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DVD-Besprechung - Here we come

Story:
Regisseur Nico Raschick zeigt in seinem Dokumentarfilm, was heutzutage vor allem bei Nichtfans kaum bekannt ist: auch in der DDR gab es Anfang/Mitte der 80er Jahre eine kleine, aber feine Hip-Hop-Szene, bei der sich die Jugendlichen in Gruppen zusammentaten und sich mit Breakdance-Moves und Sprechgesang beschäftigten. „Here we come“ interviewt einige Veteranen dieser Zeit und lässt sie in Erinnerungen schwelgen.

Meinung zum Film:
Der 1978 in Dessau geborene Regisseur Nico Raschick lieferte mit seinem Dokumentarfilm sein erstes abendfüllendes Werk ab. Zuvor drehte er einige Kurzfilme, sowie 3 Musikvideos für Hip-Hop-Acts, die der Allgemeinheit jedoch unbekannt sind. „Here we come“ konnte 2006 im Rahmen des "Kinofest Lünen" die "LÜDIA", den Publikumspreis der Stadt Lünen für den besten Film einheimsen. Zu recht, denn dieser gelungene Mix aus Interviews mit ehemaligen Jugendlichen dieser Zeit, sowie zeitgenössischem Material auf Fotos und in bewegten Bilder weiß den Zuschauer gut zu unterhalten.

Anfang/Mitte der 80er gab es in der DDR-Jugendkultur eigentlich nur die „Angepassten“, die die staatlich angeordnete Musik hörten und die „Popper“, die den Klängen von Bands wie Depeche Mode lauschten, die auch heute noch eine riesige Fanbasis im Osten Deutschlands haben. „Hip Hop“ fand zu dieser Zeit höchstens in den schwarzen Ghettos New Yorks statt, was sich aber schnell änderte, als im Westfernsehen die ersten Berichte über amerikanische Straßenkünstler gezeigt wurden, die komische Verrenkungen zu merkwürdigem Sprechgesang machten. Bei einigen Jugendlichen nicht nur aus dem Osten sprang dabei sofort ein Funke über und die ersten mit dem Hip-Hop-Virus Infizierten gingen auf die Straße und eiferten ihren Vorbildern aus dem fernen Amerika nach. In Raschicks Film dürfen sich einige Veteranen an diese Zeit zurückerinnern und erzählen, welche Faszination diese Sounds und der Breakdance bei ihnen ausgelöst hat. Schnell fand man auch andere Gesinnungsgenossen, man tat sich zu Gruppen zusammen und gab sich englischsprachige Namen, die mangels echter Sprachkenntnis natürlich keinen Sinn ergaben, aber zumindest cool klangen.

Raschick gelingt es mit seinem Film, auch nicht an „Hip Hop“ interessierte Zuschauer zu unterhalten und den teils launigen, teils erstaunlichen, aber immer interessanten Berichten damals Beteiligter gespannt folgen zu lassen. Was man glücklicherweise nicht erwarten darf ist charttauglich kalkulierter Gangster-Rap aus den USA oder von den üblichen Verdächtigen aus Deutschland, denn Anfang der 80er war der „Hip Hop“ hinter dem großen Teich und vor allem in der DDR noch unschuldig und „echt“, so merkwürdig sich das in der Konstellation „Rap und DDR“ auch anhören mag. Insgesamt ist „Here we come“ nicht nur eine Empfehlung für Rap-Fans, sondern auch für geschichtlich Interessierte, die mal einen Blick auf eine heutzutage eher unbekannte Jugendbewegung der DDR werfen wollen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist sehr gut geworden, wie man es bei einer aktuellen Dokumentation auch erwarten darf. Die zahlreichen zeitgenössischen Ausschnitte haben natürlich eine schlechtere Bildqualität, was man aber nicht der DVD-Aufarbeitung anlasten kann. Der Ton kommt auf deutsch in Dolby Digital 2.0 daher und ist gut verständlich.

