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DVD-Besprechung - Buenos Aires 1977
Story:
Buenos Aires, 23. November 1977: Der junge Fußballtorwart Claudio Tamburrini (Rodrigo De la Serna) wird am hellichten Tag von den Schergen der herrschenden Militärjunta in eine abgelegene, unbewohnte Villa außerhalb von Buenos Aires verschleppt. Zusammen mit drei Mitgefangenen ist er seinen Peinigern unschuldig und hilflos 120 Tage lang ausgeliefert. Erst am 121. Tag gelingt ihnen gemeinsam die Flucht.
Meinung zum Film:
Regisseur und Co-Autor Adrián Caetano blieb im deutschsprachigen Raum bisher weitgehend unbekannt, lediglich sein Kriminaldrama "Der Rote Bär" war im letzten Jahr auch in deutscher Sprache auf ARTE zu sehen. Beim Filmfestival in Cannes gewann er jedoch mit dem Emigrantendrama "Bolivia" im Jahr 2001 den Preis der Jugendjury. "Buenos Aires 1977" basiert auf den Erinnerungen des realen Claudio Tamburrini, der seine furchtbaren Erlebnisse in der Folterhaft in dem Buch "Pase libre" schriftstellerisch aufarbeitete. Hauptdarsteller Rodrigo De la Serna sorgte zuletzt in "Die Abenteuer des jungen Che" für Aufsehen. "Buenos Aires 1977" wurde beim Filmfestival von Cannes 2006 für die Goldene Palme nominiert. Den historischen Hintergrund des Films bildet die argentinische Militärdiktatur in der Zeit von 1976 bis 1983, unter der Führung von Jorge Rafael Videla (bis 1981), sowie seiner beiden kurzzeitigen Nachfolger. In dieser Zeit des Staatsterrors verschwanden etwa 30000 Menschen, die sogenannten Desaparecidos ("Die Verschwundenen"), als gewaltsame Opfer des Regimes. Die Niederlage gegen Großbritannien im Konflikt um die Falklandinseln leitete schließlich den Sturz der Militärjunta und den erneuten Übergang zur Demokratie ein.
"Buenos Aires 1977" versucht mit einfachsten Mitteln, das Leben der Inhaftierten während ihrer Folterhaft darzustellen und ist dabei immer möglichst hautnah am Geschehen. Leider wirkt die Handlung grundsätzlich eher austauschbar, da bis auf kurze Texttafeln zu Beginn und am Ende des Films keinerlei Bezug auf die argentinische Militärdiktatur genommen wird. Die innenpolitische Situation Argentiniens zu dieser Zeit bleibt völlig außen vor, leider auch beim Bonusmaterial der DVD. Erschwerend kommt hinzu, dass auch persönliche Informationen über die Gefangenen auf ein Minimum beschränkt sind, was die Identifikation für den Zuschauer erschwert und den Film seltsam anonym erscheinen lässt. Zudem verschenkt der Film immer wieder Möglichkeiten, den Zuschauer zu schockieren oder aufzurütteln, was bereits am Anfang des Films beginnt. Statt Claudio und damit auch den Zuschauer aus allen Träumen zu reißen, indem er ganz abrupt und gewaltsam von der Straße weg entführt wird, kündigt sich seine gewaltsame Entführung bereits lange vorher an, da seine Wohnung in Abwesenheit durchsucht wird.
