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DVD-Besprechung - Homicide - Mordkommission

Story:
Bob Gold (Joe Mantegna) und sein Partner Tim Sullivan (William H. Macy) vom Morddezernat bekommen einen wichtigen Fall zurücküberwiesen, bei dem das FBI gescheitert ist, die Festsetzung des flüchtigen Drogendealers Randolph (Ving Rhames). Bob wird jedoch, weil er sich als erster am Tatort befand und entgegen seinem Wunsch, einem anderen Fall zugeteilt, bei dem eine ältere, jüdische Ladenverkäuferin erschossen wurde. Was zunächst nach Routine aussieht, entwickelt sich schon bald zu einer Art Verschwörung und für Bob, der selbst Jude ist, werden die Ermittlungen zunehmend zu einem Selbstfindungstrip.  

Meinung zum Film:
Regisseur und Drehbuchautor David Mamet ("Die unsichtbare Falle") machte zuletzt 2004 mit dem Thriller "Spartan" als Regisseur auf sich aufmerksam. Weit bekannter und geschätzter sind jedoch seine Arbeiten als Drehbuchautor, die u.a. "Die Unbestechlichen", "Wag the Dog" und "Wenn der Postmann zweimal klingelt" umfassen. "Homicide" gewann 1991 den Los Angeles Film Critics Association Award für die beste Kameraführung und im Jahr darauf wurde David Mamet bei den London Critics Circle Film Awards als Drehbuchschreiber des Jahres ausgezeichnet. Im Jahre 1991 ging er mit den Film sogar ins Rennen um die Goldene Palme in Cannes.

"Homicide - Mordkommission" beginnt als Krimi, entwickelt sich dann, aufgrund gewisser Verschwörungstendenzen, zu einem Thriller, zentriert sich aber auch sehr stark auf die Persönlichkeit von Bob Gold und die Suche nach seiner eigenen Identität. Leider fällt gleich zu Beginn die erschreckende Oberflächlichkeit der Hauptfiguren ins Auge. Von Bob Gold erfährt man eigentlich fast gar nichts, außer, dass er Spezialist für Geiselnahmen, sowie wenig strenggläubiger Jude ist. Seine Religion bedeutet ihm offenbar sehr wenig und er scheint sie sogar eher vor seinen Kollegen verleugnen zu wollen. Er will vor allem für seine Arbeit respektiert werden. Sein Partner Tim Sullivan, gespielt von William H. Macy ("Fargo") hat zwar sehr viel Screentime, die Informationen über seine Person sind jedoch noch spärlicher. Dadurch fällt es leider schwer, die Motive beider Charaktere nachzuvollziehen. Auch die Dramaturgie hinterlässt das eine oder andere Fragezeichen, so kommt es z.B. am Anfang zu einer Schlägerei mit einem Verhafteten auf der Wache, bei der Bob verletzt wird. Der Film nimmt sich hinterher allerdings viel Zeit damit, die beiden Kontrahenten im netten Kaffeeklatsch zu zeigen. Auch das Auftauchen von Bob am Tatort des Mordes an der alten, jüdischen Dame würde man so wohl eher in einer Komödie erwarten, die Szene wird jedoch gar nicht humoristisch genutzt. Am Tatort begegnet Bob nämlich zwei ziemlich unfähigen, jungen Kollegen, die nicht in der Lage sind, einen Hund zu bändigen, der sie nicht zum Tatort lässt. Bob regelt das lässig mit einem Sandwich und als direkte Folge hat er die entsprechenden Ermittlungen am Hals.

Enttäuschend verläuft auch die Interaktion mit seinem Partner, obwohl beide Charakterdarsteller hier wieder sehr gute Leistungen abliefern. Zu Beginn ergehen sich beide nur in endlosem Machogehabe darüber, wie sie diesem Drogendealer den Arsch aufreissen werden, später ist Tim nur noch sauer auf Bob, weil ihm der andere Fall zunehmend wichtiger wird. Im Lauf seiner Ermittlungen begegnet Bob zahlreichen Juden, die offensichtlich so ziemlich jedes Klischee abdecken. Da gibt es z.B. reiche, versnobbte Juden und vor allem sehr viele militante Juden, die sich nicht als Amerikaner fühlen, sondern sich lediglich ihrer Gemeinschaft verbunden fühlen. Hier streut Mamet nun zunehmend Hinweise, die auf eine größere Verschwörung im Hintergrund gegen die jüdischen Mitbürger abzuzielen scheint und führt auch eine rechtsradikale Organisation in die Handlung ein. Bob gerät nun zunehmend in den Dunstkreis dieser militanten, jüdischen Vereinigung und muß sich zunehmend die Frage stellen, wo eigentlich seine Loyalitäten liegen, und was ihm wichtiger ist, sein Beruf oder die Zugehörigkeit zu einer größereren Gemeinschaft. Leider hört sich das alles weit spannender an als es letztendlich ist. Das Erzähltempo ist extrem niedrig, Action gibt es keine, der Selbstfindungstrip verläuft schwerlich nachvollziehbar, sowie oberflächlich, und die angedeutete Verschwörung verläuft im Sande. Hinzu kommen dann noch haarsträubende Logikfehler. Besonders enttäuschend ist das Ende, bei dem es Mamet scheinbar nur darauf anlegt, seinem Helden den Boden unter den Füßen wegzuziehen und seine neu entdeckte Identität direkt wieder zu zerstören.  

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist zwar nicht überragend, insgesamt aber zufriedenstellend. Das Bild weist hin und wieder Verschmutzungen auf, und es liegt ein recht starkes Bildrauschen vor. Beide Tonspuren überzeugen mit guter Verständlichkeit. Der Film ist aufgrund des hohen Dialoganteils sehr frontlastig, großartige Effekte gibt es keine.

Auf der DVD befinden sich lediglich der Trailer zum Film, sowie Bio-/Filmographien von Joe Mantegna, William H. Macy und Ving Rhames.

Fazit:
"Homicide" ist ein behäbiger Krimi, der leider mit Action weit mehr spart als mit Klischees. Wirkliche Spannung kommt nie auf, da der Fall gegenüber der Suche nach der eigenen Identität immer stärker in den Hintergrund gerät, wobei dieser Drama-Aspekt jedoch nicht genügend ausgearbeitet erscheint. Das Ende, das wohl zynisch wirken soll, ist dann letztendlich ein Schlag ins Gesicht des Zuschauers, da es die verschwörerischen Ansätze als reine Eye-Catcher entlarvt und viele Fragen offen lässt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
97:04 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Bio-/Filmographien von Joe Mantegna, William H. Macy und Ving Rhames
Homicide - Mordkommission - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Homicide - Mordkommission
Homicide

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein sehr behäbiges Erzähltempo, Klischees und Oberflächlichkeiten neutralisieren vielversprechende Storyansätze und sehr gute Darsteller


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1991
Regie:
David Mamet
Drehbuch:
David Mamet
Darsteller:
Joe Mantegna, William H. Macy, Vincent Guastaferro, J.J. Johnston, Paul Butler, Ving Rhames

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
16.08.2007