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DVD-Besprechung - Die Legende von Beowulf

Story:
Dänenfürst Hrothgar (Anthony Hopkins) hat alles: Ein gedeihendes Fürstentum, eine hübsche Frau und eine jubelnde Bevölkerung, die seine Kampf- und Führungskraft schätzt. Bei einem großen Gelage ereilt ihn jedoch das Unglück in Form des abscheulichen Monsters Grendel (Crispin Glover). Das Ungetüm ermordet brutal die Feiernden und zerstört die neu eingeweihte Festhalle. Da es keiner mit dem Scheusal aufzunehmen vermag, lässt Hrothgar nach Helden rufen. Erhört wird er vom hünenhaften Beowulf (Ray Winstone), der den Troll in einem wilden Kampf bezwingen kann. Doch da bleibt immer noch Grendels Mutter (Angelina Jolie), die sich anschickt, Beowulf ins Verderben zu stürzen.

Meinung zum Film:
Das erste, was an "Beowulf" auffällt, ist die Optik. Wie schon in seinem "Der Polarexpress" verlässt sich Regisseur Robert Zemeckis erneut auf das Verfahren des "Performance Captures". Hierbei werden Mimik und Gestik echter Schauspieler aufgezeichnet und später auf digitale Figuren unter beliebiger Nachbearbeitung in ein ebenso im Computer geschaffenes Setting übertragen. Dass dabei eindrucksvolle Leistungen erbracht werden können, bewies bereits Andy Serkis als Gollum im Fantasy-Epos "Herr der Ringe". Auch "Beowulf" weiß damit zu überzeugen, wenngleich der gekünstelte Touch, der die Figuren derweilen etwas hölzern agieren lässt, wohl nicht vollends wegzubekommen ist. So zeigt die Technik ihre größte Stärke eher in rasanten Action-Einlagen denn in ruhigen Charaktermomenten. Höhepunkte sind dabei zweifellos die Kämpfe des Helden gegen Grendel und anderes Ungetier - ohne zuviel verraten zu wollen: das Finale dürfte diesbezüglich die Kinnladen jedes Zuschauers heftig nach unten klappen lassen. Vor allem, wenn man die 3D-Fassung des Filmes im Kino bewundern konnte.

Macht bei soviel Bildgewalt auch die Geschichte selbst etwas her? Drehbuchautoren Roger Avary ("Pulp Fiction") und Neil Gaiman ("Der Sternwanderer") haben durchaus gute Arbeit bei der Adaption des alten, lückenhaften Stoffes geleistet und präsentieren eine trotz Trollen und Dämonen sehr menschliche Geschichte um den Archetypen eines jeden Superhelden, der nicht frei von Makeln wie Stolz und Gier ist. Gaiman, der mit seiner Comic-Serie "Sandman" Comic-Geschichte schrieb und mit Auszeichnungen überhäuft wurde, stopfte dabei die Lücken der 3000 Verse umfassenden Original-Dichtung und bringt damit eine Interpretation ein, die erzählerisch mehr aus dem klassischen "Gut gegen Böse"-Stoff herausholen kann. Natürlich bleibt dabei der "sagenhafte" Charakter trotzdem im Vordergrund, so dass das Werk streckenweise nicht minder vor Pathos trieft wie zuletzt Frank Millers "300". Obwohl es mitunter recht humorvoll unter den Kriegern Beowulfs zugeht, so ist der Film dennoch nichts für jüngere Zuschauer: Sind sexuelle Anspielungen und diverse körperliche Freizügigkeiten - allen voran eine quasi komplett "nackte" Angelina Jolie - noch Ansichtssache, so dürften recht blutige und brutale Kampfszenen jedes Kinderauge ordentlich verschrecken.

Der große Vorteil des Performance Captures besteht darin, dass Größe, Alter und sonstige körperliche Attribute eines echten Schauspielers für das Casting keinerlei Rolle spielen, so dass man sich komplett auf das Gesicht und die Stimme konzentrieren kann. Durch den Computer kann aus einem 1,77 Meter großen Schauspieler schon mal ein 2-Meter-Hüne werden. Obwohl ihre digitalen Varianten wie schon geschildert keinen 100%-igen Ersatz für die "echten" Schauspieler liefern können, überzeugen die Leistungen von sowohl Hauptrollen wie Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer"), Ray Winstone ("The Departed") und Robin Wright Penn ("Die Braut des Prinzen") als auch Nebenrollen wie John Malkovich ("In the Line of Fire"), Brendan Gleeson ("Harry Potter und der Feuerkelch") und Angelina Jolie ("Tomb Raider"), die erneut in die Rolle der Femme Fatale schlüpft. Besonders erwähnenswert ist auch die Darstellung des Grendel durch Crispin Glover ("Zurück in die Zukunft"): das Monster spricht eine nahezu unverständliche, dafür aber sehr atmosphärische alte Sprache und wirkt letztendlich durchaus menschlich.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD stammt komplett aus dem Computer und so ist es nicht überraschend, dass es mit perfekter Schärfe und erstklassigen Farben auftrumpft. Der Ton kommt kräftig und bombastisch aus allen Lautsprechern und sorgt für heldenhafte und auch gruselige Stimmung im Heimkino. Einzig die Dialoge gehen oft in den Soundeffekten unter und dies stört dann doch immer wieder ein wenig den Genuss des Films.

Wer Bonusmaterial sucht, der muss zur Special Edition greifen. Auf der Single DVD des Director’s Cut findet man nicht einmal die angekündigten USA-Trailer. Apropos Director’s Cut: Der wesentliche Unterschied ist nicht die Laufzeit des Films, sondern dessen Härte. Es wird eindeutig mehr fließendes und spritzendes Blut gezeigt und es gibt einige brutale Szenen mehr zu sehen. Erstaunlicherweise wurde an der Altersfreigabe nichts geändert, sie bleibt bei FSK 12. (ML)

Fazit:
"Beowulf" ist ein gewaltiges Bildspektakel aus dem Computer, dessen Geschichte zwar kein dramaturgisches Meisterwerk ist, aber auf Grund einer durchdachten Interpretation des alten Stoffes gut zu unterhalten weiß. Für Technik- und Effektbegeisterte natürlich sowieso Pflichtprogramm.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,40:1
2,40:1
110:04 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Bonusmaterial:
  • Director's Cut
  • USA-Kinotrailer
Die Legende von Beowulf - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Legende von Beowulf
Beowulf

Bild unseres Mitarbeiters Thomas Beckmann
Ein digitales Bildspektakel um den "ersten" Superhelden


Autor der Besprechung:
Thomas Beckmann

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
Robert Zemeckis
Drehbuch:
Neil Gaiman, Roger Avary
Darsteller:
Ray Winstone, Anthony Hopkins, Robin Wright Penn, Angelina Jolie, Alison Lohman, Brendan Gleeson, Charlotte Salt, Chris Coppola, Crispin Glover, Emily Johnson, Greg Ellis, John Malkovich, Rik Young, Sebastian Roché

Label Deutschland :
Warner Home Video Germany
Verkaufsstart Deutschland :
14.03.2008