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DVD-Besprechung - Ronin (Gold Edition)

Story:
Ein Gruppe Gangster ist auf der Jagd nach einen Koffer mit unbekanntem Inhalt. Unter der Leitung von Deirdre (Natascha McElhone) setzen sich die Spezialisten Sam (Robert De Niro), Vincent (Jean Reno) und Gregor (Stellan Skarsgård) in Bewegung, um das Objekt der Begierde in ihre Finger zu bekommen. Nachdem man sich bei Spence (Sean Bean) die notwendige Ausrüstung besorgt hat und der Plan sorgfältig ausgearbeitet wurde, geht der Diebstahl auch erst relativ glatt über die Bühne. Doch die Freude über den gelungenen Coup hält nicht sehr lange an, da einer von Ihnen falsch spielt und den Koffer an einen anderen zahlungskräftigen Interessenten zu seinem eigenen Vorteil veräußern möchte. Die Jagd nach dem Gepäck mit unbekanntem Inhalt geht für den Großteil der Gruppe von vorne los - nur, dass diesmal einer ihrer ehemaligen Mitstreiter in ihrem Fadenkreuz steht.

Meinung zum Film:
Mit "Ronin" hat der am 6.Juli 2002 verstorbene Altmeister John Frankenheimer ("French Connection II", "Schwarzer Sonntag") einen Actionfilm mit einer recht ungewöhnlich melancholischen Grundstimmung geschaffen. Die teilweise recht schnell geschnittenen und wild inszenierten Verfolgungsjagden stehen im krassen Gegensatz zu der Ruhe in den anderen Momenten, die durch den langsamen Soundtrack noch zusätzlich an Schwere gewinnen. Der ständige Wechsel von knalliger Adrenalin-Action zu stimmungsvoller Melancholie ist gewöhnungsbedürftig und die dadurch entstehende Verschleppung des Tempos nicht unbedingt immer zum Vorteil des Films. Der Story ist zudem noch recht schwer zu folgen, da vieles nur oberflächlich angedeutet wird und man als Zuschauer oftmals zwischen den Zeilen verstehen muss, was da im Moment vor sich geht und was die Protagonisten nun wirklich fühlen und denken.

Aber auch wenn man nicht alle Nuancen der Charaktere begreifen kann, so sorgen die Darsteller zumindest dafür, dass man sie ernst nimmt. Regisseur John Frankenheimer hat dafür eine qualitativ hochwertige Schauspielerschar um sich versammelt. Allen voran Robert de Niro ("Heat", "Der Pate 2"), der in gewohnter Weise in seinen Szenen alles zu überstrahlen scheint und die Zerrissenheit seiner Figur greifbar macht. Jean Reno ("Leon - Der Profi", "Die Purpurnen Flüsse") steht dem in nichts nach und es besteht zu keiner Sekunde die Gefahr, dass er im Glanz des Schauspiels seines oftmals alles überstrahlenden Kollegen untergehen würde. Die Szenen, in denen beide zusammen vor der Kamera stehen, fesseln den Zuschauer und sind stets ein Genuss für den Betrachter. Hinzu kommen die bemerkenswert guten Leistungen von Sean Bean ("Der Herr der Ringe", "Sag kein Wort"), Jonathan Pryce ("Stigmata", "Was Mädchen wollen") und Natasha McElhone ("FearDotCom", "Laurel Canyon"). In der deutschen Fassung kommt die Leistung der letztgenannten allerdings nicht sehr überzeugend rüber, da ihrer deutschen Synchronstimme die notwendige Bestimmtheit und Durchsetzungskraft fehlt und ihr dadurch die autoritäre Ausstrahlung der englischen Fassung verloren geht.

