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DVD-Besprechung - The Abandoned - Die Verlassenen

Story:
Marie Jones (Anastasia Hille) reist nach Russland, nachdem ihre Adoptivmutter verstorben ist. Die Fahrt zu ihrem alten Geburtshaus stellt sich als schwierig heraus und als sie an dem heruntergekommenen, weit abgelegenen Haus ankommt, nehmen unheimliche Ereignisse ihren Lauf. Doch dies ist erst der Beginn eines Albtraums für sie, der scheinbar kein Ende mehr nehmen will. Unterstützt wird sie in der Flucht vor den schaurigen Ereignissen von ihrem Zwillingsbruder Nicolai (Karel Roden), von dem sie nicht einmal wusste, dass dieser überhaupt existiert.

Meinung zum Film:
Horrorfilme versuchen heutzutage oftmals fast allein durch blutige und menschenverachtende Folterszenen das Publikum zu schocken. Klassische Gruselelemente scheinen schon seit längerem weitestgehend außer Mode gekommen zu sein und werden wenn überhaupt nur begleitend zum Einsatz gebracht. Doch bei Regisseur Nacho Cerdà ist das anders. Er besinnt sich auf den Aufbau einer höchst gruseligen Atmosphäre, ohne dabei effekthascherisch Körperteile abzutrennen oder gesichtslose Opfer bis zur Bewusstlosigkeit zu foltern. Bei ihm reichen ein verfallenes Anwesen in der Abgeschiedenheit, einfache, dafür aber höchst effektiv gestaltete Geisterwesen und ein Minimaplot mit inhaltlichen Lücken, um für ein fast durchgehend unheimliches Erlebnis zu sorgen.

Der Anfang des Films ist noch ein wenig gemächlich, doch kaum ist Marie in Russland angekommen, geht es mit der Fahrt zum alten Anwesen mit dem Albtraum los. Alleine durch Kamera, Soundarbeit und der unbekannten Bedrohung aus dem Dunklen wird man als Zuschauer in ein Albtraumszenario versetzt, das es wahrlich in sich hat. Es haben schon viele versucht, ein vergleichbar düsteres Szenario aufzubauen, aber fast genauso viele sind daran dann auch gescheitert. Doch Cerdà hat es zusammen mit Kameramann Xavi Giménez („Fragile: A Ghost Story“) und dem weitestgehend noch unbefleckten Komponisten Alfons Conde geschafft, den Zuschauer die meiste Zeit über auf eine Tour de Force zu schicken, die von einer Angstsituation in die nächste führt. Der Szenenwechsel ist hierbei oftmals recht sprunghaft, ganz genau wie in eigenen Albträumen, was sehr zur düsteren Atmosphäre beiträgt. Blut gibt es hierbei so gut wie keines zu sehen, lediglich das Entfernen einer Gewehrkugel sorgt für ein wenig Effekteinsatz im Film.

Der Film hat ohne jeden Zweifel das Potential zu einem ganz großen Spannungswerk, scheitert dann allerdings in dieser Hinsicht an seiner Geschichte. Nacho Cerdà hat zusammen mit seinen Co-Drehbuchautoren Karim Hussain („The Beautiful Beast“) und Richard Stanley („M.A.R.K. 13“) eine Erklärung für die gebotenen Ereignisse gefunden, die nicht nur massive Logiklöcher und etliche Fragen hinterlässt, sondern zudem auch nicht sonderlich originell wirkt. Von der auf dem Cover angesprochenen „Unausweichlichkeit des Schicksals“ ist hier auf jeden Fall nichts zu finden, sondern vielmehr eine „Vermeintlichkeit des Unglaubwürdigen“. Doch die Story ist letzten Endes nur ein untergeordneter Teil des Films, der bis zum Finale alleine durch seine Albtraumhaftigkeit fesselt und kaum Zeit zum Nachdenken über die nicht ganz runden Umstände lässt. Obwohl die Auflösung dann doch ein wenig enttäuscht, ist „The Abandoned – Die Vergessenen“ ein äußerst empfehlenswerter Gruselschocker, der den Zuschauer auf fast altmodische Art und Weise auf eine Achtbahnfahrt der Anspannung schickt. Zu einem Genre-Highlight reicht es zwar nicht ganz, zu einem äußerst gelungenen Spannungswerk, das deutlich über dem Durchschnitt liegt, aber allemal.  

Digitale Aufarbeitung:
Dem Bild erscheint stellenweise in einem recht kühlen Farbton, was aber ein gezieltes Stilmittel des Regisseurs sein dürfte. Höchst positiv anzumerken ist, dass selbst in den vielen dunklen Szenen der Durchblick nie verloren geht. Der deutsche Ton in dts ist sehr gut abgemischt und die Surroundlautsprecher werden zusammen mit dem Tieftöner sehr effektiv für die Spannungserzeugung genutzt.

Die Extras setzen sich aus dem dem Trailer in Deutsch und Englisch, einer Bildergalerie und dem Making Of zum Film zusammen. Das Making Of fällt mit knapp 13 Minuten relativ kurz aus und kann wie zu erwarten nur wenig Hintergründe zur Entstehung bieten. Es bleibt bei ein paar Eindrücken vom Set und Statements einzelner Künstler. 

Fazit:
„The Abandoned – Die Vergessenen“ ist eine klare Empfehlung für alle Anhänger von albtraumhaftem Kino, das durch seine unheimliche Atmosphäre zum Nägelkauen verdammt. Die Story kann zwar nicht ganz überzeugen, doch dank der Hochspannung und der stets unheilschwangeren Stimmung gibt es bis zum etwas enttäuschenden Finale kaum Zeit, um darüber nachzudenken.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
2,35:1
2,35:1
95:10 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Trailer
  • Bildergalerie
The Abandoned - Die Verlassenen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Abandoned - Die Verlassenen
Los Abandonados

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein atmosphärisch dichter Gruselfilm mit leichtem Abzug in der S(tory)-Note


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Bulgarien / Spanien / UK, 2006
Regie:
Nacho Cerdà
Drehbuch:
Nacho Cerdà, Karim Hussain, Richard Stanley
Darsteller:
Anastasia Hille, Karel Roden, Valentin Ganev, Carlos Reig-Plaza, Paraskeva Djukelova

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
06.12.2007