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DVD-Besprechung - Nosferatu (Deluxe Edition)

Story:
Der Makler Knock (Alexander Granach) soll für den transsylvanischen Grafen Orlok (Max Schreck) alias Nosferatu in der Stadt Wisborg ein Haus finden. Knock schickt seinen Angestellten Hutter (Gustav von Wangenheim) zum Grafen, um ihm einige Objekte zu offerieren. Hutter merkt jedoch schnell, dass der Graf ein Vampir ist und zudem noch ein Auge auf seine Ehefrau Ellen (Greta Schröder) geworfen hat. Während Orlok jedoch längst auf dem Seeweg nach Wisborg ist und entlang seiner Reiseroute überall nur Tod und Verderben hinterlässt, versucht Hutter verzweifelt, seine Gemahlin noch vor dem Grafen zu erreichen.

Meinung zum Film:
Bei "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" handelt es sich um die sehr freie und nicht autorisierte Adaption von Bram Stokers Roman "Dracula" aus dem Jahre 1897 und um den ersten Vampirfilm überhaupt. Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau ("Der Letzte Mann") war einer der auch international meistgeachteten Regisseure der 20er Jahre. Produzent des Films war der okkulten Kreisen nahestehende Albin Grau, der später auch Murnaus "Schatten - Eine nächtliche Halluzination" produzierte. Stokers Witwe Florence unternahm rechtliche Schritte gegen die Verbreitung von "Nosferatu", was schließlich die Vernichtung aller deutschen Kopien in Gang setzte und auch zum Konkurs von Graus "Prana-Film GmbH" führte.

Für die vorliegende Fassung mußte somit hauptsächlich eine Nitrokopie aus Frankreich als Vorlage herhalten, die glücklicherweise bereits vor Vollstreckung des Urteils gesichert wurde. Die Restaurierung des Films von Luciano Berriatúa für die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung entstand in Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin und der Cinémathèque française, Paris. Im Jahr 1979 drehte Werner Herzog ("Herz aus Glas") ein sehr eigenständiges Remake des Films mit Klaus Kinski ("Fitzcarraldo") in der Hauptrolle des Vampirs. Der im Jahr 2000 entstandene "Shadow of the Vampire" ist ebenfalls eine Hommage an "Nosferatu" und spielt zur Zeit der Dreharbeiten des Films. Die Besonderheit ist dort der Ausgangspunkt, Max Schreck sei tatsächlich ein Vampir. Bei der vorliegenden Version von "Nosferatu" handelt es sich um die durch "Viragierung" eingefärbte Fassung des Films. Szenen, die im Tageslicht spielen, sind gelb gehalten, Nachtszenen zeichnen sich durch einen bläulichen Farbton aus, und die Übergänge von Tag und Nacht, also Morgengrauen und Abenddämmerung, sind rötlich gehalten.

Der Film besteht aus fünf Akten und orientiert sich damit am klassischen Drama. Ein besonderes Markenzeichen des Films ist die herausragende Darstellung des Vampirs Nosferatu durch Max Schreck ("Die Finanzen des Großherzogs"). Anders als in späteren Dracula-Filmen ist der Graf hier kein edler Aristokrat, sondern ein rattenähnliches Geschöpf mit gekrümmten, schmalgliedrigen, krallenbewehrten Fingern, einem kahlen Schädel mit weit abstehenden Ohren, riesigen Augenbrauen, tiefen Schatten unter den Augen, sowie einer gewaltigen, vorstehenden Nase und einem starren, hypnotischen Blick. Unvergleichlich ist auch der Gang Nosferatus, der wie in Trance, von einer unheiligen Macht vorangetrieben, durch die Nacht wandelt. Eine Besonderheit für diese Zeit sind auch die zahlreichen, stimmungsvollen Außenaufnahmen, die u.a. in Wismar, Lübeck, aber auch in der slowakischen Tatra entstanden. Beachtlich sind auch die Trickeffekte des Films, bei denen u.a. Zeitrafferaufnahmen verwendet werden, sowie der Einbau der mit Hilfe eines Mikroskops dargestellten Miniaturwelten von Spinnen, Quallen und fleischfressenden Pflanzen, die Nosferatu gegenübergestellt werden. Szenen, wie die nächtliche Fahrt der Geisterkutsche, Nosferatu, der seinen Sarg durch die Stadt trägt, oder auch die unheilvollen Schatten, die stets die Annäherung des Seelenfressers verkünden, bleiben im Gedächtnis haften und sorgen beim Zuschauer für ein äußerst düsteres Stimmungsbild.


