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DVD-Besprechung - Unsichtbare Augen

Story:
Die Regeln sind einfach - 5 Personen müssen über 6 Monate isoliert in einem Haus wohnen, unter ständiger Beobachtung durch Dutzende von Webcams, dessen Bilder auf einer Website zahlenden Kunden zugänglich gemacht werden. Bleiben alle drin, sind alle Gewinner und erhalten 1 Million Dollar. Doch sollte auch nur einer aussteigen, ist das Spiel vorbei und die Gruppe hat verloren. Der Aufenthalt in dem eingeschneiten, fernab von jeglicher Zivilisation liegendem Haus, von dem kein Bewohner weiß, wo es liegt, entpuppt sich schon bald als nervenaufreibendes Domizil. Je mehr Zeit vergeht, umso mehr macht sich das blanke Entsetzen unter den Bewohnern des Hauses breit. Denn die Macher des Spiels konfrontieren die Mitspieler mit dunklen Geheimnissen aus ihrer Vergangenheit und führen die jungen Leute dadurch an den Rand der Verzweiflung. Und auf einmal beginnt aus der Reality-Show ein mörderisches Spiel zu werden.

Meinung zum Film:
Wenn die ersten Bilder des Universal-Logos über den Schirm flimmern, wird der ein oder andere Zuschauer voller Panik die einwandfreie Funktion seines Fernsehgerätes in Frage stellen. Verzerrt und flimmernd erscheint das Bild und ändert sich auch in den nächsten Sekunden nicht. Entwarnung gibt es mit den ersten Einstellungen des Filmes, da in diesem Moment klar wird, dass das verzerrte Bild ein gewolltes Stilmittel von Regisseur Marc Evans ist, der von Beginn an dem Zuschauer das Gefühl einer voyeuristischen Umgebung mit Hilfe eines abgefilmten Bildschirmbildes geben möchte. So ist der Betrachter gleich dabei, die Protagonisten als die Teilnehmer einer Reality Show zu sehen, die sie im Film darstellen.

Auch in den späteren Szenen aus dem Haus nutzt Evans hauptsächlich starre Bilder, die maximal durch Zoomen und minimale Bewegungen ihre Szenen einfangen. Somit wird der Effekt von fest im Haus installierten Kameras erzeugt, wie sie in Reality-Shows a la Big Brother genutzt werden. Nur sind in diesem Haus wesentlich mehr elektronische Augen eingerichtet, so dass jede Szene aus den verschiedensten Perspektiven gezeigt werden kann. Durch diese Art der Inszenierung hat der Film einen großen realitätsnahen Touch, der von der Wirkungsweise ein wenig an das "Blair Witch Projekt" erinnert. Diese natürlich wirkende Atmosphäre ist ein großes Plus des Filmes. Durch die Kameraperspektiven, dem eher ruhigen Ton und der dadurch entstehenden, realen Spannung, zieht der Film den Zuschauer mitten in das Geschehen hinein. Die Anspannung der Protagonisten wird fast greifbar und ein unwohles Gefühl macht sich recht schnell auch beim Betrachter breit.

Aber im Gegensatz zum Blair Witch-Film hat "Unsichtbare Augen" auch eine Geschichte zu erzählen und verlässt sich nicht alleine auf den psychischen Terror, den er verbreitet. So ist man u.a. ständig mit der Frage beschäftigt, was überhaupt im Haus vor sich geht und ob die Kandidaten wirklich alle echt sind oder ob nicht einer von ihnen ein Kuckuck ist, der von der Firma in die Gruppe platziert wurde, um für Ärger zu sorgen. Auch die Frage, wie weit Reality-TV gehen darf, ist ein elementares Thema des Filmes, das vor allem mit der Wendung zum Ende eine ganz andere Blickrichtung auf diese Diskussion wirft und dem Zuschauer noch einmal einen kräftigen Tritt in die Magengegend gibt und ihn mit einem unwohlen Gefühl zurücklässt. Kleinere Logikfallen des Drehbuches können problemlos verziehen werden und die Frage, die sich am Ende stellt, ist eher, ob der Film nur einen Blick auf eine mögliche Zukunft wirft, oder gar schon Realität ist?

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist in den Szenen im Haus ein wenig verschwommen, was aber als Stilmittel des Regisseurs für die richtige Big Brother-Atmosphäre dienen soll. Gleichermaßen verhält es sich mit den Farben, die ein wenig blass erscheinen. Der Ton ist die meiste Zeit über frontlastig, um so die sterile Atmosphäre einer Reality-Show zu erhalten. Aber in einigen Momenten werden die hinteren Speaker druckvoll für den richtigen Schockeffekt eingesetzt. Ansonsten gibt es aus dem hinteren Bereich leichte musikalische Untermalung und einige unterschwellig wahrzunehmende Töne, die zum unbehaglichen Gefühl beitragen.

Bonusmaterial ist auf der DVD auch reichlich zu finden. Neben einem Audiokommentar mit den Produzenten und dem Regisseur, einer zweiten Kommentarspur, wo der Zuschauer Kommentaren der virtuellen Firma zuhören kann, einem knapp 30-minütigen, informativen Making of, erweiterten Webcastaufnahmen aus dem Film und unveröffentlichten Szenen gibt es das zum Film passende voyeuristische Extra - nach Auswahl im Extras-Menü der DVD kann eine Sexszene aus verschiedenen Kamerawinkeln betrachtet werden - selbst während des Films. Ein Bonus, der dem Streifen dadurch noch einen gewissen interaktiven Touch verleiht. Insgesamt eine sehr gute Zusammenstellung, die bei vergleichbaren, kleineren Produktionen eher selten ist.

Fazit:
Ein wirklich packender Film, der das Thema Reality-TV in den Mittelpunkt stellt und die Frage in den Raum wirft, wie weit man gehen darf. Die Anspannung der Charaktere überträgt sich mit der Zeit auch auf den Zuschauer und macht "Unsichtbare Augen" zu einem schaurigen Erlebnis mit einem Bauchschmerzen verursachendem Finale. Das Bonusmaterial ist ebenfalls liebevoll zusammengetragen, womit die DVD für Freunde atmosphärisch dichter Psychothriller eine klare Kaufempfehlung ist.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
91:28 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Isländisch, Norwegisch, Schwedisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar des Produzenten und des Regisseurs
  • Kommentar mit Gesprächen der Firma (nur englisch)
  • Making Of
  • Unveröffentlichte Szenen
  • Sexszene aus verschiedenen Kamerawinkeln
  • Webcast-Auditions in voller Länge
Unsichtbare Augen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Unsichtbare Augen
My little Eye

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Reality-TV the Blair Witch Way


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / UK / USA, 2001
Regie:
Marc Evans
Drehbuch:
David Hilton, James Watkins
Darsteller:
Jennifer Sky, Stephen O`Reilly, Laura Regan, Sean CW Johnson, Kris Lemche

Label Deutschland :
Universal Pictures Germany
Verkaufsstart Deutschland :
04.12.2003