Dieses Bild der verschenkten Möglichkeiten setzt sich während der Haft fort, denn die gewaltsame Folter wird weitestgehend ausgeblendet, warum der Film keine Jugendfreigabe erhielt, bleibt daher auch ein absolutes Rätsel, erst recht, wenn man ihm einen gewissen Anspruch unterstellt. Es wirkt schon etwas merkwürdig, über 2/3 der Spielzeit eine Folterhaft zu thematisieren, ohne sich allerdings zu trauen, die schlimmsten Mißhandlungen auch ein wenig auszuführen. In diesem Zusammenhang nimmt man den Gefangenen auch bei ihrer Flucht die 120 Tage Folterungen und Demütigungen nicht ab. Äußerlich sind die Insassen bis auf ein paar Blutergüsse, die makeup-technisch auch nicht gerade die hohe Kunst darstellen, beinahe unversehrt und sehen zudem dermaßen durchtrainiert aus, als wären sie gerade aus einem Fitnessstudio entflohen. Solche handwerklichen Fehler sollten wirklich vermieden werden. Auch die potentiellen Konflikte zwischen den Gefangenen, die dazu angestachelt werden, sich gegenseitig sowie andere Unschuldige zu verkaufen, fallen weitestgehend unter den Stich und lassen kaum Dramatik innerhalb der Gruppe aufkommen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Darsteller der Inhaftierten als Folteropfer wenig Möglichkeit haben, sich auszuzeichnen, während ihre Wärter weder besonders bedrohlich noch sadistisch wirken. Ob es sich bei ihnen um schlichte Befehlsempfänger handelt, sie eigenverantwortlich handeln, oder andere tiefergehende Antworten auf hier ungestellte Fragen muß man komplett verzichten.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist insgesamt überzeugend ausgefallen. Die Schärfe ist gut, der Kontrast ist als Stilmittel bewusst eher steil ausgefallen und die Farben sind, trotz ihrer absichtlich tristen Natur, sehr kräftig. Ansonsten ist lediglich ein minimales Hintergrundrauschen feststellbar. Die Tonspuren überzeugen alle mit guter Verständlichkeit, sind aber aufgrund der Machart des Films größtenteils eher frontlastig ausgefallen. Die deutsche Synchronisation ist zwar professionell gemacht, wirkt aber gerade in den Verhörszenen deutlich gestellter, bzw. weniger authentisch als bei der Originaltonspur.
Auf der DVD befindet sich ein Making Of (24:24) zum Film mit Impressionen von den Dreharbeiten, sowie Stimmen der Schauspieler und des Regisseurs, das leider sehr oberflächlich ausgefallen ist und auch keinerlei Informationen zu den historischen Hintergründen liefert. "Chronik einer Begegnung" (12:33) begleitet den Besuch eines weiteren Mitgefangenen bei dem realen Claudio Tamburrini, was für die Beteiligten sicher eine tolle Sache war, für den Zuschauer aber weder unterhaltsam noch informativ ist. Den Abschluss bilden zwei Trailer und ein paar TV-Spots zum Film.
Fazit:
"Buenos Aires 1977" möchte gerne ein dunkles Kapitel der Geschichte Argentiniens aufarbeiten und die Unmenschlichkeit und Willkür dieser Zeit betonen, vernachlässigt aber eben diese Hintergründe und bleibt sowohl äußerst anonym, da auf einen biographischen Einführungsteil für die Hauptcharaktere verzichtet wurde, als auch eher dezent in der Darstellung. Aufgrund der Distanz zwischen dem Zuschauer und den Protagonisten, sowie der Beliebigkeit des politischen Rahmens, wird jedoch das genaue Gegenteil erreicht und der Film lässt den Betrachter trotz des beschämenden Unrechts und der Demütigungen, denen er beiwohnt, eher kalt.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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99:08 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Spanisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Dokumentation "Chronik einer Begegnung"
- TV-Spots und Trailer
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Buenos Aires 1977
Crónica de una fuga
Gut gemeinter Film mit wichtigem Anliegen, der aber an der Umsetzung scheitert
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Argentinien, 2006 Regie: Adrián Caetano Drehbuch: Adrián Caetano, Esteban Student, Julian Loyola (basierend auf einem Buch von Claudio Tamburrini) Darsteller: Rodrigo De la Serna, Pablo Echarri, Nazareno Casero, Lautaro Delgado, Matías Marmorato, Martín Urruty
Label :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart : 09.11.2007
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