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DVD-Besprechung - Mein Führer
Story:
Ende 1944 packt Propagandaminister Joseph Goebbels (Sylvester Groth) die fixe Idee, dem bereits so gut wie verlorenen, totalen Krieg nochmals eine Wende zu geben. Der jüdische Meisterschauspieler Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe) wird aus dem KZ Sachsenhausen nach Berlin geholt. Er soll dem gebrochenen Führer Adolf Hitler (Helge Schneider) zum Zweck eines Triumphzuges am Neujahrstag, inklusive kämpferischer Rede an das Deutsche Volk, wieder alte Stärke einhauchen, hat dafür jedoch lediglich fünf Tage Zeit.
Meinung zum Film:
"Mein Führer" erregte bereits lange vor seiner Premiere einiges an Aufsehen. Zunächst wurde die Frage kontrovers diskutiert, ob ein Deutscher Film sich überhaupt komödiantisch mit Adolf Hitler auseinandersetzen dürfte, als nächstes sorgte dann die Besetzung ausgerechnet dieser Rolle mit dem eigenwilligen Comedian und Multitalent Helge Schneider ("Praxis Dr. Hasenbein") für einigen Gesprächsstoff. All diese Kontroversen wirkten sich auf jeden Fall sehr positiv an den Kinokassen aus, wobei der Film bereits in der Produktion, u.a. von der Filmstiftung NRW und der Filmförderungsanstalt FFA, gefördert wurde. Beim Deutschen Filmpreis 2007 wurde Sylvester Groth für seine Leistung mit der Auszeichnung als bester Nebendarsteller bedacht. "Mein Führer" war außerdem einer von sieben deutschen Filmen, die für eine Nominierung als deutscher Oscarbeitrag für den besten nicht-englischsprachigen Film im Gespräch waren.
Gegenüber der alten Schnittfassung beging Regisseur und Drehbuchautor Dani Levy, der mit "Alles auf Zucker" kürzlich im Komödienbereich einen großen Publikums- und Kritikererfolg verzeichnen konnte, einen entscheidenden Fehler. Der Erzähler wechselte vom gealterten, unverbesserlichen Adolf Hitler zum jüdischen Schauspiellehrer Adolf Grünbaum. "Mein Führer" ist jedoch ein Film, der unentschlossen zwischen den Genres Komödie und Drama hin- und herschwankt und in dem Adolf Hitler zur Zielscheibe billiger Kalauer wird, während der kürzlich verstorbene Ulrich Mühe ("Das Leben der Anderen") vielmehr den tragischen Helden verkörpert. Das Ergebnis führt zu einer auch von Helge Schneider später kritisierten zurückgenommenen Führerfigur, während Grünbaum gleichzeitig in der Handlung an Gewicht gewinnt und sich der Film mehr zum Drama hin verlagert. Das Schicksal von Adolf Grünbaum ist nämlich für eine Komödie wahrlich ungeeignet, sitzt er doch mit seiner Familie im KZ Sachsenhausen ein und ist später vor allem damit beschäftigt, seinen Hals, bzw. den seiner Familienmitglieder zu retten. Währenddessen befindet er sich zudem in dem Dilemma , entweder die NS-Politik unterstützen zu müssen, oder unter Einsatz seines Lebens den engen Kontakt zum Führer für einen Mordanschlag nutzen zu können.
