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DVD-Besprechung - Der Schatz (Arthaus Premium)

Story:
Der Glockengießer Balthasar (Albert Steinrück) zieht zur Vollendung seiner Arbeit den Goldschmiedgehilfen Arno (Hans Brausewetter) hinzu. Zur gleichen Zeit ist Balthasars Gehilfe Svetelenz (Werner Krauss) von der Idee eines alten Schatzes, der innerhalb des Glockengießerhauses versteckt sein soll, besessen. Nachdem Arno bereits Balthasars Tochter Beate (Lucie Mannheim) den Kopf verdreht hat, scheint er jedoch auch bei der Schatzsuche die Nase vorn zu haben. Doch die allgemeine Gier nach dem Gold nimmt schon bald äußerst bedrohliche Züge an.

Meinung zum Film:
"Der Schatz" beruht auf der gleichnamigen, 20-seitigen, spätromantischen Novelle von Rudolf Hans Bartsch aus dem Buch "Bittersüsse Liebesgeschichten", erschienen im Jahre 1910. Der Film ist die erste Regiearbeit von Georg Wilhelm Pabst ("Die Büchse der Pandora") einem der bedeutendsten deutschen Regisseure der 20er- und 30er-Jahre. Obwohl das Werk sein Regiedebüt darstellte, bot "Der Schatz" als einer der ersten Stummfilme eine eigens für den Film komponierte musikalische Untermalung, in diesem Falle von dem Schönberg-Schüler Max Deutsch. Zudem finden sich mit Albert Steinrück ("Der Golem") und Werner Krauss ("Das Kabinett des Dr. Caligari") gleich zwei der herausragendsten Schauspieler dieser Zeit auf der Besetzungsliste. Im Jahre 1998 begannen die aufwendigen Rekonstruktions- und Restaurationsarbeiten an dem Film als internationale Kooperationsarbeit u.a. mit Beteiligung von ZDF/ARTE, der Kirch-Gruppe, Nàrodnì filmový archiv Prague, Cinèmathèque Royale Brussels, Stiftung Deutsche Kinemathek und Frank Strobel.

"Der Schatz" ist ein Stummfilm-Drama in fünf Akten. Auch wenn der Film als eines der letzten großen Werke des deutschen Expressionismus gilt, vereint er in sich inhaltlich und stilistisch Elemente der Romantik, des Naturalismus (Bürgerliche Idylle) und des Expressionismus (Architektur des Glockengießerhauses, gespenstisch wirkende Schatten). In Person des jungen Paares, von Arno und Beate, finden sich aber auch bereits sozialistisch angehauchte Vorstellungen des "neuen Menschen", sowie Hinweise auf die "Neue Sachlichkeit" im Film. Eines der Hauptelemente des Films sind die ständigen Parallelmontagen, die sich vor allem in konträren Paarbildungen (Protagonist/Antagonist) äußern. Auffällig ist auch die "Farbgebung" von "Der Schatz", so sind Nachtszenen bläulich eingefärbt, Tagesszenen sind gelblich und Szenen der Besessenheit, bzw. der Dämonie, sind rötlich angehaucht.

Inhaltlich entwickelt sich das Drama als Auseinandersetzung traditioneller (archaischer) Kräfte und den Kräften der Moderne. Das geradezu märchenhaft anmutende Glockengießerhaus selbst, sowie Svetelenz sind Vertreter der "alten Mächte", während Arno ein Vertreter der revolutionären, modernen Kräfte ist, der an mehreren Stellen des Films seine Gegenspieler verspottet. "Der Schatz" kontrastiert dabei einerseits die Faszination die von dem Gold ausgeht und sich bis zur krankhaften Besessenheit steigert, sowie andererseits das Liebesglück des jungen Paares. Deutsche Zwischentitel finden sich im Film eher vereinzelt, sind aber teilweise sehr umfangreich (Briefe, Lexikonseiten). Die gelungene, musikalische Untermalung hingegen steht den Filmszenen nahezu gleichberechtigt gegenüber.  

