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DVD-Besprechung - Das Schlitzohr und der Bulle

Story:
Das Innenministerium lässt den Sträfling Sergio „Maccharoni“ (Tomas Milian) aus dem Gefängnis befreien, damit dieser Undercover seine Kontakte nutzt, um ein entführtes kleines Mädchen zu finden. Dieses hat nur noch einige Tage zu leben, da es wegen einer Krankheit dringend medizinische Hilfe benötigt. Zusammen mit Commissario Antonio Sarti (Claudio Cassinelli) macht sich der geflohene Knacki auf, um auf die Fährte von Brescianelli (Henry Silva) zu kommen, welcher der Drahtzieher hinter der Entführung ist.

Meinung zum Film:
Das italienische Kino der 70er-Jahre hat einen hohen Stellenwert bei Fans. Neben dem noch immer in Fankreisen beliebten Giallo und dem nicht minder gefragten Italo-Western, war es auch die Actionkost, die Zuspruch in den Lichtspielhäusern, bzw. auf Video fand. Regisseur Umberto Lenzi, der unter anderem wegen seiner Filme „Lebendig Gefressen“ und „Großangriff der Zombies“ auch für die blutige Phase des italienischen Horrorkinos bekannt ist, hat dabei mit Beiträgen wie „Die Viper“ oder „Der Berserker“ für Kultfilme aus dem Polizieso-Bereich gesorgt. Zu den beliebtesten Darstellern der Zeit zählte unter anderem Tomas Milian, der vor allem durch sein loses Mundwerk und sein überdrehtes Spiel in Erscheinung trat und schnell zu den Lieblingen der Fans zählte. Mit Henry Silva spielt ein weiterer Held des italienischen Kinos im Film mit, der meist in der Rolle des einsamen Rächers Marke Charles „Death Wish – Ein Mann sieht rot“ Bronson zu sehen war.

Die Story in den italienischen Beiträgen des Genres sind sicherlich eher selten der Rede Wert. Meist waren diese zumindest leicht verwirrend und die Motivationen für einzelne Aktionen waren oftmals nicht immer ganz nachzuvollziehen. Worauf es bei diesen Filmen in erster Linie ankam, war die besondere Art Action und ein zügiges Tempo, welches dann dafür sorgte, dass über die erzählerischen Probleme hinweggesehen werden konnte. „Das Schlitzohr und der Bulle“ ist in dieser Hinsicht sicherlich nicht ganz so problembehaftet wie einige seiner Kollegen, weswegen er sich durchaus auch für Durchschnittszuschauer, die gerne mal in das Genre reinschnuppern möchten, eignet. Auch die Gewalt ist nicht sonderlich im Vordergrund oder zu ausufernd, die „FSK 16“-Freigabe ist lediglich auf Grund von ein paar Einschüssen gerechtfertigt.

Die Story ist an der einen oder anderen Stelle sicherlich ein bisschen naiv, aber größtenteils entwickelt sich das Geschehen recht akzeptabel. Nicht zuletzt dank der lockeren Sprüche und der überdrehten Spielweise von Tomas Milian ist dabei durchweg für reichlich lockere Unterhaltung gesorgt. Seine Synchronstimme verlieh ihm der im März 2007 verstorbene Randolf Kronberg, der unter anderem auch Eddie Murphy seine Stimme leihte, und dessen schnelle Sprechweise hervorragend zu Milian passt. Doch im Gegensatz zu Filmen wie „Die Kröte“ oder „Die Gewalt bin ich“, hält sich der oftmals recht ausufernde, alberne Humor in Grenzen und der Film behält seinen eher ernsten Unterton, der lediglich zwischenzeitlich ein wenig aufgelockert wird. Was aber sicherlich trotz allem von dem Film nicht erwartet werden kann, sind großartige Wendungen in einer ausgefeilten Story. Der Plot bleibt relativ leicht überschaubar und Überraschungen gibt es so gut wie keine. Am guten Unterhaltungswert des Filmes ändert dies aber nichts. Selbst wenn „Das Schlitzohr und der Bulle“ nicht an die großen Lenzi-Beiträge zum Genre anknüpfen kann, stellt er dennoch einen guten Beitrag zur Italo-Action bei, der nicht nur Genrefans unterhalten wird.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht weitestgehend einen guten Eindruck. Allerdings gibt es zwischendurch in einigen Szenen einen sehr unruhigen Bildstand und stellenweise ist der Kontrast ein wenig zu steil, die Farben wirken in verschiedenen Momenten in verschiedenen Tönen überbetont und der Schwarzwert ist meist eher als tiefes Grau zu umschreiben. Der deutsche Ton ist durchgehend klar zu verstehen und hat keine nennenswerten Probleme.

Als Extra gibt es auf der DVD lediglich den Trailer zum Film und eine Bildergalerie geboten. Wie bei Anolis-Produktionen gewohnt liegt auch diesmal wieder ein informatives Booklet mit Hintergrundinformationen bei.

Fazit:
„Das Schlitzohr und der Bulle“ ist ein guter Beitrag von Umberto Lenzi zum Genre des Poliziesco. Hauptdarsteller Tomas Milian legt eine gewohnt gute Leistung ab, ohne dabei zu sehr in den albernen Comedybereich abzugleiten. Auch Filmfreude, die nicht unbedingt Anhänger des italienischen Kinos sind, können dem Film eine Chance geben.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
90:39 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Booklet
Das Schlitzohr und der Bulle - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Schlitzohr und der Bulle
Il trucido e lo sbirro

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein gelungener Poliziesco von Genre-Meister Umberto Lenzi


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1976
Regie:
Umberto Lenzi
Drehbuch:
Umberto Lenzi, Dardano Sacchetti
Darsteller:
Tomas Milian, Claudio Cassinelli, Nicoletta Machiavelli, Claudio Undari, Henry Silva, Biagio Pelligra, Giuseppe Castellano, Mario Erpichini

Label Deutschland :
Anolis Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
22.11.2007