 |
DVD-Besprechung - Liebling Kreuzberg - Staffel 1
Story:
Der Anwalt und Notar Robert Liebling (Manfred Krug) betreibt eine kleine Kanzlei in Berlin-Kreuzberg. Der junge Anwalt Giselmund Arnold (Michael Kausch) steht dem chronisch arbeitsfaulen Liebling dabei ebenso hilfreich zur Seite wie die Anwaltsgehilfin Paula (Corinna Genest) und deren Auszubildende Senta (Anja Franke). Liebling ist dabei ein absolutes Unikat und das genaue Gegenteil des typischen Juristen. Auf Etikette legt er eher wenig Wert, pflegt einen rauhen, aber herzlichen Umgangston, seine Liebhaberinnen wechselt er ständig und der regelmäßige Genuss von Götterspeise ist ihm heilig. Seine Erfolgsquote ist hoch, bei seinen Klienten ist er aber wählerisch.
Meinung zum Film:
Liebling Kreuzberg brachte es auf insgesamt 5 Staffeln mit 58 Folgen. Die Rolle des Anwalts Liebling schrieb sein enger Freund Jurek Becker ("Jakob, der Lügner") Manfred Krug ("Spur der Steine") auf den Leib, stieg allerdings nach der 3. Staffel als Drehbuchautor aus. Für die 4. Staffel zeichnete dann Ulrich Plenzdorf ("Die neuen Leiden des jungen W.") verantwortlich, Jurek Becker übernahm jedoch erneut für die fünfte und letzte Staffel, die als einzige auch bereits auf DVD erhältlich ist. Die erste Staffel wurde im Jahr 1986 vom Sender Freies Berlin (SFB) produziert und besteht aus lediglich sechs Folgen. Manfred Krug erregte als Schauspieler in der DDR 1966 mit dem Film "Spur der Steine" den Mismut der Zensurbehörden. Nach weiteren Auseinandersetzungen mit dem sozialistischen Staatsapparat verließ er 1977 die DDR. Noch im gleichen Jahre feierte er als Hauptdarsteller in der Truckerserie "Auf Achse" in der BRD große Erfolge. Mit "Liebling Kreuzberg" landete er dann einen absoluten Straßenfeger mit Einschaltquoten jenseits der 40% und feierte auch als NDR-"Tatort"-Kommissar an der Seite von Charles Brauer große Erfolge. Auszeichnungen für die Serie "Liebling Kreuzberg" waren u.a. 1987 der Grimme-Preis mit Gold, 1988 der Grimme-Preis mit Silber, der Telestar im gleichen Jahr, sowie im Jahr 1995 erneut der Grimme-Preis mit Silber.
Zur Sichtung lag lediglich die erste der beiden DVDs mit den Folgen 1-3 vor, zur zweiten DVD und den weiteren Folgen ist daher keine Aussage möglich. Bereits rein optisch erweckt Anwalt Liebling mit seinem Dreitagebart, dem Schlapphut, sowie Krawatten, die wohl durch die freundliche Beratung eines Farbenblinden selektiert wurden, nicht gerade den Eindruck, als würde es sich bei der Serie um eine biedere Paragraphenreiterei mit Schwerpunkt Gerichtssaal handeln. So ist Liebling in den ersten beiden Folgen nicht nur arbeitsscheu, sondern er meidet auch komplett das Gerichtsgebäude, erst in der dritten Folge erlebt man seine Premiere als Verteidiger. Seine Fälle hingegen haben stets einen sozialen Touch, in der ersten Folge geht es um ein vernachlässigtes Kind, das auf die schiefe Bahn geraten ist, in der zweiten Folge lässt sich ein junger Mann durch Übermut und Dummheit zu einer Geiselnahme hinreißen und in der dritten Folge, "Der Beschützer", gerät Liebling in die Auseinandersetzung zweier türkischer Großfamilien.
Die Themen sind recht bodenständig und lebensnah. Der Humor der Serie speist sich vor allem aus der unorthodoxen Arbeitsweise Lieblings und seinen seltsamen Marotten, auch, oder besonders im Umgang mit seinen Klienten. So ist stets eine seiner ersten Fragen die honorartechnische, nach dem finanziellen Background seiner Klienten. Manfred Krug läuft in dieser unkonventionellen Rolle zur Hochform auf und gleicht dadurch auch kleinere inhaltliche Schwächen der Serie aus. Beispielsweise wird im Verlauf der Folgen doch so manch loser Faden schlichtweg fallengelassen, Folgen enden, ohne dass man den Ausgang des zugehörigen Gerichtsverfahrens, dessen Vorspiel man miterleben durfte, erfährt, oder es verbleiben, wie beispielsweise in der dritten Folge, elementare Fragen, die nicht aufgelöst werden können. Zudem sind die Folgen in sich abgeschlossen, so dass ein roter Faden fehlt, auch wenn zumindest das Verhältnis der Hauptfiguren gewissen Entwicklungen unterworfen ist. "Liebling Kreuzberg" ist eine Serie, die sich eher für Themen und Personen interessiert, als für formale Aspekte juristischer Berufstätigkeit und auch dem Privatleben von Liebling größere Anteile einräumt.
Digitale Aufarbeitung:
Wie auch schon bei der Veröffentlichung von "Peter Strohm" lässt das Bild von "Liebling Kreuzberg" einiges zu wünschen übrig. Vor allem das allgegenwärtige, starke Bildrauschen schmälert den Eindruck gewaltig, aber auch die Farben sind ziemlich blass geraten und es gibt weitere kleinere Mängel. Insgesamt bietet das Bild bestenfalls VHS-Qualität. Die deutsche Tonspur ist zwar gut verständlich, weist aber ein deutliches vernehmbares Hintergrundrauschen auf.
Es gibt leider keinerlei Extras.
Fazit:
"Liebling Kreuzberg" ist eine unterhaltsame, aber auch recht authentisch wirkende Mischung aus juristischer "Basisarbeit" und humoristischen Elementen, die sehr stark auf Manfred Krug zugeschnitten ist. Dieser trägt die Serie schauspielerisch und die liebenswerte, aber auch launische Figur des unverwechselbaren Anwalts Liebling bewahrt sie davor, als Dutzendware im Gerichtssaal zu versanden. Technisch ist die DVD äußerst schwach ausgefallen, in Verbindung mit den fehlenden Extras muss man hier leider von einer ziemlich lieblosen Umsetzung sprechen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
6 Folgen à ca. 45 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine Untertitel vorhanden. |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Liebling - Kreuzberg
Liebling - Kreuzberg
Manfred Krug in seiner Paraderolle als Liebling Kreuzberg - Die etwas andere juristische Serie mit viel Humor
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1986 Regie: Heinz Schirk Drehbuch: Jurek Becker Darsteller: Manfred Krug, Corinna Genest, Anja Franke, Michael Kausch, Roswitha Schreiner
Label :
Das Erste
Verkaufsstart : 26.09.2007
|