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DVD-Besprechung - Underground Fighter

Story:
Kong (Jacky Wu) ist Mitglied des Kung-Fu-Nationalteams, muss sich jedoch in den Wettkampfpausen irgendwie über Wasser halten, z.B. mit Chinese -Opera-Auftritten. Dort fällt er einigen Scouts ins Auge, die auf der Suche nach Kontrahenten für illegale Wettkämpfe sind. Zunächst lehnt Kong ab, wird dann jedoch von Siu Tin (Miki Yeung), die sich plötzlich sehr für ihn interessiert, überredet, an den Kämpfen teilzunehmen und damit gutes Geld zu verdienen. Kong, der mittlerweile vom "Colonel" (Ronald Cheng) betreut und trainiert wird, erregt jedoch das Mißfallen von Gangsterboss Chan Sun (Ken Lo), der wegen ihm viel Geld verloren hat und ihn jetzt um jeden Preis aus dem Geschäft drängen will.

Meinung zum Film:
Jacky Wu, bürgerlicher Name Wu Jing, ist alles andere als ein Neuling im Martial-Arts-Genre. Bereits im Jahr 1996 gab er sein Debüt als Hauptdarsteller in "Tai-Chi 2" unter der Regie von Yuen Woo Ping ("Iron Monkey") und Xinyan Zhang ("Meister der Shaolin"). Danach war er jedoch vornehmlich in TV-Produktionen zu sehen, bevor er im Jahr 2003 in dem schwachen Shaw-Brothers-Revival "Drunken Monkey" erneut die Hauptrolle übernahm. Aufsehen erregte er dann aber 2005 in Wilson Yips "Kill Zone SPL", wo er in der Rolle des Killers Jack Hauptdarsteller Donnie Yen ("The New Big Boss") einen spektakulären, vorweggenommenen Finalkampf in einer engen Gasse lieferte. Für die Kampfchoreographie ist mit Chung Chi Li ("Rob-B-Hood") zwar ein alter Bekannter verantwortlich, Regisseur und Drehbuchautor Dennis Law ("The Unusual Youth") ist jedoch in westlichen Gefilden noch ein völlig unbeschriebenes Blatt und hat in dieser Funktion noch keinerlei Erfahrung mit Martial-Arts-Filmen.

Bei "Underground Fighter" fällt relativ schnell ins Auge, dass der Regisseur einem anderen Metier entstammt und hier keineswegs einen traditionellen Kampfsportfilm auf die Beine stellen wollte. Die Story über einen abgebrannten Kämpfer, der mehr oder weniger wider Willen in den Ring steigt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und dabei von allen Seiten manipuliert wird, bevor er am Ende blutige Rache nimmt, ist dabei jedoch vollkommen ausgelutscht und wahrlich nicht neu. Dennis Law wählt jedoch einen anderen Ansatz und versucht die Hauptakteure, also Kong, Siu Tin, den "Colonel", sowie eine Freundin von Siu Tin, alle als Verlierer darzustellen, die sich irgendwie durchs Leben schlagen und dabei noch ständig ausgebeutet werden. Die ganze Geschichte orientiert sich demnach stark in Richtung Drama. Das Problem ist nur, dass die Vermarktung des Films ("Jet Li war gestern...hier kommt Wu Jing!") in eine völlig andere Richtung verläuft und die dadurch angelockte Käuferschar höchstwahrscheinlich enttäuschen wird.

