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DVD-Besprechung - Tears of Kali

Story:
Experimente der Taylor-Erikssongruppe in den 80er Jahren im entfernten Poona/Indien, welche die Grenzen von Körper und Geist ausloten sollten, haben noch bis in die heutige Zeit Auswirkungen auf einige Menschen. Eine der Leidtragenden ist die junge Elisabeth (Jandris Irena-Heliana), die in einer Nervenheilanstalt behandelt wird und nach langer Zeit von der Reporterin Tansul Yilmaz (Celik Nuran) zu dem Mord an einer Sektenführerin befragt wird. Auch der Rechtsradikale Robin Borg (Marcel Trunsch) bekommt während einer Sitzung mit seinem Arzt Dr. Steiner (Michael Balaun) die Auswirkungen der Sekte zu spüren, ohne davon Anfangs zu ahnen. Genauso ahnungslos gerät der Wunderheiler Cornelsen (Mathieu Carriére) in Kontakt mit der Sekte, als er in einer Gruppentherapie den Schmerz einer Frau lindern will.

Meinung zum Film:
"Tears of Kali" ist eine deutsche Independent-Produktion, die von den DVD-Spezialisten von Anolis, denen wir u.a. etliche unterhaltsame Stunden vor dem Fernseher durch ihre Hammer-Film-DVDs und die Veröffentlichung der japanischen Ring-Reihe in Deutschland verdanken, mitproduziert wurde. Bei manchem leidgeprüften Zuschauer werden da wohl gleich die Alarmglocken klingeln und ein "Oh Gott! Eine deutsche Independent-Produktion im Horrorbereich" wird der einzige Gedanke sein, der ihm kommt. Und als wolle der Film diesen Gedanken untermauern, stellt er sein Publikum anfangs auf eine harte Probe: mit dem hölzernen und nur wenig stimmigen Spiel seiner Darsteller. Vor allem Laiendarstellerin Jandris Irena-Heliana in der Rolle der Elisabeth weiß nur wenig zu Gefallen und Celik Nuran als Reporterin passt sich diesem die meiste Zeit über an. Doch ab der 2. Episode gewinnt "Tears of Kali" eindeutig an schauspielerischem Talent und der zu Beginn nur als ambitioniertes Amateurprodukt zu bezeichnende Streifen wird zum international konkurrenzfähigen Independent-Werk. Darsteller wie Michael Balaun als Dr. Steiner oder Mathieu Carriére ("Wie ein Licht in dunkler Nacht", "Die Spaziergängerin von Sans-Souci") als Wunderheiler gleichen das schlechte Spiel der ersten Episode wider aus.

Die drei Geschichten, die erzählt werden, sind lose über das Hauptthema der Experimente der Taylor-Erikssongruppe miteinander verknüpft, stellen aber im Endeffekt nichts anderes als für sich eigenständige Kurzfilme dar. Die erste Episode scheint offensichtlich ein frühes Projekt des Regisseurs zu sein, das durch deutlich später und professioneller entstandene Episoden erweitert wurde. Neben ihrer visuellen Stärke haben alle Episoden aber eins gemeinsam - beklemmende Stimmung und teils recht blutige Bilder. Zarte Gemüter seien vor der grafischen Gewaltdarstellung gewarnt, denn "Tears of Kali" hält einige nette Splattereffekte bereit, die es erstaunlicherweise durch die Prüfung der FSK geschafft haben. Doch die Effekte sind nur kleinere Dreingabe und wirken nicht wie notwendige Übel, um von einem ansonsten schlechten Film abzulenken, wie es bei vielen Amateur-Horrorfilmen der Fall ist.

Denn das Erstlingswerk von Regisseur und Drehbuchautor Andreas Marschall ist allein auf Grund der Inszenierung und des guten Spannungsaufbaus zu empfehlen. Vor allem Freunde von Episodenfilmen werden allerbestens bedient. Der Filmemacher ist bemüht, keine Routine in seine Bilder kommen zu lassen. Mit einer Mischung aus schnellen Schnitten, dem Wechsel von Perspektiven und künstlerischer Verfremdung erzeugt er seinen eigenen, visuellen Stil, der es schon alleine rechtfertigt, sich "Tears of Kali" anzusehen. In der ersten Episode übertreibt er es zeitweise ein wenig mit den Spielereien, doch danach findet er ein gutes Maß. Gehoben wird der gute Eindruck der Bilder noch durch den spannenden und stimmungsvollen Soundtrack. Ein eindeutiger Fehlgriff sind allerdings die Einspielungen von Hard Rock-Klängen, die mit einem Schlag die beklemmende Stimmung zunichte machen und dem Zuschauer vor Augen führt, wie fatal die falsche Musikauswahl sein kann.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist in Sachen Farben und Kontrast gut gelungen. Leichte Schwachpunkte sind die nicht ganz zufriedenstellende Schärfe und das Bildrauschen. Der deutsche Dolby Digital 5.1-Ton ist mit klaren Schwächen in der Abmischung der Sprache versehen. Während Effekte und Musik klar und gut verteilt aus dem Surround-System erschallen, kommt die Sprache teilweise recht dumpf und viel zu leise aus dem Center, wodurch es nicht immer einfach ist, alles zu verstehen. Qualitative Abstriche müssen vor allem bei der ersten Episode gemacht werden, da es sich hier aber wahrscheinlich um eine frühe Amateurproduktion handelt, ist das Ergebnis sicherlich das bestmögliche.

Das Bonusmaterial fällt eher schwach aus. Bis auf den Trailer zum Film und einem Making Of, das sich aus unkommentierten Szenen vom Dreh zusammensetzt, ist auf der DVD nichts an Extras zu finden.

Fazit:
"Tears of Kali" ist eine gut gelungene deutsche Independent-Produktion, die durch einfallsreiche Kamera-, Bild- und Schnitttechnik, sowie einer packenden Stimmung überzeugen und mit internationalen Produktionen gleicher Kategorie problemlos mithalten kann. Qualitative Abstriche in jeder Art müssen allerdings bei der ersten Episode gemacht werden, die offensichtlich aus einer früheren Schaffensphase des Regisseurs stammt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
105:48 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Trailer
Tears of Kali - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Tears of Kali
Tears of Kali

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Episoden-Horror made in Germany


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2004
Regie:
Andreas Marschall
Drehbuch:
Andreas Marschall
Darsteller:
Mathieu Carriére, Adrian Topol, Peter Martell, Anja Gebel, Nuran Celik, Irena-Heliana Jandris, Michael Ballaun

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
17.02.2005