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DVD-Besprechung - Die Gangster-Akademie

Story:
Commissario Ghini (Luc Merenda) ist auf der Jagd nach dem frisch aus dem Gefängnis entlassenen Verbrecher Belli (Elio Zamuto), der für seine brutalen Überfälle bekannt ist. Und tatsächlich plant dieser schon einen neue Coup und versucht dafür Tresi (Tomas Milian) als Fahrer anheuern zu lassen. Dieser sagt jedoch ab, da er sich viel lieber um seine Trattoria und seine Gangster-Akademie kümmert, in der er Kleinganoven zu Taschendieben ausbildet. Er vermittelt allerdings einen anderen Fahrer, was für einige Beteiligte zu einem bösen Ende führt.

Meinung zum Film:
Nachdem „Das Schlitzohr und der Bulle“ recht erfolgreich an den Kassen lief, wollten die Produzenten möglichst schnell einen Nachfolger nachschieben, in dem Tomas Milian erneut den schnoddrigen Ganoven Sergio Marazzi, der im Original nur 'Monnezza' genannt wurde, spielen sollte. Es lag ein Drehbuch von Stelvio Massi vor, das allerdings in einem sehr ernsten Ton gehalten war und vom Autor auch verfilmt werden sollte. Massi war zu dieser Zeit bekannt für seine eher nüchtern und sehr ernst gehaltenen Poliziesco wie „In den Klauen der Mafia“ oder „Der Einzelkämpfer“ und hatte mit dem Humor Marke Milian nur wenig am Hut. Die Rolle des Monnezza wurde deswegen von Dardano Sacchetti ("Die neunschwänzige Katze"), der unter anderem bei fast jedem Lucio-Fulci-Film am Drehbuch beteiligt war, in das Skript eingefügt und Milian improvisierte am Set noch zusätzlich mit den Dialogen. In der deutschen Synchronisation spielt der Marazzi-Bezug aber keinerlei Rolle, denn im Schlitzohr hieß Monnezza „Maccheroni“, nun wird er von jedem mit Tresi angesprochen - und nicht wie auf dem Cover angegeben mit Trash.

Die Verbindung der zwei grundverschiedenen Erzählstränge um Ghini und Trasi wirkt schon konstruiert und kann keinesfalls die doch deutlichen Stimmungsunterschiede der beiden Teile harmonisch erscheinen lassen. Während Ghini in vom Poliziesco gewohnt harten Ton, mit gewohnt schlagfertigem Umgang in dem Fall ermittelt, gerät die Gangster-Akademie von Tresi zu einem reinen Blödelkurs. Vor allem die Schüler in diesem ohnehin schon fragwürdigen Kursus sind so selten dämlich und ungeschickt, dass diese viel besser in eine „Flotte Teens“-Klamotte passen würden als in einen von Grundtenor eher ernsten Poliziesco. Milian selbst versucht mit seiner gewohnt lockeren Schnauze für Stimmung zu sorgen, was aber nicht immer gelingen will. Zum einen sind die Sprüche diesmal einfach ohne Pointe, zum anderen ist das Fehlen von Randolf Kronberg, seiner Synchronstimme aus dem Schlitzohr, schmerzlich zu merken. So ist es am Ende auch ohne zu wissen, dass die Szenen rund um Monnezza in ein bestehendes Skript reingeprügelt wurden, leicht zu erkennen, dass hier etwas zusammen gekommen ist, was eigentlich nicht zusammen gehört.

Der harte Poliziesco-Teil kann allerdings richtig gut überzeugen. Luc Merenda („Torso“) liefert eine solide Leistung als überharter Gesetzeshüter ab, der mit wenig Geduld, direkten Worten und harter Hand die Ermittlungen vorantreibt. In diesen Momenten gehört „Die Gangster-Akademie“ sicherlich zu den richtig guten Werken Stelvio Massis, der ansonsten eher für durchschnittliche Italokost bei den Fans bekannt ist. Doch der zu Beginn gute Eindruck wird von zu Minute zu Minute immer weiter verwässert, bis am Ende die schlechten Eindrücke klar die Oberhand haben. Umso tragischer ist es von daher auch anzusehen, dass durch die zwanghafte Hereinnahme von Monnezza eines von Massis besseren Werke wieder in den unteren Durchschnitt gedrückt wurde. Was ein guter Beitrag zum Genre hätte werden können, ist so nicht mehr als ein Film für treue Anhänger des Polizieso, mit dem der Durchschnittszuschauer sicherlich nicht sonderlich viel anfangen kann.


Digitale Aufarbeitung:
Das Bild halt gelegentlich mal mit einem unruhigen Bildstand zu kämpfen, es gibt immer wieder Probleme mit der Schärfe und leichten Überblendungen an den Konturen. Generell macht es aber noch einen ordentlichen Eindruck. Beim Ton sind deutliche Zischlaute in den Höhen zu vernehmen, wie man sie bei älteren Filmen gewohnt ist.

Als Extra gibt es neben dem Trailer und der Bildergalerie erneut ein sehr informatives, kleines Booklet, das vor allem auf die unglücklichen Produktionsumstände des Films eingeht.

Fazit:
Stelvio Massi hat es nie geschafft, zu den großen Italo-Regisseuren zu zählen und auch „Die Gangster-Akademie“ ändert nichts an dieser Einordnung. Während der harte Teil des Films rund um Commissario Ghini überzeugend beginnt, schafft es der eher alberne Teil um Monnezza diesen Eindruck deutlich zu schmälern. Geeignet ist der Film nur für Italo-Fans, Gelegenheitszuschauer werden sicherlich schon recht bald kopfschüttelnd abschalten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
84:36 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Bildergalerie
  • Booklet
Die Gangster-Akademie - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Gangster-Akademie
La banda del trucido

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Nicht Fisch, nicht Fleisch. Ein bisschen Action und ein paar Milian-Sprüche auf Sparflamme


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1977
Regie:
Stelvio Massi
Drehbuch:
Stelvio Massi, Dardano Sacchetti
Darsteller:
Luc Merenda, Tomas Milian, Elio Zamuto, Franco Citti, Corrado Solari, Massimo Vanni, Katia Christine, Imma Piro

Label Deutschland :
Anolis Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
22.11.2007