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DVD-Besprechung - Für alle Fälle Fitz - Staffel 4

Story:

Weisse Teufel:
Kriminalpsychologe Dr. Eddie "Fitz" Fitzgerald (Robbie Coltrane) ist auf Vortragsreise in Hongkong. Als es zu mehreren Morden kommt, wird "Fitz" vom englischen Polizeichef Hongkongs als Berater hinzugezogen. Zudem erhält er die Unterstützung seines alten Kollegen DCI Charlie Wise (Ricky Tomlinson). Alles deutet auf einen westlichen Täter hin, doch die Zusammenhänge der verschiedenen Morde sind zunächst noch relativ unklar.

Nine Eleven:
"Fitz" kehrt für die Hochzeit seiner Tochter nach rund 7 Jahren erstmals wieder aus seiner neuen Heimat Australien nach Manchester zurück. "Fitz" wird jedoch bereits nach kurzer Zeit von der hiesigen Polizei als Berater hinzugezogen. Ein Amerikaner wurde ermordet, und er soll nicht das einzige amerikanische Opfer bleiben. Es scheint ein Zusammenhang mit dem 11. September und der amerikanischen Außenpolitik zu existieren.



Meinung zum Film:
"Für alle Fälle Fitz" wurde in Deutschland in drei Staffeln ausgestrahlt, die anders als im Original aus jeweils drei Episoden in Spielfilmlänge bestanden. Die Serie wurde von 1993 bis 1995 produziert, 1998 folgte dann der erste Titel der vorliegenden Box, "Weisse Teufel", und 2006 schließlich als bisheriger Schlusspunkt der Serie der zweite in der Box enthaltene Titel "Nine Eleven". Beide Titel bilden deshalb eigentlich auch keine geschlossene 4. Staffel, sondern können eher als Specials zur Serie, bzw. Sonderfolgen betrachtet werden. Die Rolle des übergewichtigen, beruflich genialen Kriminalpsychologen "Fitz", der jedoch privat alkohol- und spielsüchtig ist und an seiner Rolle als Familienvater immer wieder scheitert, wurde Robbie Coltrane ("Nonnen auf der Flucht") geradezu auf den stattlichen Leib geschrieben. Die Serie erzielte neben hervorragenden Einschaltquoten auch einige Würdigungen der Kritik in Form von Auszeichnungen, wie mehreren "BAFTA TV Awards" in den Kategorien "Bester Hauptdarsteller" oder "Beste Dramaserie" in den Jahren 1994-1996. Prägend für die Serie ist die Tatsache, dass es weniger darum geht, den Täter zu entlarven, den der Zuschauer normalerweise schon vor den Ermittlern kennt, sondern vielmehr um die Psychologie hinter den Morden, also die Auslöser für diese Taten, sowie das Seelenleben des Täters.

In "Weisse Teufel" verschlägt es Fitz an einen für die Serie ungewöhnlich exotischen Schauplatz, nämlich Hongkong, wenn auch zu dieser Zeit immer noch im britischen Hoheitsgebiet befindlich. Und auch den Täter kann Fitz recht schnell als westlichen Ursprungs bestimmen, insofern wird die internationalere Kulisse auch kaum genutzt. Lediglich die an seiner Seite ermittelnde leitende Beamte DCI Cheung (Freda Foh Shen) gibt der Folge eine leicht asiatische Note. Leider kann diese Folge nicht ganz an alte Erfolge der Serie anknüpfen, der schwarze Humor der Serie fehlt größtenteils, Fitz agiert nicht in seinem gewohnten Terrain und der Fall selbst verteilt sich auf zuviele Nebenschauplätze. Besonders enttäuschend verläuft der entscheidende Verhörteil gegen Ende, da Fitz' Gegenspieler viel zu schnell zusammenbricht und keinen ernsthaften Kontrahenten darstellt. Zudem ist der Plot-Twist gegen Ende einfach zu offensichtlich angelegt, um zu überraschen.

