 |
DVD-Besprechung - Homo Faber (Arthaus Premium)
Story:
Walter Faber (Sam Shepard) ist Maschinenbauingenieur und lebt in New York, kommt aber beruflich viel herum. Bei einer Notlandung in der Wüste lernt er zufällig den Bruder seines Jugendfreundes Joachim kennen und beschließt, diesem einen Besuch abzustatten. Als sie ihn nach einiger Zeit endlich ausfindig machen können, finden sie jedoch nur noch eine Leiche, Joachim hat sich aufgehängt. Kurze Zeit später, auf einer Schiffsreise nach Frankreich, gibt es die nächste zufällige, aber schicksalhafte Begegnung und er lernt dort die junge Elisabeth (Julie Delpy) kennen. Elisabeth übt eine sehr starke Anziehungskraft auf Faber aus und beide reisen als Paar weiter bis nach Griechenland zu ihrer Mutter.
Meinung zum Film:
"Homo Faber" beruht auf dem gleichnamigen Roman von Max Frisch aus dem Jahr 1957. Es handelt von einem Menschen, der sein Leben als planbar betrachtet, und dessen Weltsicht von Logik und Technik dominiert werden. Im Verlauf der Geschichte wird die Hauptfigur jedoch Opfer diverser schicksalhafter Zufälle, die schließlich sein Weltbild zusammenstürzen lassen und ihn sogar unwissend in einen Inzest mit seiner eigenen Tochter treiben. Regie führte Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel"), einer der renommiertesten deutschen Regisseure und außerdem ein Experte für anspruchsvolle Literaturverfilmungen, während Rudy Wurlitzer ("Little Buddha") das Drehbuch schrieb.
Der Film ist eine internationale Co-Produktion, die mit 13,5 Millionen Euro großzügig budgetiert war und aufgrund der internationalen Geldgeber zunächst in englischer Sprache vertont, und erst nachträglich deutsch synchronisiert wurde. "Homo Faber" war in den Kinos ein großer Kassenerfolg, wurde aber von der Kritik weniger wohlwollend betrachtet. Der Film wurde im Jahr 1991 beim 41. Deutschen Filmpreis mit dem Filmband in Silber ausgezeichnet. Bei der auf der DVD enthaltenen Fassung handelt es sich um einen etwa vier Minuten kürzeren Director`s Cut im Sinne von Schlöndorff selbst, die geschnittenen Szenen sind jedoch als Bonusmaterial auf der DVD enthalten.
Gegenüber der Romanvorlage von Max Frisch gab es bei der Verfilmung von "Homo Faber" erhebliche Veränderungen. Der Roman setzt sich aus zwei Stationen zusammen, im Film wird jedoch lediglich die erste Station umgesetzt, die mit dem Tod von Elisabeth abgeschlossen wird. Der Film hat somit auch ein offenes Ende, während Faber in dem Roman Magenkrebs hat und in Kürze sterben muss. Der Roman wird auch aus der Perspektive des sterbenskranken Faber rückblickend erzählt, während Faber im Film kerngesund ist und zwar ebenfalls rückblickend erzählt, aber sehr zeitnah zum tragischen Verscheiden von Elisabeth. Die Umstände von Elisabeths Unglück sind im Buch wesentlich dramatischer und auch der Brückenschlag zur griechischen Tragödie gelingt dem Film nicht sonderlich gut. Aber besonders die Figur des Walter Faber hat gegenüber der Vorlage erheblich gelitten und ist zudem mit Sam Shepard ("Paris, Texas") vollkommen fehlbesetzt.
Shepard wirkt viel zu jugendlich und man hat außerdem, nicht nur wegen seiner Herkunft und seines Hutes, eher den Eindruck, er wäre gerade aus einem Western entlaufen. Im Roman zeichnet sich Faber vor allem durch seinen unerschütterlichen Glauben an Technik und Logik aus. Im Verlauf der Geschichte kommt es dann durch die zufälligen Begebenheiten jedoch zu einer charakterlichen Entwicklung und dem Einsturz seines Weltbildes, aber auch dieser Aspekt wird im Film stark vernachlässigt. So konzentriert sich der Film in langatmigen Bilder auf die unglückliche, aber eher oberflächliche Liebesgeschichte zwischen Faber und Elisabeth. Leider stimmt hier auch einfach die Chemie zwischen beiden Darstellern nicht und der Quell der gegenseitigen Faszination kann nicht wirklich glaubwürdig vermittelt werden.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität des Films ist hervorragend und besticht mit einer sehr guten Schärfe, bis auf ein leichtes Hintergrundrauschen gibt es keinen echten Makel. Die Tonspuren bieten ebenfalls zu jeder Zeit gute Verständlichkeit und können qualitativ voll überzeugen.
