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DVD-Besprechung - Die Ewigkeit und ein Tag (Arthaus Collection)
Story:
Der berühmte Dichter und Schriftsteller Alexandros (Bruno Ganz) ist sterbenskrank und will sich auf Anraten seines Arztes, sowie aufgrund zunehmender Schmerzen ins Krankenhaus begeben. Zuvor will er aber seinen letzten Tag dazu nutzen, sich von seinen nächsten Verwandten zu verabschieden und sein Leben auch innerlich zu beschließen. Auf seiner letzten Reise durch den Norden Griechenlands trifft er allerdings auf einen albanischen Flüchtlingsjungen (Achileas Skevis) und nimmt sich seiner an. Zwischen beiden entwickelt sich ein inniges Verhältnis und sie geben sich gegenseitig neuen Lebensmut und Stärke.
Meinung zum Film:
Der griechische Regisseur und Drehbuchautor Theodoros Angelopoulos ("Der Große Alexander") ist einer der höchstdekorierten europäischen Regisseure. Er setzte sich in seinen Werken mit so unterschiedlichen Themen wie dem Verfall der sozialistischen Ideologie, Exilerfahrungen, oder auch dem Bedrohungspotential der Technik für die Natur auseinander. Der internationale Durchbruch gelang ihm bereits 1975 mit "Die Wanderschauspieler", einer Auseinandersetzung mit der modernen Gesellschaft Griechenlands. Bei "Die Ewigkeit und ein Tag" handelt es sich um eine deutsche DVD-Premiere im Rahmen der Arthaus Collection. Der Film gewann 1998 beim Filmfestival in Cannes die Goldene Palme, sowie den Preis der Ökumenischen Jury.
"Die Ewigkeit und ein Tag" begleitet einen todkranken griechischen Dichter auf seiner letzten Reise, die an einem einzigen Tag stattfindet. Es handelt sich jedoch nicht nur um eine äußere Reise, durch den Norden Griechenlands, sowie zu seiner Tochter und Mutter, um Abschied zu nehmen, sondern auch um eine innere Reise, in der verschiedene Zeitebenen, nämlich Vergangenheit und Gegenwart, sowie Traum und Wirklichkeit, miteinander verschmelzen. Alexandros erinnert sich an die Zeit mit seiner Familie, erlebt sie aber auch aufs Neue, der gegenwärtige Alexandros ist plötzlich Teil der Vergangenheit. Er ist jedoch von Trauer und Melancholie erfüllt, da er nur für seine Dichtkunst gelebt hat, weshalb seine Frau Anna (Isabelle Renauld) ihm bedrückt attestiert, er habe zwar bei ihnen gelebt, aber nicht mit ihnen. Die Besonderheit des Films und des Regisseurs Angelopoulos sind die oft minutenlangen, ruhigen Einstellungen ohne Szenenwechsel. Auch der Übergang von Gegenwart und Vergangenheit ist eigentlich gar keiner, sondern verläuft fließend und als Einheit. Die Kameraführung ist dabei ohne Zweifel virtuos, mit ruhiger Hand, filigran inszeniert, ein wohltuender Kontrast zu den immer schneller werdenden Schnittfolgen des modernen Kinos. Auch Hauptdarsteller Bruno Ganz ("Der Untergang") liefert in der Rolle des kranken, müden und melancholischen Dichters eine Meisterleistung ab, wobei seine Körpersprache noch die Ruhe und Langsamkeit des Films unterstreicht.
Leider kann die handwerkliche Finesse des Films nicht über den dünnen Inhalt hinwegtäuschen. Alexandros, das alter Ego von Angelopoulos, lebt in einer Welt aus Tod, Trauer, Liebe und Dichtung, gepeinigt von offensichtlich nie verarbeiteten schmerzvollen Exilerfahrungen. Mit dem albanischen Flüchtlingsjungen gelingt es Alexandros jedoch, endlich eine Verbindung einzugehen und nicht nur für sich zu leben. Er gibt dem letzten Tag seines Lebens einen tieferen Sinn, arbeitet seine Versäumnisse auf und setzt sich ohne Rücksicht auf seine eigene Person für einen anderen Menschen ein. Leider würde man auch Angelopolous wünschen, er hätte, ähnlich wie der italienische Dichter im Film, neue Wörter gekauft, denn der Film bietet kaum Dialoge und ist von Stille durchzogen. Zudem gestaltet er sich mit seiner Laufzeit von deutlich über zwei Stunden zunehmend zäher und langatmiger. Er ist mit übertriebener Symbolik, sowie vermeintlich bedeutungsschwangerer Poesie vollkommen überfrachtet und auch die langen Kameraeinstellungen wandeln sich allmählich vom Segen zum Fluch des Films. Viele Einstellungen wirken einfach nur für sich, ohne tieferen Sinn für das große Ganze, und einige lange Einstellungen, wie z.B. ein abfahrender, alter und schmuddeliger VW Passat, bergen keinerlei künstlerische Ausdruckskraft in sich. Weiterhin erweckt auch die Figur des albanischen Flüchtlingsjungen den Eindruck reinen Kalküls.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist sehr überzeugend ausgefallen, gute Schärfe, satte Farben und keine wirklichen Schwächen sorgen für einen runden Gesamteindruck. Beide Tonspuren überzeugen mit guter Verständlichkeit.
Der DVD liegt ein 16-seitiges Booklet bei, zudem befindet sich auf der DVD das interessante Feature "Das Drehen der Stille" (16:05) über die Dreharbeiten. Neben Informationen zur Intention und den zentralen Inhalten des Films kommen darin Hauptdarsteller Bruno Ganz und Regisseur Theodoros Angelopolous ausführlich zu Wort, außerdem gibt es noch Impressionen von den Dreharbeiten
Fazit:
"Die Ewigkeit und ein Tag" kann zu Beginn vor allem handwerklich überzeugen, ruhige, ausdrucksstarke Kamerafahrten, ein exzellent aufgelegter Bruno Ganz, sowie die fließenden Übergänge von Gegenwart und Vergangenheit hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Leider verkommen diese langen Einstellungen zunehmend zum reinen Selbstzweck und die Ästhetik des Dargestellten kann oft nicht mit der hohen Kunst der Darstellung mithalten, zudem kann die dünne Story den langatmigen und tempoarmen Film nicht dauerhaft tragen, der auch unter seiner überladenen Symbolik zusammenbricht. Die DVD ist technisch sehr gut, die Extras sind allerdings ein wenig spärlich ausgefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,66:1
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127:29 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Griechisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- 16-seitiges Booklet
- "Das Drehen der Stille"
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Die Ewigkeit und ein Tag
Mia aiwniothta kai mia mera
Im Film heißt es, jeder Augenblick ist kostbar, demnach müsste man diesen langatmigen Film meiden
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland/Frankreich/Griechenland/Italien, 1998 Regie: Theodoros Angelopoulos Drehbuch: Theodoros Angelopoulos, Tonino Guerra, Petros Markaris Darsteller: Bruno Ganz, Isabelle Renauld, Fabrizio Bentivoglio, Achileas Skevis, Alexandra Ladikou, Despina Bebedelli
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 12.10.2007
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