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DVD-Besprechung - Bobby (Arthaus Collection)
Story:
Am 4. Juni 1968 finden in Kalifornien die innerparteilichen Vorwahlen der Demokraten zur Präsidentschaftskandidatur statt, bei denen sich vor allem Robert Francis Kennedy und Eugene McCarthy gegenüberstehen. Im Hotel "Ambassador" in L.A. bereitet sich jeder auf den großen Abend vor, denn Robert F. Kennedy wird zum Höhepunkt der Wahlparty eine Rede halten. Kurze Zeit nach seiner Dankesrede als strahlender Wahlsieger wird er jedoch in der Küchenabteilung des Hotels Opfer des palästinensischen Attentäters Sirhan Bishara Sirhan.
Meinung zum Film:
Regisseur und Drehbuchautor Emilio Estevez ("Loaded Weapon 1") wurde vor allem als Schauspieler bekannt, seine bisherigen Regiearbeiten erregten hingegen eher wenig Aufsehen. Nichtsdestotrotz gelang es ihm, für "Bobby" ein beinahe unglaubliches Ensemble an Hollywoodstars um sich zu versammeln. So übernahmen u.a. Anthony Hopkins ("Nixon"), William H. Macy ("Magnolia"), Christian Slater ("Windtalkers"), Laurence Fishburne ("Mystic River"), oder auch Helen Hunt ("Besser geht's nicht"), gemeinsam mit zahlreichen anderen Stars Rollen innerhalb des Films. "Bobby" wurde für zwei Golden Globes ("Bestes Drama" und "Beste Filmmusik") nominiert. Zudem war Estevez in Venedig im Rennen um den Goldenen Löwen und gewann dort den "Biografilm Award".
"Bobby" ist ein Drama in der Gestalt eines Episodenfilms und kombiniert Filmaufnahmen mit historischen Aufnahmen dieser Zeit, mit besonderem Schwerpunkt auf Reden und Auftritten von Robert F. Kennedy. Leider gelingt die Verbindung dieser unterschiedlichen Aufnahmen, anders als z.B. bei "Good Night, and Good Luck.", nicht wirklich überzeugend. Der Film verzichtet darauf, die Rolle von Kennedy mit einem Schauspieler zu besetzen, anders als in den historischen Aufnahmen ist sein Gesicht stets verdeckt. Kennedy "spielt" sich also quasi selbst. Problematisch daran ist allerdings, dass die beiden Filmebenen kein einheitliches Ganzes ergeben. Besonders der Gegenschnitt dieser Aufnahmen ist ziemlich mißlungen, denn die historischen Aufnahmen kommen in deutlich reduzierter Bildqualität daher, deren qualitative Diskrepanzen einfach zu offenkundig sind. Weiterhin ist "Bobby" keine klassische Biographie über Kennedy. Sein Privatleben wird ebenso komplett ausgeblendet wie seine politische Karriere, es finden sich lediglich immer wieder eingefügte Fernsehaufnahmen und eingespielte politische Reden. Zudem bemüht sich der Film zu keiner Zeit um kritische Distanz. Kennedy, der als Mensch und auch politisch keineswegs ohne Fehl und Tadel war, wird hier zu einer Art Messias des Amerikanischen Traums liberaler Prägung erhoben. Nachdem zuvor bereits Martin Luther King einem Attentat zum Opfer fiel, war er die letzte große Ikone der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung.
Im Mittelpunkt der Filmhandlung steht jedoch keineswegs, wie man denken könnte, Kennedy. Vielmehr thematisiert der Film diverse Beziehungen und Kontakte von Angestellten, sowie Gästen des Hotels "Ambassador". Diese Ereignisse spielen sich komplett am Tag der Vorwahlen in Kalifornien ab. Um Authentizität ist man dabei allerdings nie bemüht, enttäuschenderweise sind alle Personen, mit Ausnahme des Attentäters, sowie des Küchenjungen Jose (Freddy Rodríguez), rein fiktional. Die Lebenswelten dieser Charaktere soll ein zeitgenössisches Bild dieser Zeit zeichnen. Leider ist deren Darstellung, trotz des großen Staraufgebots mit vielen Lichtblicken (z.B. C. Slater und Martin Sheen) aber auch ein wenig Schatten (z.B. Sharon Stone und Demi Morre), aber extrem oberflächlich ausgefallen und erschöpft sich in Klischees und Trivialitäten. Einige Szenen sind sogar eher peinlich ausgefallen, besonders die ersten Kontakte zweier Wahlhelfer mit LSD. Diese platten, unlustigen Drogentrips hätten wohl eher in eine US-Teenie-Klamotte gepasst, aber auch Helen Hunts Monolog über Damenschuhe ist an Beschränktheit schwerlich zu unterbieten. Die größte Enttäuschung des Films ist jedoch, dass die gesammelten Einzelepisoden nicht, wie in diesem Genre üblich in ein Finale münden, dass alle Charaktere in einem gemeinsamen Netz verknüpft. Im Gegenteil vermisst man den roten Faden und die Charaktere sind völlig austauschbar, bzw. größtenteils für die Story belanglos.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe des Films ist gut, aber nicht herausragend, zudem begleitet den Film ein durchgehendes leichtes Rauschen. Der Kontrast ist ebenfalls nicht immer optimal und manchmal etwas zu stark ausgefallen, dafür überzeugt der Film mit ansprechender Farbgebung. Tontechnisch ist der Film sehr dialoglastig ausgefallen, somit konzentriert sich das Geschehen auf die vorderen Lautsprecher. Die Tonspuren überzeugen aber zu jeder Zeit mit guter Verständlichkeit.
Gegenüber der bereits erschienen Special Edition des Films müssen bei den Extras erwartungsgemäß erhebliche Abstriche machen, das einzige Extra auf der DVD ist somit das Making Of zum Film (28:29). Darin werden vor allem die im Film vorkommenden Charaktere ausführlich geschildert, sowie die Intention des Regisseurs verdeutlicht.
Fazit:
"Bobby" versucht die mit dem Amerikanischen Traum verbundene Hoffnung der Menschen, sowie deren kollektiven Schockzustand, als er brutal beendet und abrupt zerstört wird, zu verdeutlichen. Als Episodenfilm funktioniert "Bobby" jedoch zu keiner Zeit, da ihm der rote Faden fehlt und die einzelnen Episoden schlichtweg zu oberflächlich sind. Die größtenteils fiktionalen Charaktere, die misslungene Verbindung von Filmszenen und historischen Aufnahmen, sowie die einseitige Heiligsprechung Kennedys, rauben dem Film zudem jede Authentizität.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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111:59 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Englisch |
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Bonusmaterial:
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Bobby
Bobby
Erst scheiterte der Amerikanische Traum und dann der thematisch zugehörige Film "Bobby"
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006 Regie: Emilio Estevez Drehbuch: Emilio Estevez Darsteller: Harry Belafonte, Joy Bryant, Nick Cannon, Emilio Estevez, Laurence Fishburne, Heather Graham, Anthony Hopkins, Helen Hunt, Ashton Kutcher, Lindsay Lohan, Shia LaBeouf, William H. Macy, Demi Moore, Martin Sheen, Christian Slater, Sharon Stone, Elijah Wood
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 12.10.2007
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