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DVD-Besprechung - Superhelden - Hasenbrot und Waldgeflüster

Story:
Günther (Lothar Daeuwel) ist arbeitslos und verbringt seinen Tag damit, sich um den gemeinsamen Haushalt von ihm und seiner berufstätigen Frau Wiebke (Jutta Seifert) zu kümmern. Als diese zu Forschungszwecken für eine paar Tage in eine einsam im Wald gelegenen Herberge reist, begleitet er sie, um mal aus den eigenen Vier Wänden raus zu kommen. Während Wiebke die Zeit mit Forschen verbringt, freundet Günther sich mit Chris (Jens Burnicki) an, mit dem ihn unter anderem die Leidenschaft für Comics verbindet. Die Unterhaltungen zwischen den beiden drehen sich dann neben den allgemeinen Männerthemen natürlich auch um die einstigen Helden in Strumpfhosen.

Meinung zum Film:
„Eine 80-minütige Tragikomödie, die Stereotypen gnadenlos bedient, um sie dann endgültig ins Nirvana zu schleudern!!!“ steht in roten Buchstaben auf der Rückseite des Covers der DVD. Was die Stereotypen betrifft, so kann diese Aussage nur unterstrichen werden. Vor allem Chris bedient das Klischee des verschüchterten Comicfreundes, der noch nie im Leben eine Freundin hatte, Sex nur vom Hören-Sagen und dem Internet kennt und höchstwahrscheinlich bis ins Grab als Jungfrauenopfer bei dämonischen Teufelsanbetungen dienen kann, bis ins kleinste Detail. Bei ihm geht es sogar so weit, dass er Umstände seines Lebens, die er seinem privaten Umfeld als real präsentiert, einzig in der eigenen Fantasie erlebt, um bei seinen Freunden und Verwandten nicht als totaler Loser dazustehen.

Günther hat, was das Zusammenleben mit einer Frau betrifft, auf den ersten Blick weniger Probleme, doch auch sein Leben scheint irgendwie festgefahren und unbefriedigend zu sein, da er den Wünschen und Erwartungen seiner Frau nicht unbedingt gerecht werden kann. Mit dem Herbergsvater Marc gibt es dann noch den aus Comics bekannten Sidekick, der immer mal wieder in seiner naiven und begriffsstutzigen Art für einen Lacher sorgt, in dieser reinen, tumben Form aber eher selten in der freien Wildbahn des Lebens anzutreffen sein wird. Zusammen mit den trotteligen Kleinkriminellen, die wahrscheinlich nicht einmal das Konto einer Rentnerin leer räumen könnten, wenn sie deren Sparbuch in der Hand halten, bietet der Film durchaus eine passable Ansammlung an klischeebehafteten Vorurteilen auf 4 Beinen auf, ob diese dann am Ende wirklich alle ins Nirvana geschleudert werden und sich wie einst der Planet Krypton zu Staub und feinsten Kristallen auflösen, sollte man als Zuschauer besser am Ende des Films selbst entscheiden.

Das zentrale Thema des Film ist die Unzufriedenheit zweier Männer, die sich zurück auf ihre zwanglosen Erlebnisse in der Jugend besinnen. In ihren vielen Gesprächen, die man sicherlich in ähnlicher Form auch am Ende der eigenen Jugend schon in ähnlicher Form geführt hat, bzw. geführt haben könnte, geht es um Alkohol, Drogen, Frauen, Sex und natürlich Comichelden. Ein wenig ist es die germanische Heimatfilm-Variante von „Clerks“, allerdings mit deutlich ernsteren Untertönen. Er ist geprägt vom typischen deutschen Kino, das hinter jedem Witz am Ende auch irgendwo eine Aussage stehen habe möchte. Aus diesem Grund will der große Funke, den es bei „Clerks“ zweifelsohne gab, nicht so recht herüber springen. Doch dank der beiden liebenswerten Hauptcharaktere und größtenteils gelungenen Dialogen zwischen den beiden ist „Superhelden – Hasenbrot und Waldgeflüster“ durchaus als unterhaltsam, wenn auch mit eher bedächtigem Tempo anzusehen. Die Amateur-Darsteller sind zwar problemlos als solche zu erkennen, vor allem an dem ein oder anderen doch sehr steif vorgetragenen Satz, doch reicht ihre darstellerische Leistung insgesamt vollkommen aus, um den Film zu tragen. Und letzten Endes geht es doch eh nur um die Frage, wer der größere Superheld ist: Superman oder Spider-Man?

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist für eine kleine Produktion durchaus gelungen und kann den Ansprüchen an einen Independent-Film genügen. Der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 steht dem in nichts nach und ist ebenfalls durchweg klar verständlich.

Als Extra gibt es zwei jeweils rund 5-minütige Making Ofs, eines aus Sicht der Darsteller, eines aus der Sicht der Crew, in denen die Beteiligten zu Wort kommen und ihre Eindrücke von der Arbeit am Set zum Besten geben. Abschließend gibt es noch etwas zur Geschichte des „Naturfreundehauses“, das als Set für die Herberge herhalten musste.

Die DVD ist nicht über die üblichen Vertriebswege zu bekommen, kann aber direkt über die Internetseite von Regisseur und Drehbuchautor Thorsten Lehmkühler unter der Internetadresse http://superhelden.blog.de/ bezogen werden.

Fazit:
„Superhelden – Hasenbrot und Waldgeflüster“ ist eine deutsche Independent-Filmproduktion, die Klischees vom pubertären Comicgeek in reinster Form präsentiert, allerdings auf eine liebenswerte Art, ohne dabei zu beleidigen. Das Tempo ist sehr gehmählich und nicht jeder Dialog kann wirklich überzeugen, insgesamt reicht es aber durchaus zu ordentlicher Unterhaltung, wenn man der Thematik des Films generell etwas abgewinnen kann.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
78:25 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Making-Of (Schauspieler)
  • Making-Of (Filmcrew)
  • Geschichte des Filmhauses
Superhelden - Hasenbrot und Waldgeflüster - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Superhelden - Hasenbrot und Waldgeflüster
Superhelden - Hasenbrot und Waldgeflüster

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Wenn einstige Comicgeeks in die frühe Midlife-Crisis geraten


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007
Regie:
Thorsten Lehmkühler
Drehbuch:
Thorsten Lehmkühler, Nicola Koch
Darsteller:
Lothar Daeuwel, Jutta Seifert, Sascha Braun, Jens Burnicki, Karl Pühmeyer, Vedat Karasu, Thomas Lütkehölter

Label Deutschland :
Eigenvertrieb
Verkaufsstart Deutschland :
04.08.2007