente weiß der Film auf ernste Weise zu unterhalten und zu bewegen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
131:45 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Niederländisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Making Of
  • Geschnittene Szenen
  • Interview mit Nadja Uhl
Die Zwillinge - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Zwillinge
De Tweeling

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Das Schicksal zweier Frauen, die unzählige Widrigkeiten im Leben zu ertragen haben


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Luxemburg / Niederlande, 2002
Regie:
Ben Sombogaart
Drehbuch:
Marieke van der Pol (nach dem Roman von Tessa de Loo)
Darsteller:
Thekla Reuten, Nadja Uhl, Ellen Vogel, Gudrun Okras, Jeroen Spitzenberger, Roman Knizka, Barbara Auer, Margarita Broich

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
10.05.2005