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DVD-Besprechung - Die Schatzinsel

Story:
1783 an der Küste von Südengland. Der 17-jährige Halbwaise Jim Hawkins (Francois Goeske) gerät in den Besitz der umkämpften Schatzkarte des Kapitän Flint. Gefährliche Piraten wie Black Dog (Richy Müller) und der blinde Pew (Michael Gwisdek) kennen keine Gnade, um an die begehrte Karte zu kommen. Zusammen mit einem verbündeten Dorfarzt (Aleksandar Jovanovic) und seinem adeligen Bekannten (Christian Tramitz) geht Jim an Bord der Hispaniola, um zu der geheimnisvollen Insel zu gelangen. Doch das wertvolle Gut wird ihm von Sheila (Diane Willems), der Tochter von Kapitän Flint, die sich als verkleideter Schiffsjunge ausgibt, gestohlen. Damit nicht genug: Unterwegs zur geheimnisvollen Insel entpuppen sich der Schiffkoch Long John Silver (Tobias Moretti), Israel Hands (Jürgen Vogel) und andere Matrosen als Piraten, die das Kommando übernehmen ...

Meinung zum Film:
Schon oft wurde Robert Louis Stevensons klassische Piratengeschichte verfilmt. Sei es als Disney-Produktion, TV-Serie oder Muppet-Abenteuer. Hierzulande ist besonders der ZDF-Vierteiler aus dem Jahr 1966 beliebt, in dem Michael Ande (heute besser bekannt als Kollege des "Alten") die Hauptrolle übernahm. Im Rahmen der "Pirates of the Caribbean"-Welle und dem damit neu erweckten Interesse am Piraten-Genre, war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis sich erneut ein Sender an der "Schatzinsel" versuchen würde. Und in der Tat: Nachdem man bei ProSieben 2006 bereits "Fluch der Karibik" und "Blackbeard" zeigte, folgte nun in diesem Jahr die selbst produzierte Version des Inselabenteuers.

Trotz beachtlicher Quoten waren die Kritiken allerdings eher vernichtend. Immer wieder berief man sich auf die fehlende Treue zur Romanvorlage und warf dem Zweiteiler vor, nur ein billiger Abklatsch der grandiosen ZDF-Produktion zu sein. Objektiv betrachtet, lassen sich beide Verfilmungen jedoch kaum vergleichen. Der 60er-Version merkt man ihr Alter schon recht stark an und wenngleich sie deutlich näher am Roman ist, sollte man sich vor Augen halten, dass man einen Film heutzutage einfach nicht mehr in dieser Form drehen kann, wenn man genug Menschen vor die Bildschirme locken will. Ja, die neue "Schatzinsel" erlaubt sich eine Reihe künstlerischer Freiheiten. Beispielsweise ist Käpt'n Flints im Buch nicht vorhandene Tochter als zusätzliche Hauptfigur sowie Love Interest für Jim Hawkins hinzugekommen. Vielleicht überflüssig, vielleicht aber auch gerade nötig, um die "Fluch der Karibik" gewöhnten Zuschauer bei der Stange zu halten. Es hat schon einen Grund gehabt, dass das Piratengenre jahrelang tot war. Die neuen Handlungselemente tragen jedenfalls positiv zur Spannung des Films bei und wenn man an die Sache nicht mit der Prämisse "Literaturverfilmung" herangeht, kann man insgesamt von einem wirklich gelungenen Abenteuerspaß sprechen.

Filmisch ist "Die Schatzinsel" für eine deutsche Produktion ebenfalls überraschend gut ausgefallen und muss sich vor der amerikanischen Konkurrenz nicht verstecken. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, unter anderem in Thailand. Sets und Kostüme wissen zu gefallen. Die Dialoge wirken gelegentlich etwas zu gestelzt, sind größtenteils jedoch annehmbar. Die Schauspieler liefern fast durchwegs gute Leistungen ab, allen voran Tobias Moretti ("Kommissar Rex", "Speer und Er"), der einen absolut überzeugenden Long John Silver abgibt. Toll auch die Jungdarsteller Francois Goeske und Diane Willems, die zwar ab und zu noch etwas unsicher wirken, von denen man aber sicherlich noch hören wird. Ein Kritikpunkt sind allerdings einige der deutschen Standard-TV-Darsteller. Jürgen Vogels ("Keinohrhasen") Isreal Hands ist leider Overacting pur und bei wenig überzeugenden Christian Tramitz ("Der Schuh des Manitu"), dessen Vertrag wohl eine Klausel zur Mitwirkung in jeder ProSieben-Produktion enthält, meint man ständig, Bully müsse jede Sekunde um die Ecke kommen. Zu bemängeln ist auch die Leistung von Aleksandar Jovanovic, der als Arzt zwar einen netten Bösewicht abgibt, jedoch leider eine Mimik wie eine Schaufensterpuppe zur Schau stellt und seine Dialogzeilen so präsentiert, als wären sie direkt aus dem Drehbuch abgelesen. Erfreulich positiv zeigt sich allerdings Richy Müller ("xXx"), der einen durchwegs glaubhaften und unberechenbaren Black Dog darstellt. 

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD ist überaus gelungen. Der Transfer zeigt sich - mit Ausnahme von ein paar Szenen unter Deck - sehr rauscharm und kann vor allem durch eine gute Schärfe überzeugen. Die Farben wirken natürlich, der Kontrast ist angemessen. Dadurch bedingt, dass jeder Teil auf einer eigenen DVD vorliegt, arbeitet auch die Kompression erfreulich unauffällig. Der Ton liegt, entgegen der Angabe auf dem Cover, nicht in Stereo, sondern als 5.1-Track vor. Sowohl Musik als auch Umgebungsgeräusche verteilen sich im Raum, die hinteren Lautsprecher hätten allerdings noch ein bisschen stärker mit einbezogen werden können. Ansonsten macht die Abmischung jedoch einen positiven Eindruck. Die Dialoge sind klar, deutlich - und vor allem nicht zu leise.

Das einzige Manko der DVD ist das Fehlen jeglichen Bonusmaterials. Im Rahmen der TV-Ausstrahlung des Zweiteilers lief eine Schatzinsel-Doku, die man ruhig für die DVD hätte lizenzieren können. Und Bloopers sind bei den Dreharbeiten bestimmt auch einige angefallen.

Fazit:
Wer nicht auf der Suche nach einer anspruchsvollen Literaturverfilmung ist, sondern einfach ein toll gefilmtes Piratenabenteuer mit größtenteils überzeugenden Darstellern sehen möchte, wird mit der modernen Version der "Schatzinsel" bestens bedient. Mit dem Roman hat der Film zwar nur die Grundzüge gemein, Spaß macht er aber trotzdem. Die DVD bietet technisch eine hervorragende Qualität, schwächelt jedoch durch das nicht vorhandene Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
2 Teile à ca. 93 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
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Die Schatzinsel
Die Schatzinsel

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Unterhaltsames Piraten-Abenteuer in toller Kulisse


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007
Regie:
Hansjörg Thurn
Drehbuch:
Hansjörg Thurn
Darsteller:
François Göske, Diane Siemons-Willems, Tobias Moretti, Jürgen Vogel, Richy Müller, Christian Tramitz, Aleksandar Jovanovic

Label Deutschland :
Warner Home Video Germany
Verkaufsstart Deutschland :
06.12.2007