"Nine Eleven" fühlt sich innerhalb der Serie eigentlich eher wie ein Fremdkörper an, obwohl die Episode durchaus ihre filmischen Qualitäten besitzt. Fitz selbst attestiert, dass nach 7 Jahren Abwesenheit Manchester kaum noch wiederzuerkennen ist, außer seinen Familienmitgliedern gibt es zudem keine alten Bekannten auszumachen. Man hat im Verlauf der Story tatsächlich den Eindruck, Fitz hätte hier eher einen Gastauftritt, nicht nur in Manchester, sondern auch innerhalb einer ganz anderen Serie. Die Folge ist einerseits ziemlich politisch geraten, mit internationaler Ausrichtung, und das auf nicht sehr subtile Art und Weise, behandelt aber andererseits auch ein sehr "britisches Thema", den Nordirland-Konflikt. Anthony Flanagan ("Real Men") mimt den traumatisierten Killer hervorragend, ihm wird aber auch weit mehr Spielzeit gewährt als Fitz selbst. Der Höhepunkt, das Verhör gegen Ende, übertrumpft zwar "Weisse Teufel", kann aber ebenfalls nicht ganz an die alten Folgen anknüpfen. In optischer Hinsicht wirkt diese Folge außerdem deutlich moderner und rasanter als ältere Folgen.

Digitale Aufarbeitung:
"Weisse Teufel" liegt im Bildformat 1,66:1 vor, "Nine Eleven" hingegen im Bildformat 1,78:1. "Weisse Teufel" orientiert sich qualitativ an der 3. Staffel. Die Farben wirken nicht immer ganz kräftig, und neben einem stetigen Hintergrundrauschen kommt es auch einige Male zu stärkerem Blockrauschen, außerdem ist die Schärfe ein wenig zu weich ausgefallen. Bildtechnisch deutlich besser schlägt sich hingegen die Episode aus dem Jahr 2006, die Farben sind wesentlich ausdrucksstärker, das Hintergrundrauschen fällt deutlich dezenter aus, das Blockrauschen ist komplett verschwunden und auch die Schärfe hat spürbar zugelegt. Tontechnisch geben sich beide Episoden keine Blöße und überzeugen zu jeder Zeit mit guter Verständlichkeit.

Die letzte Box zur Serie stellt gleichzeitig eine Premiere dar, denn erstmals gibt es auch einen etwas umfangreicheren Bonusteil, in diesem Fall ein "Making Of" (45:38 ) zur Serie. Das "Making Of" ist in englischer Sprache mit optionalen deutschen Untertiteln gehalten und bietet eine Fülle von interessanten Hintergrundinformationen zur Serie. Neben dem Produzenten der Serie, sowie diversen Darstellern der verschiedenen Staffeln, kommen besonders der Drehbuchautor, bzw. der "Vater" der Serie, Jimmy McGovern, sowie Hauptdarsteller Robbie Coltrane, ausführlich zu Wort.  

Fazit:
Die vierte Box von "Für alle Fälle Fitz" bietet zwei Spezialfolgen, die immer noch gute Krimiunterhaltung bieten, an die großartige Qualität älterer Folgen aber nicht mehr ganz anknüpfen können. "Weisse Teufel" hat dramaturgische Schwächen und einen unglücklich gewählten Tatort. "Nine Eleven" hingegen fühlt sich eigentlich gar nicht wie ein Teil der Serie an, obwohl die Folge dramaturgisch und psychologisch sogar besser ist als "Weisse Teufel". Die Figur des Kriminalpsycholgen Fitz wirkt hier mehr wie ein Gaststar in einer anderen, moderneren Krimiserie. Technisch kann vor allem die Präsentation der zweiten Episode überzeugen, während die erste mit altbekannten Schwächen zu kämpfen hat, das Making Of ist zwar das einzige Extra, kann dafür aber inhaltlich voll überzeugen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
100:23/106:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
Für alle Fälle Fitz - Staffel 4 - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Für alle Fälle Fitz: Weisse Teufel/Für alle Fälle Fitz: Nine Eleven
Cracker: White Ghost/Cracker: Nine Eleven

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Zwei für sich allein betrachtet gute Krimis, die als Anschluss an die klassischen Folgen aber weniger überzeugen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1996/2006
Regie:
Richard Standeven, Antonia Bird
Drehbuch:
Paul Abbott, Jimmy McGovern
Darsteller:
Robbie Coltrane, Barnaby Kay, Ricky Tomlinson, Anthony Flanagan, Stefanie Wilmore, Andrea Lowe

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
05.10.2007