Auf der eigentlichen Film-DVD befindet sich ein Trailer zum Film (Deutsch/Englisch), Fotogalerien, die Biographie von Volker Schlöndorff in Textform (13 Bildschirmseiten), sowie sechs alternative, bzw. geschnittene Szenen. Im DVD-ROM-Teil dieser DVD finden sich zudem Dokumente und Zeichnungen zum Film, diese sind jedoch vom Umfang her sehr spärlich und nicht sonderlich interessant ausgefallen. Auf der zweiten DVD befindet sich das sehr umfangreiche und interessante Feature "Erlebtes Leben - Volker Schlöndorff über Homo Faber" (55:30), in dem er u.a. Informationen über seine Beziehung zu Max Frisch, Unterschiede zur Buchvorlage oder auch die Besetzung der Hauptrollen preisgibt. "Eberhard Junkersdorf über Homo Faber" (20:56) gibt dem Produzenten die Gelegenheit, einige Details zur Produktion, wie z.B. die Suche nach dem Filmflugzeug, einer "Super Constellation", sowie einem passenden Absturzdrehort, anzubringen. Was dort bereits begann, setzt sich im Feature "Notlandung in der Wüste - Erinnerungen von Produktionsdesigner Nicos Perakis" (14:56) fort, es geht quasi ausschließlich um die Vorbereitungen und die Planung zur Durchführung der Absturzszene. Völlig misslungen ist das letzte Feature, "Barbara Sukowa über Homo Faber" (7:34), die hier scheinbar direkt im Anschluss an einen anstrengenden Drehtag interviewt wurde und dementsprechend weder besonders konzentriert, noch sonderlich gut vorbereitet, wirkt. Die Extras werden durch ein 11-seitiges Booklet abgerundet, das ein paar interessante Details zum Film beinhaltet, aber nicht wirklich erschöpfend ausgefallen ist.
Fazit:
"Homo Faber" kann als Literaturverfilmung nicht überzeugen, denn ein großer Teil des Buches wurde inhaltlich schlichtweg weggelassen, die Hauptfigur scheint mit der Romanfigur nicht mehr allzuviel gemein zu haben und die Geschehnisse werden zudem von ihr aus einer völlig anderen Perspektive erzählt. Der Film, der auch deutlich weniger subtil als der Roman ist und so manche Nuance vermissen lässt, präsentiert sich eher als tragische Liebesgeschichte, die jedoch weder wirklich emotional, noch gut nachvollziehbar erscheint. Technisch ist die DVD sehr gut gelungen, bei den Extras herrscht jedoch, abgesehen von dem Schlöndorff-Feature, eher Masse statt Klasse vor.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,78:1
|
108:44 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch |
|
Bonusmaterial:
|
- 11-seitiges Booklet
- Dokumente und Zeichnungen zum Film (DVD-ROM)
- Trailer (Deutsch/Englisch)
- Fotogalerien
- Biographie von Volker Schlöndorff
- Alternative und geschnittene Szenen
- "Erlebtes Leben - Volker Schlöndorff über Homo Faber"
- "Eberhard Junkersdorf über Homo Faber"
- "Notlandung in der Wüste - Erinnerungen von Produktionsdesigner Nicos Perakis"
- "Barbara Sukowa über Homo Faber"
|
|  |
Homo Faber
Homo Faber
Eine weit von den Qualitäten ihrer Vorlage entfernte Literaturverfilmung, technisch ansprechend präsentiert
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Frankreich / Griechenland / Großbritannien, 1991 Regie: Volker Schlöndorff Drehbuch: Rudy Wurlitzer (basierend auf einem Roman von Max Frisch) Darsteller: Sam Shepard, Julie Delpy, Barbara Sukowa, August Zirner, Thomas Heinze, Dieter Kirchlechner
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 14.12.2007
|