 |
DVD-Besprechung - Der Bunker
Story:
Während draußen das Dritte Reich Stück für Stück von den Alliierten überrannt wird, die immer näher an Berlin heran marschieren, weigert sich im Inneren Adolf Hitler (Anthony Hopkins) Berlin zu verlassen. In dieser Zeit kehren ihm immer mehr seiner ehemaligen Weggefährten den Rücken zu, oder beginnen hinter seinem Rücken gegen ihn zu agitieren. Als der Krieg verloren scheint, will Hitler den Alliierten nur noch verbrannte Erde hinterlassen. Sein Untergang soll auch der Untergang des Deutschen Volkes sein.
Meinung zum Film:
"Der Bunker" ist ein französisch-amerikanischer TV-Film aus dem Jahre 1981. Die Rolle von Adolf Hitler übernahm der britische Charakterdarsteller Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer") und gewann mit dieser Rolle 1981 den "Emmy" für den besten männlichen Darsteller. Der Film basiert auf dem 1975 erschienen Buch "Die Katakombe" des deutschen Journalisten Uwe Bahnsen, sowie des amerikanischen US-Offiziers und Auslandskorrespondenten James P. O'Donnell, die sich dabei wiederum auf Augenzeugenberichte überlebender Bunkerinsassen stützten. Bereits 1955 gab es mit "Der letzte Akt" den ersten Versuch, die letzten Tage im Führerbunker filmisch aufzuarbeiten, es folgte 1973 "Hitler: Die letzten 10 Tage" mit Alec Guiness ("Der Kleine Lord") in der Hauptrolle. Nach "Der Bunker" folgte im Jahr 2004 "Der Untergang" von Oliver Hirschbiegel ("Das Experiment"), die bisher wohl aufwändigste und beste Produktion zu diesem Thema.
"Der Bunker" trägt leider von Beginn an eine sehr schwere Hypothek mit sich herum. Anthony Hopkins ist zwar ein hervorragender Darsteller, aber er hat keinerlei Ähnlichkeit mit Adolf Hitler, da helfen auch kein Linksscheitel und ein kleiner Schnäuzer. Bei einer solch berüchtigten Persönlichkeit, die auch heute noch regelmäßig die Titelseiten der Printmedien ziert, sowie im TV über Dokumentationen allgegenwärtig ist, wiegt dieser Makel relativ schwer. Zusätzlich sorgt die alles andere als gelungene deutsche Synchronisation dafür, dass Hitler sich auch in keiner Weise wie Hitler anhört. Zwar rollt die deutsche Synchronstimme das "R" als gebe es kein Morgen mehr, Betonung, Stimmlage, etc. sind aber völlig daneben. Die Darstellung von Hopkins kann sich allerdings auch in keiner Weise mit dem großartigen Vortrag von Bruno Ganz ("Der Untergang") messen. Die Darstellung konzentriert sich hier besonders auf körperliche Schwächen, Hitler trägt ständig eine Brille, hat riesige Augenringe und seine Hände führen sich auf wie ein Zitteraal, der zunehmende geistige Verfall und seine Wahnvorstellungen bleiben hingegen eher außen vor. Insgesamt wirkt der dargestellte Hitler abgespannt und apathisch. Hat er dann einen seiner gefürchteten, cholerischen Anfälle, trägt Hopkins jedoch viel zu dick auf. Die Darstellung erinnert schon eher an Chaplins "Der Große Diktator" und ist in einem solch ernsten Film, als Zeichen unfreiwilliger Komik völlig fehl am Platze. Erstaunlicherweise spielt in der ersten Stunde des Films auch keineswegs Hitler die Hauptrolle, sondern sein Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Albert Speer, gespielt von Richard Jordan ("Die Elenden"). Dieser hat leider optisch ebenfalls wenig Ähnlichkeit mit seinem historischen Vorbild, zudem interpretiert er seine Rolle erschreckend steif. Albert Speer stand der Produktion mit privaten Aufzeichnungen zur Seite, nur so ist es wohl auch zu erklären, welch positives Bild Speer in diesem Film abgibt. Er plant einen Anschlag auf Hitler, widersetzt sich dauernd seinem Führer und teilt auch noch die letzten Reserven, gegen alle Widerstände, den Krankenhäusern zu. Mittlerweile ist eindeutig belegbar, dass Speer keinesfalls ahnungslos in Bezug auf Massenvernichtungsmaßnahmen der Nazis war. Zur Zeit des Films existierte jedoch noch der Mythos vom "ehrbaren" Speer. Diese Darstellung als Gutmensch wirkt daher heute nur noch befremdend und abstoßend.
"Der Bunker" konzentriert sich, eine weitere Schwäche, ausschließlich auf das Geschehen im Bunker, das Kriegsgeschehen "draußen" wird völlig ausgeblendet. Zudem fehlt ein Zeitstrahl zur Orientierung leider völlig. Eine Stärke des Films ist vor allem die beklemmende und düstere Atmosphäre innerhalb des Bunkers, die aufgemalte Kulissenstadt hinter dem Bunkereingang wirkt hingegen nur peinlich. Einige Szenen finden sich 1:1 in "Der Untergang" wieder, in "Der Bunker" fehlt aber z.B. die sehr emotionale und krasse Szene in der Magda Goebbels ihre Kinder tötet. Überhaupt ist die Darstellung in "Der Bunker" äußerst nüchtern, mit sehr wenig Emotionen versehen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild weist mal ein leichteres, mal ein stärkeres Rauschen auf. Die Schärfe ist gut, die Farben sind aber ab und an ein wenig blass ausgefallen. Insgesamt kann der Transfer für einen 26 Jahre alten TV-Film durchaus überzeugen. Sowohl die deutsche, als auch die englische Tonspur dieses dialoglastigen Films überzeugen mit guter Verständlichkeit, die deutsche Tonspur klingt aber etwas blechern.
Es gibt keinerlei Extras.
Fazit:
"Der Bunker" hat seine Stärken in der kammerspielartigen, beklemmenden Atmosphäre des Bunkers. Die Hauptdarsteller sind aber leider unpassend gewählt, die Figur Speer wird leider extrem verherrlicht und der Krieg draußen und das Leiden der Zivilbevölkerung bleiben völlig außen vor. Auch wenn "Der Bunker" einige Szenen aus "Der Untergang" vorwegnimmt, bietet er nichts, was "Der Untergang" dem Zuschauer nicht wesentlich überzeugender unterbreitet. Die DVD ist technisch in Ordnung, bietet aber keinerlei Extras.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,78:1
|
144:51 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Der Bunker
The Bunker
"Der Bunker" ist nicht "Der Untergang" und Anthony Hopkins kann Bruno Ganz nicht ersetzen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / USA, 1981 Regie: George Schaefer Drehbuch: Uwe Bahnsen, John Gay, James P. O'Donnell Darsteller: Anthony Hopkins, Richard Jordan, Cliff Gorman, Michael Lonsdale, Piper Laurie, Susan Blakely
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 27.07.2007
|