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DVD-Besprechung - Vollmond
Story:
In einer einzigen Vollmondnacht verschwinden auf einen Schlag zwölf Kinder aus allen Regionen der Schweiz, ohne eine Spur zu hinterlassen. Der mit den Ermittlungen betraute Kommissar Anatol Wasser (Hanspeter Müller) steht vor einem Rätsel, geht aber zunächst von einem organisierten Verbrechen aus. Die erwarteten Forderungen nach Lösegeld bleiben jedoch aus, stattdessen erhalten alle Eltern ein Ultimatum mit der Handschrift ihrer Kinder. Den Eltern bleibt noch bis zum nächsten Vollmond, ihr verantwortungsloses Verhalten gegenüber der Natur zu verändern, andernfalls bleiben die Kinder verschwunden.
Meinung zum Film:
Der Schweizer Regisseur Fredi M. Murer, der zu "Vollmond" auch das Drehbuch schrieb, wurde zunächst vor allen Dingen durch seine Dokumentarfilme wie "Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, daß wir da sind" bekannt. Sein bedeutendster Film, das Drama "Höllenfeuer", entstand im Jahr 1985 und gewann auf dem Internationalen Filmfest von Locarno den Goldenen Leoparden. Zu "Vollmond" wurde Murer durch die heftige Reaktion seiner 14-jährigen Tochter auf das Unglück von Tschernobyl inspiriert. Ursprünglich sollten aus "Vollmond" zwei Filme unter dem Titel "Zwei Mal die ganze Wahrheit" entstehen, einmal aus der Sicht der Kinder und einmal aus der Sicht der Erwachsenen erzählt. Diese Idee war jedoch aus produktions- und finanzierungstechnischen Gründen nicht realisierbar.
"Vollmond" ist ein Drama mit Mystery-Komponente, die kriminalistischen Ermittlungen dienen lediglich als schmückendes Beiwerk, um das Scheitern der Logik zu demonstrieren. Denn das ist auch die Hauptbotschaft des Films, der Triumph der Fantasie über die Logik, sowie die Einmaligkeit der Natur. Um jedoch eine ökologisch motivierte Botschaft erfolgreich verbreiten zu können, sollte man entweder die Reize der Natur auch optisch ansprechend in Szene setzen, bzw. ein schlechtes Gewissen vermitteln, oder sogar Angst vor den Folgen der Umweltzerstörung erzeugen. "Vollmond" setzt aber stattdessen auf biederste TV-Optik, über die es nicht möglich ist, die zweifellos vorhandenen landschaftlichen Reize der Schweiz ansprechend in Szene zu setzen. In dieser Umgebung findet sich eine große Anzahl von Charakteren, die frei nach dem Motto "Masse statt Klasse", selbst für einen Fernsehfilm unterdurchschnittlich aufspielen. Hinzu kommt eine äußerst dröge Inszenierung, die zwar an die Fantasie appellieren will, diese selbst aber in keinster Weise anregt. Die mystische Komponente des Films schließlich wird vor allem durch eine Holzhammersymbolik gespeist, so findet sich der bedeutungsschwangere Vollmond, das Holz der Arche Noah, das allerdings eher nach Baumarkt aussieht, der Blinde, der mehr sieht als die Sehenden, sowie die Macht der Träume.
Allerdings gelingt es dem erschreckend naiven Film einfach nicht, zum Zuschauer durchzudringen. Natürlich ist ein Fantasyfilm nicht auf bombastische Spezialeffekte angewiesen, muß man sich diese Komponente jedoch komplett dazudenken, scheint der Griff zu einem guten Buch ratsamer, denn dem Film gelingt es leider nicht einmal, die Träume der Eltern zu visualisieren. Diese verbindet ein gemeinsamer Traum, in dem sie ihre Kinder tanzend und singend auf einer Insel sehen, offensichtlich angespornt von dem 13. Kind, einem farbigen Jungen. Weil der eigentliche Haupthandlungsstrang den Film nicht annähernd trägt, werden quasi im Vorbeigehen oberflächliche Seitenhiebe auf verschiedenste gesellschaftliche Problematiken wie alleinerziehende Mütter, Rassismus oder die Sensationsgeilheit der Medien ausgeteilt. Letztendlich ist in dieser Variante des Rattenfängers von Hameln aber vor allem der Gedanke zentral, dass die Kinder in Umkehrung konservativer Ansichten bemüht sind, ihre Eltern zu einer ökologisch verantwortlichen Lebensweise zu erziehen. Dieses sicher lobenswerte Ansinnen wird jedoch durch Pauschalisierungen wie den schon von Natur aus schlechten Verantwortlichen eines AKW, oder esoterische Weisheiten wie "Der Mann zerstört die Natur aus Rache an ihr, weil er nicht gebären kann" schlichtweg der Lächerlichkeit preisgegeben.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild von "Vollmond" weist ein starkes Rauschen auf und das Bild weist auch immer wieder kleinere Verschmutzungen auf. Insgesamt ist die Bildqualität daher eher durchschnittlich. Der Film bietet zwei Tonspuren, erstens Schweizer Deutsch, zweitens "Hochdeutsch". Allerdings ist auch die zweite Tonspur mit deutlichem Schweizer Akzent eingefärbt, außerdem gibt es, entsprechend den verschiedenen Sprachräumen der Schweiz, auch Passagen in Italienisch und Französisch, die deutsch untertitelt werden. Die Tonspuren überzeugen mit guter Verständlichkeit.
Die Extras sind sehr spärlich ausgefallen. Den Kern bilden drei Kurzinterviews mit Regisseur Fredi M. Murer (5:02), sowie den beiden Schauspielern Lilo Baur (0:57) und Hanspeter Müller (1:37). Hinzu kommen noch eine Biographie von Fredi M. Murer (7 Seiten), Produktionsnotizen (10 Seiten), der Original-Trailer und eine Fotogalerie zum Film.
Fazit:
"Vollmond" stellt den mißlungenen, oberlehrerhaften Versuch eines Appells an Fantasie und ökologisches Bewußtsein dar, der sowohl produktionstechnisch (Schauspieler, Visualisierung) als auch inhaltlich (Naivität, Pauschalisierungen, dröge Inszenierung) auf ganzer Linie scheitert. Tiefpunkt des Films ist neben dem amateurhaften Finale im Studio einer Live-Sendung vor allem der unfreiwillige Humor, der wohl gerne als Ironie verstanden worden wäre.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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119:05 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Schwytzerdütsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Interviews mit Fredi M. Murer, Lilo Baur und Hanspeter Müller
- Biographie von Fredi M. Murer
- Original-Trailer
- Fotogalerie
- Produktionsnotizen
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Vollmond
Vollmond
Moralinsaures Ökomärchen, das vor Naivität strotzt
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Schweiz/Deutschland/Frankreich, 1998 Regie: Fredi M. Murer Drehbuch: Fredi M. Murer Darsteller: Hanspeter Müller, Lilo Baur, Benedict Freitag, Mariebelle Kuhn, Sara Capretti, Max Rüdlinger
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 07.09.2007
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