Während es Charlie Chaplin 1940 in "Der Große Diktator" erfolgreich gelang, eine pointierte, politische Satire zum gleichen Thema auf die Beine zu stellen, ist sich "Mein Führer" für keine Plattheit zu schade. Hitler ist impotent, weinerlich, kindisch, spielt in der Badewanne mit Spielzeugschlachtschiffen und muß später auch noch einen Hund verkörpern. Weiterhin bricht in der Darstellung der Figur des Adolf Hitler bei Helge Schneider immer wieder die eigene Person durch und auch die Imitation der Stimmlage mißlingt häufiger. Zudem leidet Helge Schneider unter einer schlecht gemachten und völlig übertriebenen Silikonmaske, die Hitler schon optisch auf einen armseligen, comichaften Clown reduziert. Bei den Darstellern überzeugen vor allem Sylvester Grothe sowie Ulrich Noethen, der hier, ebenso wie in "Der Untergang", Heinrich Himmler mimt, außerdem noch Ulrich Mühe, wenn auch in einer undankbar schwächlichen Rolle. Peinlich ist hingegen Katja Riemanns Interpretation der Eva Braun, die glücklicherweise fast komplett der Schere zum Opfer fiel, und auch der sonst so überzeugende Stefan Kurt ("Der Schattenmann") ist in der Rolle des Albert Speer nur ein Schatten seiner selbst.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild überzeugt mit kräftigen Farben und guter Schärfe, der Kontrast ist ebenfalls gelungen. Die Tonspur ist zu jeder Zeit gut verständlich und kann ebenfalls voll überzeugen.
Die Extras der DVD sind äußerst reichhaltig und sehr informativ ausgefallen. Der Audiokommentar von Regisseur Dani Levy ist zwar interessant, aber leider von bereits peinlicher Schwärmerei für den eigenen Film durchsetzt. Deutlich gelungener ist da schon das sehr lange "Making Of" (63:27), in dem u.a. alle Mitwirkenden und Verantwortlichen ausführlich zu Wort kommen, und das in seiner Informationsfülle wahrlich erschöpfend ist. Auch die Reaktionen der Presse und Zuschauer auf die Probevorführungen, sowie die Premiere des endgültigen Films sind enthalten. Das "Making Of VFX" (14:59) beschäftigt sich mit den verwendeten visuellen Effekten, die Featurettes (Gesamtlaufzeit: 35:53) behandeln ausführlich die Bereiche Kostüm, Ausstattung, Maske, Kamera und Musik. Weiterhin gibt es als besonders interessantes Extra auf der DVD die ursprüngliche Schnittfassung der Einleitungs- und Endsequenz des Films mit dem 117-jährigen Hitler als Erzähler. Diese ist deutlich bissiger als die endgültige Schnittfassung des Filmes, die Verantwortlichen schreckten hier aber leider vor negativen Publikumsreaktionen zurück. Den Abschluss bilden die "Entfernten Szenen" (12:41), zwei Teaser, ein Trailer und Biographien in Form von Texttafeln zu den wichtigsten Beteiligten.
Fazit:
"Mein Führer" bietet während der gesamten Spielzeit auch nicht den geringsten Anlass zu einem kleinen Lächeln, zudem leidet die Authentizität des Films unter budgetbedingten Restriktionen im Bereich der Kulissen. Helge Schneider kann als Hitler weder optisch, noch akustisch und auch nicht schauspielerisch wirklich überzeugen, während Nebendarsteller ihm und Ulrich Mühe die Schau stehlen. Ansonsten pendelt der Film zwischen den Genres hin und her, ist aber für ein Drama viel zu oberflächlich, während der Humor für eine Komödie mit ernstem Hintergrund viel zu platt und ohne jeden Biss daherkommt. Die Extras sind quantitativ sowie qualitativ vorbildlich und bieten somit reichlich Informationsmaterial zu einem miesen Film in guter technischer Präsentation.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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91:25 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch für Hörgeschädigte |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Dani Levy
- Making Of
- Making Of VFX
- Featurettes (Kostüm/Ausstattung/Maske/Kamera/Musik)
- Die frühe Schnittfassung
- Entfernte Szenen
- 2 Teaser
- Trailer
- Biographien von Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth, Adriana Altaras, Stefan Kurt, Ulrich Noethen, Dani Levy und Produzent Stefan Arndt
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Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler
Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler
Eine Aneinanderreihung peinlicher Plattheiten ohne jeden Biss, irgendwo zwischen Komödie und Drama
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007 Regie: Dani Levy Drehbuch: Dani Levy Darsteller: Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth, Stefan Kurt, Ulrich Noethen, Adriana Altaras
Label :
X Edition
Verkaufsstart : 14.09.2007
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