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DVD-Besprechung - Die gläserne Zelle
Story:
Phillip Braun (Helmut Griem) saß fünf Jahre unschuldig im Gefängnis, während der eigentliche Schuldige, sein Chef Lasky (Walter Kohut), unbehelligt blieb. Nach der Entlassung kehrt er in den Schoß seiner Familie, bestehend aus seiner Frau Lisa (Brigitte Fossey) und ihrem kleinen Sohn Timmie (Claudius Kracht), zurück. Lasky versucht jedoch wieder mit Philipp Kontakt aufzunehmen und spielt ihm Informationen über eine angebliche Affäre von Lisa mit seinem Anwalt David (Dieter Laser) zu, der Beweise gegen Lasky sammelt. Für Philipp mehren sich die Indizien, die Laskys Behauptung stützen, und der enge Kontakt von Lisa und Timmie zu David wird für ihn immer unerträglicher.
Meinung zum Film:
"Die Gläserne Zelle" beruht auf dem Roman "The Glass Cell" der englischen Kriminalautorin Patricia Highsmith ("Der Schrei der Eule") aus dem Jahr 1964. Der Roman wurde jedoch von Hans W. Geissendörfer sehr frei adaptiert, u.a. wurde der Spielort aus den Südstaaten nach Frankfurt/Main verlegt und die komplette erste Hälfte des Romans, die sich mit Phillips Zeit im Gefängnis beschäftigte, weggelassen. 1978 gewann "Die Gläserne Zelle" den Deutschen Filmpreis und 1979 wurde er sogar als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert.
Der Eindruck, den "Die Gläserne Zelle" hinterlässt, ist eigentlich weniger der eines Krimis, als der eines Dramas um einen entwurzelten Menschen. Phillip Braun saß fünf Jahre unschuldig im Gefängnis, sein Chef Lasky hatte ihm diese Sache erst eingebrockt, kam aber ungeschoren davon, während sein Verteidiger nicht in der Lage war, seine Unschuld zu beweisen. Das Gericht schließlich stahl ihm mit dem Urteil fünf Jahre seines Lebens. Im Knast hatte er eine schwere Zeit, die zwar nicht detailliert thematisiert wird, aber aufgrund seiner Haltung und seines Wesens unübersehbar ist. Endlich in Freiheit lebt er wieder bei seiner Familie, die ihn überhaupt erst dazu befähigt hat, die schwere Zeit im Gefängnis durchzustehen. Die emotionalen Inhalte der Briefe, die Lisa ihm während seiner Inhaftierung geschrieben hat, und die von ihrer Stimme aus dem Off verlesen werden, weisen jedoch große Diskrepanzen zu den Umständen auf, in denen sich Philipp wiederfindet. Seine Frau wirkt eher distanziert und ist ständig in der Gesellschaft seines Verteidigers David, den sein Sohn Timmy zudem während seiner eigenen Abwesenheit zur Vaterfigur auserkoren hat.
Als Lasky ihm Informationen zuspielt, die auf eine Affäre zwischen Lisa und David hindeuten, wird sein eh schon vorhandenes Misstrauen immer größer. Es gelingt ihm auch nicht, auf andere Gedanken zu kommen, denn einerseits lässt ihm Lasky keine Ruhe, andererseits verläuft seine Jobsuche mehr als ernüchternd. Er wendet sich zunehmend dem Alkohol zu und wird deutlich aggressiver. Als Lisa schließlich zugibt, eine Affäre mit David gehabt zu haben, und ausgerechnet dieser Mann, der ihm seinen Sohn "gestohlen" hat, ihm auch noch einen neuen Arbeitsplatz besorgt, wird seine Eifersucht übermächtig. Im Grunde entwickelt sich erst ab diesem Moment das Krimi-Element, das im letzten Teil des Films dann die Oberhand gewinnt. Bis dahin steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie ein Mensch zum Schwerverbrecher werden kann, wobei hier ganz klar der Mensch als Produkt seiner Lebensumstände dargestellt wird. Die Stärken des Films sind ganz eindeutig die hervorragenden Darsteller, allen voran Helmut Griem ("Ansichten eines Clowns"), die glaubwürdigen Charaktere und die sehr gut nachvollziehbare charakterliche Entwicklung, die bei Phillip zielsicher auf eine Katastrophe zusteuert. Das Tempo des Films ist dafür eher geruhsam, er nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und ihre Beziehungen. Der Höhepunkt, der quasi den Einstieg in den Krimiteil bedeutet, hätte allerdings wahrlich aus einer steileren Spannungskurve resultieren können und setzt keine wirkliche Duftmarke. Bei den nachfolgenden Geschehnissen, die sich zu einer erneuten Zwangslage für Phillip verdichten, funktioniert der Film als Krimi dann aber deutlich besser und die Spannung gipfelt in einer finalen Gegenüberstellung mit überraschendem Ausgang des Films.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD ist wahrlich kein Grund zur Freude. Das Bild ist stark verrauscht, die Schärfe kann nicht wirklich überzeugen und die Farben sind sehr blass ausgefallen. Zudem weist das Bild etliche Verschmutzungen und auch vereinzelte Beschädigungen auf. Die deutsche Tonspur überzeugt zu jeder Zeit mit guter Verständlichkeit.
Auf der DVD finden sich ein Trailer, eine Bildergalerie und die Biographie von Hans W. Geissendörfer. Ferner befindet sich im DVD-ROM-Bereich noch das 29-seitige, originale Presseheft zum Film im PDF-Format. Das Herzstück der Extras ist jedoch ein Interview mit Regisseur Hans W. Geissendörfer (22:41) in dem sich u.a. interessante Informationen zum Drehort und den Hauptdarstellern finden.
Fazit:
"Die Gläserne Zelle" überzeugt vor allem als Studie eines Verbrechens und der glaubhaften Darstellung der Umstände, die einen ganz normalen Bürger zu einem schweren Verbrechen zwingen. Die Darsteller sind hervorragend, das Tempo ist nicht hoch, der Film wirkt aber nie langatmig, der Einstieg in den eigentlichen Krimiteil verläuft zwar ein wenig holprig, im weiteren entwickeln die Geschehnisse jedoch eine hohe Eigendynamik und schließen mit einem unerwarteten Ende gelungen ab. Die technische Qualität der DVD hingegen ist leider weniger überzeugend, die Extras sind nicht reichhaltig, aber zufriedenstellend.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,66:1
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89:13 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Deutsch für Hörgeschädigte |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Fotogalerie
- Biographie von Hans W. Geissendörfer
- Interview mit Hans W. Geissendörfer
- Presseheft (DVD-ROM)
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Die Gläserne Zelle
Die Gläserne Zelle
Gelungene Symbiose aus Drama und Krimi mit sehr überzeugenden Darstellern
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1978 Regie: Hans W. Geissendörfer Drehbuch: Klaus Bädekerl, Hans W. Geissendörfer (basierend auf einem Roman von Patricia Highsmith) Darsteller: Helmut Griem, Brigitte Fossey, Dieter Laser, Walter Kohut, Claudius Kracht, Günter Strack, Bernhard Wicki
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 05.10.2007
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