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DVD-Besprechung - Roger & Me

Story:
Mit der Schließung des General Motors-Werkes in Flint, Michigan geht die Anzahl an Arbeitgebern steil bergab, während die Arbeitslosigkeitskurve steil nach oben zeigt. Michael Moore möchte mit dem GM-Vorsitzenden Roger Smith gern persönlich über den Umstand sprechen, dass während der Blütezeit des Konzerns Werke in den USA geschlossen werden, während in Mexiko neue Werke mit billigen Arbeitskräften geöffnet werden. Den General Motors-Chef wird er zwar nicht treffen, dafür aber eine Menge anderer Menschen, die alle ihre eigenen Gedanken und Berührungspunkte mit Flint, Arbeitslosigkeit und Profit haben.

Meinung zum Film:
Wer Bowling for Columbine und The Big One gesehen hat, wird gleich von der deutschen Synchronisation überrascht sein. War man es bislang gewohnt, der Original-Stimme von Michael Moore zuzuhören und bei Bedarf auf die deutschen Untertitel zurückzugreifen, wird diesmal mit einer germanischen Off-Stimme verwöhnt. Doch wer die anderen Dokumentation kennen und lieben gelernt hat, wird schon bald zum gewohnten Zustand umschalten. Der DVD-Technologie sei Dank, hat der von der Technik verwöhnte Zuschauer die Wahl. Aber auch ansonsten fällt etwas bei dieser ersten Moore-Produktion auf - Michael Moore ist um einiges schlanker. Und mit einer Szene, in der er die Tötung und Häutung eines Kaninchens zeigt, beweist er leider das noch fehlende Händchen für Geschmacklosigkeiten. Die Brücke zwischen Kaninchenzucht und Großfabriken wurde vorher schon mehr als klar verdeutlicht und durch diese Bilder verdreht es dem unvorbereiteten Zuschauer höchstens den Magen; und sollte der kleinere Nachwuchs die Bilder am Rande erhaschen - Tränen, Alpträume und Traumata sind denkbare Reaktionen.

Doch ansonsten ist alles beim Alten. Schon in seinen frühen Tagen stellt er die Fragen an die Industriellen, zu denen es keine menschliche Antwort, sondern nur profitorientierte Handelsweisen gibt. Bei "Roger & Me" wird ein Blick auf die Auswirkungen geworfen, die durch die Schließung eines General Motors-Werkes in Flint, Michigan, Moores Heimatstadt, entstehen. Flint, eine Stadt, die durch den Wegfall des größten Arbeitgebers mit dem unlösbaren Problem der Massenarbeitslosigkeit konfrontiert wird. Ein Problem, das gerade heute so aktuell ist wie nie zuvor. Und schnell kann es anderen Städten ebenfalls so gehen, dass durch fehlendes Geld ganze Stadtteile zu baufälligen Geisterorten werden und Schnellschüsse und von Beginn an zum Scheitern verurteilte Aktionen der Stadtväter höchstens zum Kopfschütteln führen, aber sicherlich nicht zum Aufschwung.

Sein einzigartiger Inszenierungsstil ist schon in diesem Frühwerk zu erkennen. Mit seiner Mischung aus Komik und ernsten Fakten macht er Politik und Wirtschaft für wirklich jeden begreifbar und unterhaltsam. Vor allem durch den Mix verschiedener Sichtweisen und Motivationen, die er durch Interviews mit Persönlichkeiten und Menschen von verschiedenen Berufsgruppen und Sozialschichten erhält, macht er sich zum Instrument des kleinen Mannes. Im Endeffekt ist die Suche nach dem General Motors-Vorsitzenden Roger Smith der Weg, der das eigentlich Ziel darstellt. Aber wenn Roger Smith am Ende des Filmes in einer Weihnachtsrede Worte aus Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte predigt und parallel dazu Bilder einer Wohnungsräumung einen Tag vor Weihnachten gezeigt werden, zeigt dies die Leere, die hohle Phrasen der Reichen oftmals haben, denn "Money makes the world go round". Da bleibt kein Platz für Menschlichkeit und Teilen. Ein großes Lob an Michael Moore, der uns dieses in seiner Dokumentation ungeschminkt vorführt.

Digitale Aufarbeitung:
Bei "Roger & Me" handelt es sich um eine ältere Dokumentation mit Originalaufnahmen aus alten Tagen. Von daher ist eine Bewertung des Bildes nicht aussagekräftig. Soviel sei gesagt - es macht einen stimmigen Eindruck. Gleiches gilt für den in Mono vorliegenden Ton, der durchweg klar verständlich ist.

Als Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von Michael Moore, der noch einmal die Ereignisse Revue passieren lässt und so manchen zusätzlichen Seitenhieb und so manche lustige Anekdote zum Besten gibt. So macht es einen zweiten Filmdurchlauf eigentlich schon fast unumgänglich für Anhänger des Mannes mit dem spitzen Mikrofon. Ansonsten gibt es noch einen Trailer zum Film, der auf jeden Fall auch angeschaut werden sollte.

Fazit:
Wie bei allem, wo Michael Moore drauf steht, ist auch in diesem Frühwerk schon eine große Portion Michael Moore enthalten. Vielleicht nicht ganz so bissig wie in seinen späteren Werken, aber immer noch besser als die meisten anderen Dokumentationen. Eine klare Empfehlung für jeden, der Denkanstöße und Fakten auf unterhaltsame Weise und aus verschiedenen Perspektiven erhalten möchte.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
86:54 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Französisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Dänisch, Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Finnisch, Französisch, Norwegisch, Schwedisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Michael Moore
  • Trailer
Roger & Me - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Roger & Me
Roger & Me

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Die Suche nach Roger ist das zum Denken anregende Ziel


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1989
Regie:
Michael Moore
Drehbuch:
Michael Moore
Darsteller:
Michael Moore, Bob Eubanks, Pat Boone, Roger B. Smith, Miss Amerika 1988

Label Deutschland :
Warner Home Video Germany
Verkaufsstart Deutschland :
20.11.2003