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Kino-Besprechung - Sicko
Story:
Das Zielobjekt von Michael Moores („Bowling for Columbine“)
neuestem Dokumentarfilm ist das Gesundheitssystem der USA. Dabei geht es
weniger um die Menschen des Landes, die keine Krankenversicherung haben,
sondern jene, die ihre Beiträge zahlen und dennoch vom System im Stich gelassen
wurden. Vor diesem Hintergrund zeigt Moore nicht nur die Wurzeln dieses Systems,
sondern reist nach Kanada, UK und Frankreich, um zu erforschen, wie es dort um
die medizinische Versorgung bestellt ist. Letztendlich schnappt er sich im typisch
Mooreschen Aktionismus einige Helden des 11.9. und überrascht jene vom System „vergessenen“
Kranken mit einem Behandlungsort, den keiner erwartet hätte...
Meinung zum Film:
Als im Vorfeld bekannt wurde, um welches Thema sich Moores
Werk drehen würde, schoben Pharmazie-Konzerne, Krankenhausunternehmen und
Versicherer Panik und alarmierten sämtliche Mitarbeiter, nach einem „schmuddeligen
Typen mit Baseball-Mütze“ in Begleitung eines Kamera-Teams Ausschau zu halten. Völlig
umsonst, denn bis auf wenige Ausnahmen geht Moore in „Sicko“ andere,
tatsächlich neutralere Wege. Anstatt ausgesuchte Vertreter der Gegenseite zu
besuchen und vorzuführen, zählt der kontroverse Filmemacher hier auf die
Beleuchtung von Einzelschicksalen, den Kontrast der Gesundheitssysteme anderer
Staaten und Interviews mit ehemaligen Mitarbeiter der Konzerne – gut gewürzt
mit sarkastischem Humor und Ironie.
Natürlich arbeitet Moore immer noch auf seine eigene Art
und Weise manipulativ: Wenn eine junge Mutter unter Tränen und mit
Violinenmusik untermalt vom Todeskampf ihrer kleinen Tochter erzählt, die nicht
behandelt wurde, weil sie ins „falsche“ Krankenhaus eingeliefert wurde, und
dabei ein Fotoalbum, das wir in der letzten Einstellung der Szene in Großaufnahme
sehen, fest umklammert hält, wird genauso an die Emotionen des Zuschauers appelliert
wie wenn sich ein übertrieben unwissender und ungläubiger Moore von Besuchern
eines Krankenhauses in London auf seine neugierigen Fragen hin („Wie, das
kostet Sie alles keinen Pfennig?“) auslachen lässt.
Trotzdem unterscheidet sich „Sicko“ deutlich vom letzten
Werk „Fahrenheit 9/11“, da – abgesehen von ein/zwei „Bush-Whackings“, die Moore
wohl einfach nicht lassen konnte – dieses Mal keinerlei politische Seite
angegriffen, sondern eine zentrale Frage angesprochen wird, die jeden Menschen interessen
sollte: Wieso schafft es die größte westliche Industrienation nicht, eine
kostenlose Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, wie viele andere Länder es
tun? Somit dürfte es auch eingefleischten Moore-Gegnern schwerfallen, den
Filmemacher in seinem Anliegen zu kritisieren.
Fazit:
Obwohl „Sicko“ an vielen Stellen ein „typischer Moore“
ist, dürfte dieser Film sein bisher neutralstes Werk sein und somit auch den
ein oder anderen Gegner ins Kino locken. Für Befürworter ist der Film eh
Pflichtprogramm.
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Sicko
Sicko
Aufklärung über das Gesundheitswesen der USA - im Moore-Stil.
Autor der Besprechung:
Thomas Beckmann
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007 Regie: Michael Moore Drehbuch: Michael Moore Darsteller: Michael Moore
Verleiher:
Senator
Kinostart : 11.10.2007
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