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DVD-Besprechung - Herzen
Story:
Nicole (Laura Morante) und Dan (Lambert Wilson) suchen gemeinsam eine 3-Zimmer-Wohnung, denn Dans zentrale Forderung ist ein Arbeitszimmer, obwohl er gar keine Arbeit hat. Mit diesen beiden schwierigen Kunden muss sich der Makler Thierry (André Dussollier) herumschlagen, dessen jüngere Schwester Lèlette vergeblich per Kontaktanzeige nach ihrem Traumprinzen sucht, während seine Sekretärin Charlotte (Sabine Azéma) zwischen tiefer Religiösität und sexuellem Exhibitionismus hin- und herschwankt. Abends pflegt Charlotte gegen Bezahlung den Vater des Barkeepers Lionel (Pierre Arditi), der sich bei der Arbeit ständig die Sorgen des schwer angeheiterten Dan anhören muß.
Meinung zum Film:
"Herzen" beruht auf dem Theaterstück "Private Fears in Public Places" des eigentlich auf Komödien mit sozialkritischem Inhalt abonnierten, englischen Autors Alan Ayckbourn und ist Resnais zweite Ayckbourn-Adaption, nach der Verfilmung von "Intimate Exchanges" unter dem Titel "Smoking/No Smoking". Regisseur Alain Resnais ("Das Leben ist ein Chanson"), war einer der bekanntesten Vertreter der Nouvelle Vague in den 50er Jahren, und wurde vor allem mit dem romantischen Kriegsdrama "Hiroshima, mon amour" bekannt. Für sein Lebenswerk wurde er 1995 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet und 1998 mit dem Silbernen Bären bei der Berlinale. Mit der französisch-italienischen Co-Produktion "Herzen" gewann Alain Resnais bei den 63. Filmfestspielen von Venedig 2006 den Silbernen Löwen für die beste Regie und wurde für den Goldenen Löwen nominiert.
"Herzen" ist ein melancholisches Drama über Liebe, Einsamkeit und Verlust. Die Handlung verlegte Resnais gegenüber dem Theaterstück von London nach Paris. Wegen der Konzentration auf wenige Charaktere und eine begrenzte, wiederkehrende Anzahl von Schauplätzen, die beinahe kammerspielartig anmuten, fällt dieser Wechsel allerdings kaum ins Gewicht. Der Film schildert die Ereignisse von einem Dienstag bis zu einem Freitag im Februar 2006. Jeder der vorgestellten Charaktere leidet unter einer eigenen Form von Einsamkeit und Verlust, während alle nach einer neuen menschlichen Ersatzbeziehung suchen, nur um zu scheitern. Leider fällt schnell ins Auge, dass Resnais wenig Wert auf seine Charaktere legt. Die Darstellung ist extrem oberflächlich ausgefallen und laut Resnais hatten die Schauspieler, zur Vorbereitung ihrer Rolle, zusätzliche biographische Informationen, die dem Zuschauer jedoch verborgen bleiben. Schon diese Maßnahme wirkt zweifelhaft und hinterlässt viele offene Fragen, kann aber auch nicht als Ausrede für diverse Ungereimtheiten der Charaktere, sowie der Story, herhalten.
Beispielsweise bleibt die Beziehung zwischen Thierry und Lèlette bleibt völlig unbeleuchtet, Lèlette wartet ständig vergeblich auf ihre Verabredungen, obwohl sie sehr attraktiv ist, Dans Vergangenheit wird immer wieder nur angedeutet, und vor allem Charlottes Verhalten gibt einige Rätsel auf. Zwar ist sie sehr religös und spricht dauernd davon, dass man den Versuchungen des Lebens widerstehen muß, wieso sie jedoch lieber selbst den Teufel spielt und diese erst begründet, bleibt ungewiss. Die Schauspieler agieren dabei innerhalb ihrer durch das Drehbuch beschränkten Möglichkeiten wirklich sehr überzeugend. Sie müssen sich jedoch Resnais sehr formalistischem Diktat unterwerfen und werden, genau wie die Optik des Films, ständig zweigeteilt präsentiert. So entstehen Zweierbeziehungen mit unsichtbaren Mauern in den Köpfen, sowie sichtbaren Mauern, die sich in der Architektur des Films wiederspiegeln. Die Geschichte des Films selbst ist zwar nicht direkt langweilig, aber arm an Höhepunkten, sowie von Anfang bis Ende extrem durchschaubar.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD wirkt leider ein wenig so, als wäre es das Opfer eines Weichzeichners geworden, und ist teilweise sehr milchig und zu hell. Weiterhin weist das Bild ein leichtes Rauschen auf und die Farben sind absichtlich eher künstlich gehalten. Beide Tonspuren dieses eher ruhigen Films bieten eine gute Verständlichkeit.
Auf der DVD befinden sich ein Trailer zum Film, eine Fotogalerie, sowie ein Interview mit Regisseur Alain Resnais in Textform (8 Bildschirmseiten). Weiterhin gibt es noch eine Parodie auf die in Deutschland völlig unbekannte, religiöse TV-Show "Ces chansons qui ont changé ma vie" (27:46), zu Deutsch "Lieder, die mein Leben veränderten". Die Verbindung zu "Herzen" besteht darin, dass "Charlotte" im Film Aufzeichnungen dieser Sendung an Thierry verleiht. Es handelt sich hier um drei einzelne Folgen, die für sich gesehen überhaupt nicht komisch sind, und angesichts des fehlenden Bekanntheitsgrades des Formats auch als Parodie verpuffen.
Fazit:
"Herzen" ist handwerklich und von Resnais formalistischer Ausrichtung her zwar gelungen, dürfte aber durch oberflächliche Charaktere, eine höhepunktsarme, vorhersehbare Geschichte, sowie einige Ungereimtheiten viele Zuschauer abschrecken. Sehr überzeugend agieren hingegen die Darsteller, denen es gelingt, die durchaus sympathischen Figuren mit Leben zu erfüllen, ihren eindimensionalen Charakter jedoch nicht vergessen machen können. Technisch ist die DVD für einen so neuen Film eher durchschnittlich und die Extras sind mehr als bescheiden.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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120:23 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Französisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Parodie auf die religiöse TV-Show "Ces chansons qui ont changé ma vie"
- Fotogalerie
- Interview mit Alain Resnais
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Herzen
Coeurs
Melancholisches Drama mit starken Darstellern, aber sehr flachen Charakteren und einer dünnen Story
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich/Italien, 2006 Regie: Alain Resnais Drehbuch: Jean-Michel Ribes (basierend auf einem Theaterstück von Alan Ayckbourn) Darsteller: Sabine Azéma, Lambert Wilson, André Dussollier, Pierre Arditi, Laura Morante, Isabelle Carré
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 14.12.2007
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