Wo der Film eindeutig in der Erinnerung seines Publikums bleiben wird, ist bei seinen rasanten Autoverfolgungsjagden. Beim Diebstahl des Koffers denkt man schon fast, dass die Action kaum noch überboten werden kann. Doch mit einer zweiten Hetzjagd durch die engen und überfüllten Straßen übertrifft Frankenheimer die vorhergehende Action noch einmal eindrucksvoll. Mit einfallsreichen Kameraaufhängungen an den Fahrzeugen, rasanten Schnittfolgen, HighSpeed-Action und waghalsigen Stunts gehören die Autojagden zweifelsohne zu den einprägsamsten Momenten der Kinogeschichte. Dass die Story nicht immer leicht zu folgen ist und die melancholische Grundstimmung immer in einem Kontrast zur Action steht, stellt unter dem Strich nur kleinere Kritikpunkte dar. Denn die Action und die schauspielerischen Leistungen, vor allem von Robert de Niro und Jean Reno, sorgen für ein unterhaltsames Filmvergnügen, bei dem man sich auch als Zuschauer am liebsten anschnallen würde.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist sehr gut gelungen. Es bietet natürliche Farben, ein gutes Kontrastverhältnis und nur minimales Bildrauschen. Der Ton in Dolby Digital 5.1 und DTS ist gut abgemischt und kommt mit der richtigen Surroundkulisse daher, um die Action der Bilder zu unterstützen. Die DTS-Variante bietet im Vergleich zu Dolby Digital ein etwas helleres und lauteres Klangbild. In den Tiefen gibt es keine nennenswerten Unterschiede.

Wie es sich für eine Gold Edition gehört, kommt die DVD mit reichlich Extras daher. Der herausragendste Teil dürfte der sehr informative Audiokommentar von John Frankenheimer sein. Als Filminteressierter erfährt man hier eine ganze Menge über das Filmemachen, über Kameraeinstellungen, Schnitte und Übergänge. Den Beitrag könnte man in dieser Form problemlos an jeder Filmhochschule zum Unterricht nutzen. Auf der Bonus-DVD gibt es dann reichlich Bildmaterial. In diesem wird u.a. ausführlich auf die Verfolgungsjagden eingegangen und man bekommt als Zuschauer eine Idee davon, wie aufwendig und gefährlich diese Aufnahmen waren. Robert de Niro, Jean Reno und Natasha McElhone geben in Interviews ihre Meinung zum Film und der Arbeit wieder. Natasha McElhone bekommt zusätzlich noch in einem Beitrag die Gelegenheit, ausführlich auf ihre Arbeit einzugehen. Es folgen weitere Features über den Filmschnitt, die Musik und die Dreharbeiten, ein alternatives Ende so wie eine selbstablaufende Bildergalerie.

Doch bei all den positiven Eindrücken gibt es auch kleinere Schönheitsfehler. Der Text auf dem Cover der DVD zeugt von Schlampigkeiten, die auf eine wenig liebevolle Gestaltung hindeuten. So wird u.a. als Tonformat nur Deutsch und Englisch in Dolby Digital 5.1 angegeben, die DTS-Spuren in beiden Sprachen werden unterschlagen. Natasha McElhone wird fälschlicherweise McElone geschrieben und zu guter Letzt wurde auch noch vergessen, auf den DVDs selbst anzugeben, bei welcher es sich um den Film und bei welcher es sich um die Bonus-Scheibe handelt. Und das auf dem Inlay versprochene Booklet sucht man ebenfalls vergeblich. Ein bisschen mehr Sorgfalt bei den Angaben wäre sicherlich wünschenswert gewesen.

Fazit:
"Ronin" bietet einen nicht immer ganz stimmungsvollen Mix aus rasanten Verfolgungsjagden und melancholischer Grundstimmung. Viele Details sind oftmals nur zwischen den Zeilen zu erkennen und machen den Film dadurch streckenweise schwer verständlich. Doch insgesamt bietet er unterhaltsames Filmvergnügen mit den herausragenden Robert de Niro und Jean Reno. Die Gold Edition hat ihren Namen verdient, die fehlerhaften Angaben sind unschöne Makel, die jedoch verzeihbar sind.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
116:19 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
DTS 5.1
DTS 5.1
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Regisseur John Frankenheimer
  • Alternatives Ende
  • Fotogalerie
  • Im Ronin-Schneideraum
  • Natasha McElhone: Die Arbeit einer Schauspielerin
  • Die Komposition der Ronin-Musik
  • Die Fahrkünste bei Ronin
  • Filmen auf der Überholspur
  • Durch das Objektiv
  • Die Venedig Interviews
Ronin (Gold Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Ronin
Ronin

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Wilde Verfolgungsjagden, melanchlische Stimmungen und zwei herausragende Hauptdarsteller


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK / USA, 1998
Regie:
John Frankheimer
Drehbuch:
J.D. Zeik, Richard Weisz
Darsteller:
Robert de Niro, Jean Reno, Natascha McElhone, Stellan Skarsgård, Sean Bean, Jonathan Pryce

Label Deutschland :
MGM
Verkaufsstart Deutschland :
05.10.2004