Der Film hat aber leider auch im Bereich Drama diverse Schwächen. Zunächst wäre da die uninspirierte Story zu nennen, die außer den eingestreuten Kämpfen in diversen Arenen keinerlei Höhepunkte zu bieten hat und äußerst zäh verläuft. Die Hauptcharaktere sind weiterhin für einen Film mit Drameneinschlag viel zu schablonenhaft geraten, während die eher ernsteren, sozialkritischen Untertöne von eingestreuten komödiantischen Einlagen, meist durch Ronald Cheng initiiert, neutralisiert werden. Die Kampfszenen sind aber auch keine echte Empfehlung für den Film. Zwar ist das Können von Jacky Wu unbestritten, es gibt durchaus einige Kämpfe, und deren Geschwindigkeit ist auch durchgehend ziemlich hoch, aber von der Inszenierung her sind diese Kämpfe kreuzbrav gehalten, und kommen wie die gesamte Optik des Films ohne größere technische Spielereien aus. Es entsteht daher eher das Gefühl, einem Film aus den 90er-Jahren beizuwohnen. Das größte Problem der Kämpfe ist aber ein ganz anderes, sie sind schlichtweg zu kurz geraten! Ein 2-Minuten-Kampf ist hier schon das höchste der Gefühle, einige Kämpfe dauern auch nur wenige Sekunden und das alles findet in spartanischen Arenen, meist Lagerhallen statt, in denen sich Kong mit Gegnern prügelt, denen im Normalfall keine ausgeprägte Vita oder ein dominanter Kampfstil spendiert werden, und dementsprechend völlig gesichtslos wirken. Die Kämpfe überzeugen vor allem mit hohem Tempo, der Härtegrad ist aber entgegen den Werbeslogans eher moderat ausgefallen. Lediglich im Finale wird es ein wenig blutrünstiger, aber selbst hier wäre eine FSK 16 eigentlich ausreichend gewesen. Zum Genießen der regelmässigen Kämpfe bleibt leider wenig Zeit, denn kaum beginnen sie, da sind sie auch schon wieder vorbei. Kampftechnisch lässt Jacky Wu hier trotzdem sein Können aufblitzen, schauspielerisch kann er aber nicht wirklich überzeugen. Hier fehlt es einfach an Ausdrucksstärke, weshalb er auch von vermeintlichen Nebendarstellern an den Rand der Story gedrängt wird.  

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild bietet eine gute Schärfe, kräftige Farben und einen ausgewogenen Kontrast. Das einzige Manko ist ein leichtes Rauschen im Hintergrund. Alle Tonspuren überzeugen mit guter Verständlichkeit, der Einsatz räumlicher Effekte hält sich aber in Grenzen und der Ton ist eher frontlastig.

Auf der DVD befindet sich lediglich ein mit Musik unterlegtes, unkommentiertes Making Of (7:33) mit wenig aussagekräftigen Bildern vom Dreh, einige wenige unterhaltsame Outtakes (15:23) im Originalton, sowie ein Trailer, wahlweise auf Deutsch oder Kantonesisch.

Fazit:
"Underground Fighter" besitzt trotz der ausgelutschten Story eines 08/15-Prüglers eine starke Affinität zum Drama. Dafür sind jedoch die Charaktere zu oberflächlich, die Dramaturgie, bzw. das Drehbuch, zu schwach und die komödiantischen Einlagen sorgen für zuviel Auflockerung der eher ernsten Hintergründe. Als Kampfsportfilm funktioniert "Underground Fighter" aber auch nicht, denn die lahme Story bremst die Action aus, die bodenständigen Kämpfe sind schlichtweg viel zu kurz ausgefallen, und außerdem hätte man den Kämpfern deutlich mehr Profil gewünscht, während Jacky Wu den Film schauspielerisch nicht tragen kann.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
2,35:1
2,35:1
102:06 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Kantonesisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Outtakes
  • Trailer
Underground Fighter - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Underground Fighter
Hak Kuen

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Weder Fisch noch Fleisch - Halbgarer Kompromiss aus Drama, Kampfsportfilm und Komödie mit viel zu kurzen Kämpfen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Hongkong, 2006
Regie:
Dennis Law Sau Yiu
Drehbuch:
Dennis Law Sau Yiu
Darsteller:
Jacky Wu, Ronald Cheng, Miki Yeung, Theresa Fu, Yu Gu, Lu Sze-Ming

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
07.12.2007