Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Odna

Story:
Jelena Kusmina (Yelena Kuzmina) lebt in der russischen Metropole Leningrad und hat gerade ihr Lehramtsstudium abgeschlossen. Als sie jedoch zur Lehrtätigkeit ins abgelegene Altai-Gebirge in die Mongolei versetzt werden soll, fällt sie aus allen Wolken, zumal sie auch ihren Geliebten, Petr (Pyotr Sobolevsky), zurücklassen muss. Schließlich willigt sie aber doch ein, um ihren Beitrag zum Aufbau des Sozialismus abzuleisten, fühlt sich vor Ort aber relativ isoliert und hat es zudem noch mit einem korrupten Dorfsowjet zu tun.

Meinung zum Film:
"Odna" entstand, wie schon "Das Neue Babylon", unter der Regie von Grigorij Kosinzew und Leonid Trauberg, während Dmitri Schostakowitsch erneut die Filmmusik einspielte. Der Film entstand 1931, also in der Zeit des ersten sowjetischen Fünfjahresplanes (1928-1932) von Josef Stalin, und ist davon deutlich geprägt, trägt also auch propagandistische Züge. "Odna" entstand außerdem in der Übergangsphase vom Stumm- zum Tonfilm. Zunächst war der Film als Stummfilm mit Zwischentiteln konzipiert, wurde aber schließlich zum Tonfilm umgearbeitet. Das bedeutete einerseits die Einarbeitung von Geräuschen, z.B. Lautsprecherdurchsagen, andererseits die direkte Hereinnahme der Musikaufnahmen zum Film, weshalb Schostakowitsch auch nahezu alle Stücke verändern mußte. Angesichts seiner Erfahrungen mit der Filmmusik zu "Das Neue Babylon", mit deren Wiedergabe viele Orchester überfordert waren, war dies allerdings wohl zu verschmerzen. Aufgrund der Tatsache, dass etwa ein Drittel des Notenmaterials verloren ging, gestaltete sich die Rekonstruktion der Originalmusik, einer Koproduktion von "basel sinfonietta", dem Schweizer Fernsehen/Rundfunk DRS, sowie des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE und Foundation "Film in Concert", äußerst aufwendig.

Vordergründig wirkt "Odna" zunächst wie ein naiver Propagandafilm. Der Film ist jedoch deutlich vielschichtiger, denn es handelt sich hier eigentlich keineswegs um eine Idealisierung des sozialistischen Systems, sondern vielmehr um ein sehr persönliches Drama, das zudem auch einen Seitenhieb auf die negativen, systemischen Auswüchse, hier in der Figur des faulen und korrupten Dorfsowjets, austeilt. Die Mischung aus Stumm- und Tonfilm wirkt zwar ein wenig ungewöhnlich, immerhin liegen hier Zwischentitel und Tonspuren vor, besitzt aber ihren eigenen Reiz. Offenkundig ist der sozialistische Aufbruchsgedanke des Films, denn das System bringt nicht nur technischen Fortschritt, sondern auch Bildung, und das selbst in die entlegensten Gebiete.

Zwar kämpft Jelena lange Zeit auf sich allein gestellt gegen alle Widerstände, die teils auch noch durch das System genährt werden, am Ende wird sie jedoch durch die technischen Errungenschaften, die erst dieses neue System greifbar gemacht hat, gerettet und hat erst durch ihren Einsatz ihre Systemtreue bewiesen. Die Faszination für die Technik, wie Flugzeuge, Straßenbahnen und Straßenlautsprecher ist eindeutig. So werden im Film die industrialisierte, pulsierende Metropole Leningrad, sowie die vereisten, vereinsamten Ausläufer der Mongolei mit ihren eher primitiv anmutenden Lebensumständen hart kontrastiert und tragen eindeutig die Züge des zentralistischen Führungsanspruchs, beinhalten aber auch neokolonialistische Untertöne. Die Musik von Schostakowitsch versteht es sehr geschickt, Stimmungen zu vermitteln. Zunächst entfaltet sich ein fröhliches, träumerisches Thema, das jedoch später in triste Einsamkeit umschlägt, die einerseits von traditionellen, mongolischen Klängen untermalt, andererseits aber in Jelenas Tagträumen vom fröhlichen Anfangsmotiv durchbrochen wird.

