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Kino-Besprechung - Mörderischer Frieden

Story:
Kosovo im Sommer 1999. Der Krieg zwischen Kosovo-Albanern und Serben ist offiziell beendet. Aber genauso wie der Boden noch voller Minen steckt, sind die Köpfe noch voller Hass. Die beiden Bundeswehrsoldaten Tom und Charly sollen im Rahmen des KFOR-Einsatzes den fragilen Frieden sichern helfen. Als sie eine junge Serbin vor dem albanischen Heckenschützen, der selbst noch ein Kind ist, retten, geraten sie nicht nur in Konflikt mit den zerstrittenen Ethnien, sondern auch mit ihrem Auftrag, ihrer Ethik und ihren persönlichen Gefühlen.

Meinung zum Film:
Nach "Kein Bund für's Leben" ist "Mörderischer Frieden" bereits der zweite Film des Jahres über die Bundeswehr. Damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten aber auch schon. Der Zuschauer wird innerhalb der ersten Minuten des Films in eine Welt aus Tod, Gewalt, Rachsucht, Verzweiflung und Angst geworfen. Der Auftrag der KFOR-Truppe, den Frieden zu sichern, beinhaltet Serben aus dem albanischen Gebiet in eine Schutzzone umzusiedeln und die albanischen Milizen zu entwaffnen. Die einen weigern sich aus Angst, in einem Ghetto zu enden und die anderen tragen einen tiefsitzenden Hass gegen ihre ehemaligen Besatzer im Herzen. Dazu kommen für die Soldaten die Probleme, die ständiges enges Zusammenleben mit sich bringt. In dieser bereits heftig schwelenden Konfliktlage kommt es zu einem Heckenschützenangriff auf die junge Serbin Mirjana (Susanne Bormann). Sie wird angeschossen, aber den zwei Hauptpersonen Tom (Adrian Topol) und Charly (Max Riemelt) gelingt es, den Schützen Durcan (Damir Dzumhur) zu stellen und somit schlimmeres zu verhindern. Aber durch diesen Eingriff verlieren Tom und Charly ihre professionelle Distanz, denn plötzlich kommen Gefühle mit ins Spiel - Liebe für Mirjana und Mitleid für Durcan. Der Boden für weitere Konflikte ist damit bereitet und die lassen nicht auf sich warten.

Obwohl etwas anfängliche Skepsis gegenüber einem deutsche Armee-Film gerechtfertigt scheint, ist dieser Film alles andere als Klamauk. Auch der Umgang mit dem brisanten Thema - der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg - erscheint als ein gelungener Drahtseilakt. Weder handelt es sich um einen echten Kriegs- noch um einen Anti-Kriegs-Film. Vielmehr treffen in diesem Drama viele Charaktere mit ihren persönlichen Konflikten in einem kriegsgebeutelten Land aufeinander und für keinen der Konflikte scheint es eine wirklich befriedigende Lösung zu geben. Die Figuren wirken allesamt glaubhaft und ihre Probleme authentisch. Auch wenn viele der serbischen und albanischen Rollen mit deutschsprachigen Schauspielern (Susanne Bormann, Peter Bongartz, Anatole Taubman) besetzt sind, wirkt der Akzent nicht gezwungen. Etwas anders erscheinen die deutschen Soldaten. Mit viel Liebe zum Detail wurden sie mit Original-Ausrüstungsgegenständen ausgestattet, aber was ihnen als die typische Soldatensprache in den Mund gelegt wird, wirkt teilweise zu aufgesetzt. Zwar sind die verbalen Tiefschläge im Film durchaus vorhanden, aber an ein sprachliches Niveau von "Full Metal Jacket" oder "Platoon" reicht es - glücklicherweise - nicht heran. Der Film wurde in der Nähe von Sarajevo, teilweise an Originalschauplätzen, gedreht und die Kulisse ist mehr als passend um den Inhalt zu transportieren.

Dadurch, dass der Film mit der Unterstützung des BR, SWR und von arte gedreht wurde, kam es im Zuge der Produktion zu der gelegentlich geäußerten Kritik, dass hier mit Geldern des öffentlichen Rundfunks ein Werbefilm für die Bundeswehr entsteht. Dieser Einwand ist ungerechtfertigt. Die Soldaten stehen nicht als strahlende Moralapostel da und auch mal nicht als Opfer der deutschen Kriegsvergangenheit. Der mahnende erhobene Zeigefinger, welcher auf die unrühmliche Zeit deutscher Soldaten weist, ist zwar vorhanden, aber in einer sehr dezenten und sehr passenden Art und Weise verarbeitet. Letztendlich gelingt es dem Film, eine Geschichte über Menschen zu erzählen, in der Gut und Schlecht nicht klar erkennbar sind, dafür aber die Menschlichkeit um so mehr.

Fazit:
"Mörderischer Frieden" ist der mutige Versuch, ein sehr zwiespältiges Thema in einem Film zu verarbeiten. Wer einen Kriegsfilm erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Aber wer sich von der Aussicht, ein Drama über deutsche Soldaten einmal außerhalb des bekannten Rahmens im 2. Weltkriegs zu sehen, nicht abschrecken lässt, wird mit einem relativ tiefgehenden Film auf seine Kosten kommen.

Mörderischer Frieden - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Mörderischer Frieden
Mörderischer Frieden (Sniper's Valley)

Bild unseres Mitarbeiters Falk Ebert
Kein Kriegsfilm, aber erschreckend nah dran


Autor der Besprechung:
Falk Ebert

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007
Regie:
Rudolf Schweiger
Drehbuch:
Jan Lüthje, Rudolf Schweiger
Darsteller:
Adrian Topol, Max Riemelt, Susanne Bormann, Damir Dzumhur, Anatole Taubmann, Peter Bongartz

Verleiher:
movienet
Kinostart Deutschland :
29.11.2007