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DVD-Besprechung - Schock-Korridor
Story:
Johnny Barrett (Peter Breck) ist Reporter des Daily Globe und sein erklärtes Ziel ist es, den Pulitzer-Preis einzuheimsen. Für diese Auszeichnung lässt er sich sogar unter Vortäuschung einer latenten Psychose in die Nervenheilanstalt von Dr. Christo (John Matthews) einweisen. Er will dort im Fall des ermordeten Patienten Stuart ermitteln, denn es gab drei Augenzeugen vor Ort. Diese bewegen sich jedoch in ihrer ganz eigenen Realität und sind deshalb nicht gerade ein sprudelnder Quell verwertbarer Informationen. Zudem gerät Johnny durch seine Therapieformen und die ständige Gesellschaft geisteskranker Menschen selbst zunehmend in die Fänge des Wahnsinns, will jedoch keinesfalls aufgeben, bevor er nicht seine Story recherchiert hat.
Meinung zum Film:
Samuel Fuller ("The Big Red One"), war bei "Schock-Korridor" gleichzeitig Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Er galt bereits zu Lebzeiten als Legende und verarbeitete in seinen Filmen meist auch biographische Erfahrungen. Seine Filme sind emotionsgeladen, geprägt von Zynismus und häufig findet man in der Hauptrolle einen Anti-Helden. Insgesamt schrieb er 51 Drehbücher, führte bei 30 Filmen Regie und sein Ziel war es stets, seine Zuschauer aufzurütteln, um soziale Missstände in den Fokus zu rücken. Die Hauptdarstellerin Constance Towers ("Der Letzte Befehl") arbeitete später in "Der Nackte Kuß" erneut mit Samuel Fuller zusammen.
"Schock-Korridor" bedient sich einer Kriminalgeschichte als Rahmen für ein zeitgenössisches Drama über die Probleme und Ängste einer Nation. Die vielschichtige Handlung zentriert sich zunächst auf den von Ehrgeiz zerfressenen Reporter Johnny Barrett, der trotz warnender Worte seiner Frau nicht von seinem Ziel abweichen will, den Mord in einer Nervenheilanstalt als Insasse aufzuklären. Mit Hilfe seines Chefredakteurs sowie eines befreundeten Psychologen, bereitet er sich minutiös auf seine Rolle als Schizophrener mit sexueller Störung, der seine eigene Schwester begehrt, vor. Er spielt die Rolle jedoch so gut, dass er sich auch den gängigen Therapieformen, wie z.B. Elektroschocks, unterziehen muss und hat den Einfluss seines Umfeldes, auch auf die eigene Persönlichkeit, offensichtlich gewaltig unterschätzt. Im Mittelpunkt der Recherche steht die Befragung der drei Augenzeugen, die Fuller dazu nutzt, ein gewaltiges Stück Gesellschaftskritik anzubringen. Um überhaupt an deren Persönlichkeit heranzukommen, muss Barrett sich jedoch zunächst auf die Gedankenwelt dieser Geisteskranken einlassen und sich in ihre Wahnvorstellungen einfügen. Stuart hält sich für einen General des amerikanischen Bürgerkrieges, auf einer tieferen Ebene entpuppt sich diese Persönlichkeit jedoch als übersteigerter Patriot, der sich für seine kommunistische Vergangenheit schämt.
Der zweite Augenzeuge, Trent, war der einzige farbige Student an einer Südstaatenuniversität und hält sich jetzt für den Gründer des Ku-Klux-Klans. In einer der eindrucksvollsten Szenen des Films stachelt Trent mit einer rassistischen Brandrede seine weißen Mitinsassen zu einer Hetzjagd auf einen schwarzen Bruder auf. Boden schließlich war Physik-Nobelpreisträger und mit seiner Mitarbeit an den A- und H-Bomben ein wichtiges Glied des Rüstungswettlaufes zwischen den Großmächten, mittlerweile ist er jedoch auf den geistigen Level eines 6-Jährigen zurückgefallen. Im Verlauf des Films prangert Fuller neben gesellschaftlichen und politischen Problemen wie Rassismus, dem Kalten Krieg, inklusive der Angst vor der roten Gefahr, aber auch Themen wie Inzest, Missbrauch in der Psychatrie oder schlichtweg krankhaften Ehrgeiz an. Die gesamte Atmosphäre innerhalb der Anstalt ist äußerst bedrückend und der Wahnsinn ist für den Zuschauer beinahe greifbar. Zwar ist die Darstellung absichtlich überzogen gewählt, die Darsteller legen aber durch die Bank so beeindruckende Leistungen an den Tag, dass die Darstellung der mehr oder weniger verrückten Charaktere, die in ihren klaren Momenten den Eindruck erwecken, die wahren Verrückten würden außerhalb der Anstalt in leitenden Positionen ihr Unheil treiben, stets glaubhaft wirkt.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist für einen mehr als 40 Jahre alten Schwarz-Weiß-Film wirklich hervorragend und überzeugt mit guter Schärfe sowie gelungenen Kontrastwerten. Ein leichtes Bildrauschen und sehr seltene Verschmutzungen trüben in keinster Weise den guten Gesamteindruck. Der Film liegt lediglich in englischer Sprache vor, da der Film nie in deutscher Sprache synchronisiert wurde. Die Tonspur überzeugt aber zu jeder Zeit mit einwandfreier Verständlichkeit und die DVD bietet optionale deutsche Untertitel.
Die Extras sind ziemlich spärlich ausgefallen, es gibt lediglich eine Biographie von Samuel Fuller (9 Bildschirmseiten), eine Fotogalerie, sowie zwei "Deleted Scenes" mit einer Gesamtlaufzeit von lediglich 1:27 Minuten, die offensichtlich der Prüderie der amerikanischen Zensoren zum Opfer fielen, ansonsten aber keinerlei größere Relevanz für den Filminhalt besitzen.
Fazit:
"Schock-Korridor" ist ein extrem intensiver und bedrückender Film, der dem Zuschauer sowie dem Hauptdarsteller den zeitgenössischen, alltäglichen Wahnsinn unerbittlich vor Augen führt. Die teilweise sehr zugespitzten Darstellungen reizen aber nicht nur zum verständnislosen Kopfschütteln, sondern besitzen auch durchaus humoristisches Potential. Handwerklich ist der Film ohne Fehl und Tadel mit einer Konzentration auf den wesentlichen Elementen, sowie herausragenden Darstellern. Die DVD ist technisch sehr gelungen, auf eine deutsche Tonspur muß man aber ebenso verzichten wie auf großartige Extras.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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95:58 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Biographie von Samuel Fuller
- Fotogalerie
- Geschnittene Szenen
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Schock-Korridor
Shock Corridor
Wahnsinn als logische Reaktion auf eine kranke Gesellschaft
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1963 Regie: Samuel Fuller Drehbuch: Samuel Fuller Darsteller: Peter Breck, Constance Towers, Gene Evans, James Best, Hari Rhodes, Larry Tucker
Label :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart : 16.11.2007
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