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DVD-Besprechung - Urteil von Nürnberg

Story:
3 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges wird Richter Daniel Haywood (Spencer Tracy) von Amerika nach Deutschland beordert, um hier über vier Richter zu urteilen, die beschuldigt werden, die Greueltaten des 3. Reiches unterstützt zu haben, indem sie das Recht der Nationalsozialisten vertraten. Das Hauptaugenmerk bei der Verhandlung gehört dem ehemaligen Justizminister Dr. Ernst Janning (Burt Lancaster), der mit Hans Rolfe (Maximilian Schell) einen verbissenen Verteidiger an seiner Seite hat, und der Staatsanwalt Col. Lawson (Richard Widmark) die Stirn bietet. Die Verhandlung stellt sich als äußerst schwierig heraus und die Urteilsfindung wird zu einem heiklen Drahtseilakt für Richter Haywood.

Meinung zum Film:
Das Thema, dem sich "Das Urteil von Nürnberg" annimmt, ist ein äußerst heikles. Nachdem der 2. Weltkrieg vorüber, und damit die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten beendet war, dürstete die Welt nach der Bestrafung der Verantwortlichen für die grausamen Verbrechen an der Menschheit, die im Namen Deutschlands begangen wurden. Das große Problem - die obersten Köpfe des 3. Reiches lebten allesamt nicht mehr. So wurde ein Prozess in Nürnberg, in dem die obersten Richter Nazideutschlands angeklagt wurden, zu einem äußerst wichtigen Verfahren, da hier festgelegt wurde, in wie weit einzelne Berufsgruppen für die Naziverbrechen Mitverantwortung tragen. Und dadurch wurde auch die Frage öffentlich aufgeworfen, in wie weit man das Deutsche Volk für die grausamen Völkermorde mitverantwortlich machen kann.

Besonders herausragend an dem Film sind die schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Spencer Tracy ("Der alte Mann und das Meer") strahlt in jeder Pore Weisheit und Gerechtigkeit aus. Von der ersten Sekunde an versucht er sich von Vorurteilen zu lösen, das Thema mit Abstand zu betrachten und den Angeklagten eine reelle Chance zu geben. Ganz anders als Staatsanwalt Col. Lawson, der nicht minder eindrucksvoll durch Richard Widmark ("Achterbahn") verkörpert wird. Lawson ist Soldat durch und durch, und für ihn gibt es nur ein Urteil - schuldig. Er kann nicht akzeptieren, dass Menschen das Gesetz der Nazis ausübten, anstatt sich dagegen bedingungslos aufzulehnen und dem Schrecken ein Ende zu setzen. Ganz anders als Verteidiger Hans Rolfe. Der Österreicher Maximilian Schell ("Die Brücke von Arnheim") versprüht in dieser Rolle einen unglaublich energiegeladenen und mitreißenden Enthusiasmus bei seinen Bemühungen, den ehemaligen Justizminister nicht als Bestie dastehen zu lassen, schießt dabei allerdings selbst teilweise ein wenig über das Ziel hinaus. Doch noch entscheidender für die menschliche Darstellung der angeklagten Richter ist Burt Lancaster ("Der Gefangene von Alcatraz") in der Rolle von Dr. Janning. Er bleibt ruhig und sachlich, hört sich die Meinungen regungslos an, um dann am Ende in einer mitreißenden Aussage die Dinge zu schildern, wie sie wirklich waren und was er über den Prozess denkt. Ergänzt wird die Darstellerriege durch Marlene Dietrich ("Der blaue Engel") als Generalsgattin, so wie Montgomery Clift ("Verdammt in alle Ewigkeit") und Judy Garland ("Der Zauber von Oz") als Zeugen.

Regisseur Stanley Kramer ("Rate mal, wer zum Essen kommt") behandelt das Thema mit einem großen Fingerspitzengefühl und sieht davon ab, die Menschen, die mit dem Nazi-System leben mussten, generell zu verurteilen. Gemeinsam mit dem Drehbuchautoren Abby Mann ("Das Narrenschiff") stellt er die menschliche Komponente heraus, in dem er das Leben und die Entscheidung aus der Sicht der Betroffenen zu beleuchten versucht. Dabei akzeptiert er in keiner Weise die Geschehnisse und Verbrechen, versucht aber aufzuzeigen, wie schwer es die einzelnen Personen oder Gruppen in dieser Zeit hatten, und dass der Handlungsspielraum begrenzt war. Belohnt wurde die intelligente und einfühlsame Betrachtung des Themas mit insgesamt 11 Oscar-Nominierungen, von denen allerdings nur 2 Trophäen an "Das Urteil von Nürnberg" gingen - der für den besten Hauptdarsteller an Maximilian Schell, so wie der Oscar für das beste Drehbuch nach einer Vorlage an Abby Mann.

Digitale Aufarbeitung:
Das Schwarz-Weiß-Bild präsentiert sich in allerbester Weise. Verschmutzungen sind fast keine auszumachen und Rauschen ist ebenfalls so gut wie nicht zu erkennen. Die für Filme älteren Datums bekannten Unruhen und Kontrastschwankungen treten gar nicht in Erscheinung. Der deutsche Dolby Digital Mono-Ton kommt mit angenehmen Höhen daher und fällt lediglich durch die bei älteren Filmen bekannten Verzerrungen in den Spitzen leicht negativ in Erscheinung. Die Tonspur hat gegenüber der leicht dumpferen englischen Variante eindeutig die Nase vorn.

Bonusmaterial befindet sich nicht auf der DVD. Hier wurde ganz klar eine Chance verpasst, da es sicherlich genügend interessantes Hintergrundmaterial zum Thema gegeben hätte.

Fazit:
Trotz einer Laufzeit von knapp 3 Stunden wird "Das Urteil von Nürnberg" zu keiner Sekunde langweilig. Regisseur Stanley Kramer und Drehbuchautor Abby Mann haben eine Basis geschaffen, die durch herausragende Schauspielleistungen zu einem eindrucksvollen Filmwerk wurde, das einen differenzierten, menschlichen Blick auf das Leben im 3. Reich wirft.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,66:1
1,66:1
178:49 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Französisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Italienisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Spanisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Holländisch, Rumänisch
Bonusmaterial:
  • -
Urteil von Nürnberg - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Urteil von Nürnberg
Judgement at Nuremberg

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Wo endet die Vaterlandstreue und wo beginnt die persönliche Verantwortlichkeit?


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1961
Regie:
Stanley Kramer
Drehbuch:
Abby Mann
Darsteller:
Spencer Tracy, Burt Lancaster, Richard Widmark, Marlene Dietrich, Maximilian Schell, Judy Garland, Montgomery Clift, William Shatner

Label Deutschland :
MGM
Verkaufsstart Deutschland :
24.05.2004