Auf der Film-DVD befinden sich 2 Trailer zum Film, sowie das Musikvideo zum Song „Damals“ von FMK und DJ Nas’D. Für den Hauptteil der Extras wurde eine Bonus-DVD spendiert. Los geht es mit „Beat Street“, einem 20-minütigen Feature über den gleichnamigen Film und wie er beim Kinostart in der DDR von den Fans aufgenommen wurde. In der Rubrik „Musik“ geht es zum einen um die Musik der damaligen Zeit und wie man sich die Songs beschaffen konnte. Weiter geht es mit dem 11-minütigen Feature „Radebeul und Ostradio“, in dem berichtet wird, wie der Hip-Hop es ins Radio schaffte. 2 Minuten lang kann man sich in „Sharp GF 777“ von einem damals Jugendlichen anhören, wie schwer der gleichnamige Ghettoblaster zu beschaffen war – und vor allem, welche Preise damals in der DDR dafür bezahlt wurden. „Malen“ beginnt mit einem 15minütigen Feature „Malen und Sprayen“, welches einen Einblick in die damalige Sprayerszene bietet. „Sprühdosen basteln“ und „Skodadosen“ beweist in insgesamt 3 Minuten, wie erfindungsreich die Jugendlichen gewesen sind. Das Feature „Trickfilmarbeiten“ ist ein kleines Making of eines Hip-Hop-Animationsfilms. „Klamotten selbermachen“ berichtet 15 Minuten lang über die typische Kleidung eines Rappers in der DDR. In rund 10 Minuten geht es bei „Skateboard“ um die schwierige Beschaffung des gleichnamigen Fortbewegungsmittels. Die Rubrik „Tanzen“ fängt passend mit dem Feature „Die Anfänge“ an, in dem 20 Minuten lang über die ersten Gehversuche der jungen Fans berichtet wird. Abgerundet wird die Rubrik mit den insgesamt 50-minütigen „Auftritten“ und dem „Archiv“, in dem es ein Wiedersehen mit „Bürger Lars Dietrich“ gibt. „Die Flucht“ zeigt in 3 Beiträgen die Fluchtwelle 1989 aus der Sicht von Hip-Hop-Fans. Wer mag, kann sich 7 Minuten lang über die „Begriffe“ in der DDR informieren, „Letzter Teil“ informiert über die Wendezeit und in „Vorstellung“ kommen noch mal alle Beteiligten zu Wort und berichten über sich und ihren Hintergrund. Abgerundet wird die Bonus-DVD mit 5 als „Trailer“ bezeichneten Kurzfeatures mit Outtakes und lustigen Szenen aus der Doku. In der im Digipak ausgelieferten DVD befindet sich zu guter letzt noch eine Bonus-CD mit einem Soundtrack. Insgesamt wurde hier wirklich reichlich Bonusmaterial zusammengetragen, mit dem sich der interessierte Zuschauer stundenlang beschäftigen kann.

Fazit:
Regisseur Nico Raschick hat mit seinem ersten abendfüllenden Werk „Here we come“ einen sehr interessanten Blick auf die kleine, aber feine Hip-Hop-Bewegung in der DDR geworfen. Der Mix aus Interview-Parts und teils bewegten Bildern aus dieser Zeit sorgen dafür, dass auch dem eigentlich nicht am Rap interessierten Zuschauer nicht langweilig wird. Die DVD mit dem zahlreichen Bonus ist wirklich absolut erstklassig geworden und wurde spürbar liebevoll zusammengestellt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,33:1
1,33:1
87:15 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Englisch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Musikvideo "Damals" von FMK & DJ Nas'D
  • "Beat Street"
  • Feature "Musik"
  • Feature "Malen"
  • Feature "Tanzen"
  • Feature "Flucht"
  • Outtakes
  • Soundtrack-CD
Here we come - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Here we come
Here we come

Bild unseres Mitarbeiters Andreas Schultz
Hip-Hop made in GDR!


Autor der Besprechung:
Andreas Schultz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2006
Regie:
Nico Raschick
Drehbuch:
Nico Raschick
Darsteller:
-

Label Deutschland :
Miromar Entertainment AG
Verkaufsstart Deutschland :
09.11.2007