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DVD-Besprechung - Bystanders
Story:
Die ehrgeizige Polizistin Ja-young (Shin Eun-kyung) und ihr Partner Dong-wook (Eric Moon) ermitteln im Fall zweier toter Schüler, einer wurde ermordet, der andere hat Selbstmord begangen. Im Magen des Selbstmörders findet sich jedoch bei der Autopsie eine Kapsel, nebst Botschaft, mit einem Geständnis des anderen Mordes. Im Magen des Ermordeten wiederum findet sich eine Botschaft, die den vermeintlichen Selbstmord als fingiert entlarvt. Es handelt sich offensichtlich um einen Serienkiller, der mit seinem "Werk" noch längst nicht am Ende ist und immer wieder Hinweise in Form von fiktiven Tagebucheinträgen, die im voraus die Taten ankündigen, hinterlässt.
Meinung zum Film:
Regisseur Im Kyung-soo drehte vor "Bystanders" bisher lediglich im Jahr 2002 die Komödie "Can't Live without Robbery", die Ende dieses Monats ebenfalls in Deutschland erscheinen wird. Die Hauptdarstellerin Shin Eun-kyung ("The Ring Virus") hinterließ bisher vor allem mit ihrer Hauptrolle in den ersten beiden Teilen der Actionkomödie "My Wife is a Gangster" einen bleibenden Eindruck.
"Bystanders" beginnt zunächst als ziemlich lockeres Buddy-Movie. Während Ja-young eher dem ehrgeizigen, abgebrühten und etwas griesgrämigen Menschentypus angehört, verkörpert ihr Kollege Dong-wook einen extrovertierten und ein wenig naiv anmutenden Action-Junkie. So liefern sich die beiden denn auch so manches amüsante Wortgefecht und Ja-young versucht ihren Partner zu ihrem Laufburschen zu degradieren. Allmählich kommt man sich aber auf der menschlichen Ebene näher und beginnt sich auch beruflich gegenseitig zu respektieren. Die andere, ernstere Hälfte des Films besteht zunächst aus Thrillerelementen. Die beiden toten Schüler werden als Opfer eines Serienkillers identifiziert und dieser Killer hinterlässt eindeutige Fingerzeige für die Ermittler, die jedoch immer einen Schritt zu spät zu sein scheinen. Die Form dieser Hinweise ist dabei recht ungewöhnlich, handelt es sich doch um einige Tage in der Zukunft liegende Tagebucheinträge. Anhand eines Handschriftenvergleichs mit Klassenkameraden der beiden Opfer wird der Autor schliesslich als vor einiger Zeit verunglückter Mitschüler identifiziert. Alles deutet auf eine Sackgasse hin. In dieser Situation beginnen die beiden Polizisten umfangreiche Befragungen der Mitschüler des Verunglückten. Auf Basis des Inhalts dieser Gespräche und einzelner Bausteine, die nun einen Sinn zu ergeben scheinen, schafft der Film erfolgreich den Einschlag zum Drama. Der Tagebuchautor wurde von all seinen Mitschülern massiv "gemobbt". Es gelingt "Bystanders" dieses sensible und ewig aktuelle Thema sehr subtil anzugehen und den Zuschauer emotional nachhaltig zu verstören.
Gnadenlos wird die nur auf Leistung ausgerichtete Form der Gesellschaft kritisiert, und die Ohnmacht von Mobbingopfern, aber auch deren oft ahnungs- oder hilflosen Eltern, thematisiert. Was als vermeintlich harmloser Spass begann, nimmt in "Bystanders" Ausmaße an, die den Zuschauer nur hilflos den Kopf schütteln lassen und ihn äußerst bedrückt zurücklassen werden. Auf der Thrillerseite gewinnt der Film währenddessen noch zusätzlich an Brisanz, da der Neffe von Ja-young ebenfalls ein Mitschüler des Mobbing-Opfers war, und somit fortwährend die Frage im Raum steht, ob er ebenfalls an den Erniedrigungen beteiligt gewesen sein könnte. Einerseits belastet diese offene Frage noch zusätzlich das eh schon angespannte Verhältnis zwischen dem Jungen und seiner "Ersatzmutter", andererseits drohen sich die berufliche und die persönliche Ebene bei Ja-young zu überlagern, denn alle "Mitverantwortlichen" sterben einer nach dem anderen eines gewaltsamen Todes. Obwohl die Mischung aus Buddy-Movie, Thriller und Drama auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, gelingt es dem Film hervorragend, die verschiedenen Elemente zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden. Während in der ersten Hälfte von "Bystanders" die gute Laune überwiegt, was vor allem der stimmigen Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern geschuldet ist und sich auf die Zuschauer überträgt, wird der Film im weiteren zunehmend düsterer und eröffnet Abgründe, die dem Betrachter an die Nieren gehen dürften. Getragen wird der Film zudem von Shin Eun-Kyungs beeindruckender Darbietung. Trotz der Ecken und Kanten ihres Charakters wirkt sie stets liebenswert und schlagfertig, entwickelt sich aber auch zunehmend zur innerlich zerrissenen, tragischen Figur, die unter ihrem nach außen getragenen Panzer zunehmend von Unsicherheit und Selbstzweifeln geplagt wird.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität des Films kann voll überzeugen und begeistert mit einer hervorragenden Schärfe. Die beiden deutschen Tonspuren dieses dialoglastigen Films zeichnen sich durch gute Verständlichkeit aus. Die Dolby-Digital-5.1-Tonspur ist jedoch vorzuziehen, da sie deutlich kräftiger ausgefallen ist. Negativ bemerkbar macht sich allerdings, trotz gelungenener Synchronisation, das Fehlen der Originaltonspur.
Es gibt keinerlei Extras.
Fazit:
"Bystanders" praktiziert erfolgreich das Kunststück, drei gegensätzliche Genres zu einer einzigen, übergreifenden Synthese zusammenzuführen, ohne dabei inkohärent oder unglaubwürdig zu wirken. Die Bandbreite der vermittelten Stimmungen reicht dabei von amüsant bis bedrückend und es gelingt "Bystanders", seine gesellschaftskritischen Untertöne in eine Form zu gießen, die weder aufgesetzt noch moralinsauer wirkt und dadurch beim Rezipienten eine durchschlagende Wirkung erzielt. Der Film ist durchgehend spannend erzählt und das Ende fällt sowohl konsequent, als auch überraschend aus. Bedauerlich ist lediglich das Fehlen jeglicher Extras und der originalen Tonspur.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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107:26 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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Bystanders
Yu-wol-ui il-gi
"Bystanders" ist eine gleichzeitig humorvolle, düstere und spannende Gesamtkomposition, die aus ihrer beissenden Sozialkritik erst die finale Würze bezieht
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Südkorea, 2005 Regie: Im Kyung-Soo Drehbuch: Im Kyung-Soo Darsteller: Sin Eun-kyung, Kim Yoon-jin, Eric Moon, Lee Yo-seob, Yoon Joo-Sang, Oh Jeong-Se
Label :
MFA+
Verkaufsstart : 20.09.2007
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