Digitale Aufarbeitung:
Wie bei einem Film dieses Alters nicht anders zu erwarten weist das Bild u.a. Laufstreifen, Kratzer und Verschmutzungen auf. Der Kontrast ist nicht immer optimal und der Bildstand ist ebenfalls etwas unruhig. Dafür überzeugt das Bild aber mit größtenteils sehr guter Schärfe und die aufwendige Restaurierung des Films ist offensichtlich, was trotz der gesammelten Mängel, die aber kaum ins Gewicht fallen, für einen Film dieses Jahrgangs eine sehr gute Bildqualität bedeutet. Die Musik wurde im Zuge der Rekonstruktion komplett neu eingespielt und weist ein sehr gutes Klangbild auf.

Die Extras überzeugen nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ auf ganzer Linie. Auf DVD 1 finden sich eine ausführliche Biographie von G.W. Pabst und umfangreiche Starinfos zu den Hauptdarstellern in Textform, eine Fotogalerie, Filminformationen im PDF-Format (DVD-ROM-Bereich), sowie ein sehr interessanter und detaillierter, deutscher Audiokommentar des Filmwissenschaftlers Hermann Kappelhoff und von Marek Bringezu. Auf der zweiten DVD befindet sich das sehr interessante Feature "Das Seelenhaus" (40:03), in dem sich der Sohn von G.W. Pabst, Michael Pabst, u.a. umfassend zur Biographie seines Vaters, sowie inhaltlichen und stilistischen Werten des Films äußert. Positiv ist hier auch anzumerken, dass es mit dem Audiokommentar aufgrund unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen keinerlei Überschneidungen gibt. Den Abschluss bilden die Dokumentation "Die Schatzsucher" (30:01), die sich ausführlich mit den Rekonstruktions- und Restaurationsarbeiten an dem Film beschäftigt, sowie ein Interview mit Frank Strobel (24:18), dessen Schwerpunkt die musikalische Untermalung des Films, sowie das Verhältnis von Musik und Film zu Zeiten des Stummfilms allgemein, bildet. Der Kauf-DVD soll außerdem ein 12-seitiges Booklet beiliegen.  

Fazit:
"Der Schatz" ist ein stilistisch hochinteressanter Film mit herausragenden Darstellern und einer sich stetig zuspitzenden Handlung mit teils märchenhafter Atmosphäre. Allerdings weist die Handlung auch gewisse, kleinere Längen auf, was angesichts der nur 20-seitigen, literarischen Vorlage auch nicht wirklich verwunderlich ist. Technisch ist die DVD sehr gelungen und präsentiert den Film erstmals in ansprechender, aufwendig restaurierter Form. Weiterhin sind die Extras, sowohl vom Umfang, als auch von der Qualität her, einer Premium-Edition mehr als angemessen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,33:1
1,33:1
79:33 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Instrumental
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Biographie von G.W. Pabst
  • Starinfos über Hans Brausewetter, Ilka Grüning, Albert Steinrück, Lucie Mannheim und Werner Krauss
  • Fotogalerie
  • Filminformation (DVD-ROM)
  • Audiokommentar von Hermann Kappelhoff und Marek Bringezu
  • "Das Seelenhaus" - Michael Pabst über G.W. Pabsts "Der Schatz"
  • Dokumentation: "Die Schatzsucher"
  • Interview mit Frank Strobel
Der Schatz (Arthaus Premium) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Schatz
Der Schatz

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Das inhaltlich und handwerklich ansprechende Regiedebüt von G.W. Pabst in technisch hervorragender Präsentation


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1923
Regie:
Georg Wilhelm Pabst
Drehbuch:
Willy Hennings, Georg Wilhelm Pabst (basierend auf einer Novelle von Rudolph Hans Bartsch)
Darsteller:
Albert Steinrück, Werner Krauss, Lucie Mannheim, Ilka Grüning, Hans Brausewetter

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
21.09.2007