Digitale Aufarbeitung:
"Nosferatu" wurde aufwendig restauriert und bietet für einen Film dieses Alters ein hervorragendes Bild. Trotzdem finden sich typische, altersgemäße Probleme wie zahlreiche Laufstreifen und ein stärkeres Bildrauschen. Dafür sind Schärfe und Kontrast größtenteils sehr gut, Verschmutzungen gibt es überhaupt nicht und der Bildstand ist erstaunlich ruhig. Die Musikuntermalung von Hans Erdmann wurde rekonstruiert und vom Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, unter Leitung von Berndt Heller, neu eingespielt, dementsprechend ist das Klangbild hervorragend.

Auf der DVD befinden sich umfangreiche Biographien des Produzenten Albin Grau, des Drehbuchautors Henrik Galeen, des Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau, des Kameramanns Fritz Arno Wagner, sowie der Darsteller Alexander Granach, Max Schreck, Greta Schröder und Gustav von Wangenheim. Weiterhin gibt es eine Bildergalerie, Produktionsdaten (8 Texttafeln), sowie ein ausführliches und interessantes, 24-seitiges Booklet. Zusätzlich findet sich auf der DVD noch das kurze, deutschsprachige Feature "Nosferatu - Ein historischer Film trifft auf digitale Bearbeitung" (3:13), das die einzelnen Arbeitsschritte der Restaurationsarbeiten schildert. Highlight der Extras ist die zweite, wesentlich längere Dokumentation "Die Sprache der Schatten - Friedrich Wilhelm Murnau und seine Filme. Die frühen Jahre und Nosferatu." (52:37). Inhaltlich setzt sich die Doku unter anderem mit Murnaus frühen, leider verschollenen Filmen auseinander und bietet zudem ausführliche Informationen zu den Dreharbeiten von "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens", wie eine Spurensuche an den Drehorten des Films.

Fazit:
"Nosferatu" ist der geistige Vorfahr aller klassischen, sowie modernen Vampirfilme und hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Der Film besitzt eine düstere, unheilvolle Atmosphäre mit zahlreichen okkulten Einflüssen, ist handwerklich meisterhaft und hat zudem einen sowohl optisch, als auch schauspielerisch herausragenden Blutsauger zu bieten. Die technische Präsentation der DVD ist hervorragend und zusätzlich wird noch sehr interessantes Bonusmaterial geboten.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
94:11 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Instrumental
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Instrumental
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Bio-/Filmographien von Henrik Galeen, Alexander Granach, Albin Grau, Friedrich Wilhelm Murnau, Max Schreck, Greta Schröder, Fritz Arno Wagner und Gustav von Wangenheim
  • Bildergalerie
  • Produktionsdaten
  • "Die Sprache der Schatten - Friedrich Wilhelm Murnau und seine Filme. Die frühen Jahre und Nosferatu."
  • "Nosferatu - Ein historischer Film trifft auf digitale Bearbeitung"
  • 24-seitiges Booklet
Nosferatu (Deluxe Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens
Nosferatu

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Der Stummfilm-Urahn des Vampirfilms in bestechender technischer Qualität


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1922
Regie:
Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch:
Henrik Galeen (basierend auf einem Roman von Bram Stoker)
Darsteller:
Gustav von Wangenheim, Max Schreck, Greta Schröder, Alexander Granach, Ruth Landshoff, John Gottowt

Label Deutschland :
Transit Film
Verkaufsstart Deutschland :
08.10.2007