Digitale Aufarbeitung:
Der Film wurde bereits 1966 vom staatlichen, russischen Filmarchiv Gosfilmofond restauriert, wurde aber offensichtlich zuvor nicht optimal gelagert. Außerdem ging der sechste Akt bereits im 2. Weltkrieg verloren. Dieser Akt dauert von der 69. bis zur 76. Minute und wird komplett in Textform, inklusive rekonstruierter Musik für diesen Teil, nacherzählt. Für einen so alten Film ist die Bildqualität wirklich sehr gelungen, besonders die Schärfe, der Kontrast, sowie der relativ ruhige Bildstand wissen zu überzeugen. An Referenzrestaurationen kommt der Film aber optisch nicht immer ganz heran, denn es existieren neben den üblichen Alterungserscheinungen teilweise schon recht arge Beschädigungen. Aufgrund der Tatsache, dass die Filmmusik neu eingespielt wurde, kann sich die Musikqualität absolut hören lassen und bietet ein sehr überzeugendes Klangbild. Die originalen, eingespielten Geräusche und Stimmen wirken hingegen schon ziemlich verrauscht und dumpf.

Auf der DVD befindet sich auch eine historische Aufnahme der originalen Filmmusik von 1931. Diese ist alternativ zur rekonstruierten Musikfassung zuschaltbar. Da hier jedoch der 6. Akt komplett verschollen ist, läuft der ansonsten identische Film lediglich noch 79:14 Minuten. Auf der DVD befindet sich auch die Dokumentation "Revolutionär der Filmmusik - Schostakowitsch und das sowjetische Kino" (21:31) von Brian Burmann aus dem Jahr 2006. Inhaltlich geht es in diesem ansprechenden Beitrag um die komplizierte Rekonstruktion der Filmmusik, den Film selbst, Schostakowitschs Werdegang, sowie um das frühe sowjetische Kino mit einigen Filmbeispielen. Als Bonus befindet sich auf der DVD außerdem noch der farbige Zeichentrickfilm "Das dumme Mäuschen" (14:15) aus den Jahren 1939/1940 von Mikhail Tsekhanovsky, nach einem Märchen von Samuil Marschak und mit der Filmmusik von Dmitri Schostakowitsch. Der DVD liegt außerdem ein interessantes, 20-seitiges Booklet bei, das diverse Hintergrundinformationen zum Film beinhaltet.

Fazit:
"Odna" ist handwerklich äußerst gelungen, das liegt zum einen an Schostakowitschs herausragender Arbeit, aber beispielsweise auch an der sehr professionellen Schnittechnik, so wird man hier z.B. Zeuge einer Straßenbahnfahrt im zweigeteilten Bildschirm aus verschiedenen Perspektiven. Inhaltlich ist der Film weit mehr als nur ein einseitiger Propagandafilm, sondern eher ein persönliches Drama mit einer starken Heldin, dem es sogar gelang, Systemkritik an der Zensur vorbei im Film anzubringen. Bei der Restaurierung und Rekonstruktion des Films wurde offensichtlich großer Aufwand, gepaart mit viel Sorgfalt, betrieben, somit ist die DVD technisch sehr empfehlenswert und bietet zudem einige interessante Extras.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,33:1
1,33:1
90:01 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Russisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Niederländisch
Bonusmaterial:
  • Historische Musikaufnahme von 1931 (79:14)
  • Dokumentation "Revolutionär der Filmmusik - Schostakowitsch und das sowjetische Kino" aus dem Jahr 2006
  • "Das dumme Mäuschen" (Zeichentrickfilm von 1939/40 mit Musik von Dmitri Schostakowitsch)
  • 20-seitiges Booklet
Odna - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Odna - Allein
Odna

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die Sowjetunion zur Zeit des ersten 5-Jahres-Plans - Ein Drama zwischen Selbstverwirklichung und Propaganda


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Sowjetunion, 1931
Regie:
Grigori Kosinzew, Leonid Trauberg
Drehbuch:
Grigori Kosinzew, Leonid Trauberg
Darsteller:
Yelena Kuzmina, Pyotr Sobolevsky, Sergei Gerasimov, Mariya Babanova, Liu-Sian Van, Yanina Zhejmo

Label Deutschland :
absolut MEDIEN
Verkaufsstart Deutschland :
15.11.2007