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DVD-Besprechung - Silberhochzeit

Story:
Alma (Iris Berben) und Ben (Matthias Habich) sind seit 25 Jahren verheiratet. Anstelle einer großen Feier haben sie sich entschlossen, ihre Silberhochzeit in den eigenen vier Wänden, im Kreise der besten Freunde zu verbringen. Doch anstatt ein gemütlichen Beisammensein mit heiterer Stimmung zu verleben, entwickelt sich der Abend immer mehr zu einem emotional aufgeheizten Explosivgemisch, bei dem so manch verletzendes Wort fällt.

Meinung zum Film:
Mit „Silberhochzeit“ ist Regisseur Matti Geschonneck („Die Tote vom Deich“) ein sehr ernster, aber dennoch durchweg unterhaltsamer Blick auf das komplizierte Geflecht menschlichen Sozialverhaltens gelungen. Gedreht wurde nach einem Drehbuch von Daniel Nocke („Sommer '04“), das auf einer Kurzgeschichte von Elke Heidenreich („Der Welt den Rücken“) basiert. Die Besetzung ist durchweg gelungen. Vor allem Iris Berben („Afrika, mon amour") und Matthias Habich („Schuld und Unschuld“) als Silbernes Ehepaar verleihen dem Film den passenden Rahmen. Sie bieten den Roten Faden, für anfängliche, harmlose Kleinigkeiten, wie sie sicherlich oftmals im Alltag vieler vorzufinden sind, bis hin zur ausgewachsenen Lebenskrise, in die alle Anwesenden mit hineingerissen werden. Produziert wurde der Film von Oliver Berben ("Die Patriarchin").

Schon im Laufe des Tages beginnt Alma leichte Bedenken zu bekommen, ob die ganzen Jahre mit Ben wirklich zufriedenstellend verliefen. Sie beklagt sich vor allem innerlich darüber, dass ihr Mann nichts über ihre wahren Emotionen und Bedürfnisse weiß. Als dann auch noch die Rede auf Alexandra (Corinna Harfouch / „Das Parfum“) kommt, die mittlerweile mit Leo ( Axel Milberg / „Tatort“) zusammen ist, ist für erste Unruhe gesorgt. Ben hat mit Alex vor 30 Jahren eine Nacht verbracht, bei der sie zwar nicht intim wurden, an die er sich aber noch ganz genau und im Detail erinnern kann. Dabei ist es gerade seine Vernachlässigung der romantischen Seite seiner Beziehung, die Alma am meisten zu schaffen macht und sie fragt sich ernsthaft, ob er sich auch an ihre schönen Stunden so genau erinnern kann. Für Bens Freund Jonathan (Oliver Nägele / „Bin ich schön?“) ist die aufkommende Unruhe ein gefundenes Fressen, und er heizt die Situation durch Spitzen und Fragen immer weiter auf. Er selbst ist zu einem höchst verbitterten Menschen geworden, der sich nur dann richtig wohl fühlen kann, wenn er das Leid anderer Menschen miterlebt. Versicherungsvertreter Heinz (Ulrich Noethen / „Der Untergang“) versucht die Situationen immer wieder zu schlichten, wird aber zum einen durch seine oberflächlichen Bemühungen, zum anderen aber auch wegen seiner naiv wirkenden jungen Freundin Vivien (Silke Bodenbender / „Die Schatzinsel“), nicht unbedingt ernst genommen. Anita (Gisela Schneebergee / “Man spricht deutsch”) komplettiert die Runde und fällt am ehesten durch ihre Gleichgültigkeit auf, die sie sich aufgrund zahlreicher Enttäuschungen im Leben zu eigen gemacht hat. Sie kann die ganzen Probleme gar nicht mehr ernst nehmen, weil sie selbst schon zu viel durchgemacht hat. Ein Auftritt von Bens Vater (Alexander Kerst / „Die Patriarchin“), der für seinen Sohn gestorben ist, bringt durch seine kurzzeitige Anwesenheit zusätzliches Konfliktpotential in die Runde.

Im Laufe des Abends wird immer deutlicher, wie labil das Geflecht aus Rücksicht und Respekt ist, welches das Beisammensein zwischen den Protagonisten in einem Gleichgewicht hält, und wie schnell es kippen kann, wenn erst einmal an einem Teil davon gezerrt wird. In einer Mischung aus Alkohol, Frust und Angefressenheit wird immer mehr auf ein behutsames Miteinander verzichtet. Nach und nach wirft man sich gegenseitig Dinge an den Kopf, die zutiefst verletzend sind und welche man höchstensr von Kindern gewohnt ist, die noch nicht darüber nachdenken, welchen Schaden ihre Worte anrichten können. Die Entwicklung des Abends schreitet zwar nur in sehr gemächlichem Tempo voran, doch ist schon sehr früh erkennbar, dass die explosive Mischung in der Luft immer dichter wird und es im Grunde nur eine Frage der Zeit sein kann, bis der Funke überspringt. Selten zuvor wurde eine so ernste Geschichte auf eine derart unterhaltende Art und Weise gezeigt, wie es bei „Silberhochzeit“ der Fall ist. Abgesehen von einem kleinen Durchhänger nach dem 2. Drittel des Films, vergehen die 90 Minuten wie im Flug. Durch die ansprechende Charakterisierung, die durchweg gelungenen Leistungen der Darsteller und der natürlich vorgetragenen Dialoge, nebst der natürlich wirkenden Entwicklung der Krise, fühlt man sich am Ende selbst als Teil der Gemeinschaft. Am Ende wird man darüber grübeln, wer nun eigentlich welche Fehler gemacht hat. Doch es sind nicht unbedingt Fehler, sondern es ist vielmehr eine unglückliche, unüberlegte Abfolge von Aktionen und Reaktionen, die sich irgendwann verselbständigt, und lawinenartig über die Protagonisten hinwegrollt. Die Worte, die fallen, hinterlassen ihre Wirkung bei den Anwesenden, genau wie es der Film beim Zuschauer erreicht. Anspruchvolles Kino war selten zuvor so unterhaltsam.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen durchschnittlichen Eindruck. Vor allem teils sehr deutlich zu sehendes Rauschen fällt immer wieder ein wenig störend ins Augen. Schärfe, Kontrast und Farben machen aber einen durchschnittlich guten Eindruck für einen TV-Spielfilm. Der Ton kommt in stets gut verständlichem Dolby Digital 2.0 aus den Lautsprechern.

Als Extra gibt es lediglich 3 Darstellerinfos.

Fazit:
„Silberhochzeit“ ist ein ernster, aber dennoch äußerst unterhaltsamer Blick auf Freundschaften und darauf wie schnell das soziale Geflecht, als Basis  menschlicher Beziehungen, auseinanderfallen kann. Ein unüberlegtes Wort, eine unbedachte Äußerung und schon werden Reaktionen in Gang gesetzt, die nur schwer aufzuhalten sind. Für den nächsten Filmabend mit gehaltvollem Inhalt sollte der Film ganz oben auf der Liste stehen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
88:39 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Darstellerinfos
Silberhochzeit - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Silberhochzeit
Silberhochzeit

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Der filmische Beleg dafür, dass ein Wort tiefere Wunden reißen kann als jede Waffe


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2006
Regie:
Matti Geschonneck
Drehbuch:
Daniel Nocke (basierend auf einer Kurzgeschichte von Elke Heidenreich)
Darsteller:
Iris Berben, Matthias Habich, Corinna Harfouch, Axel Milberg, Silke Bodenbender, Ulrich Noethen, Gisela Schneeberger, Oliver Nägele, Alexander Kerst

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
23.10.2007