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DVD-Besprechung - Inland Empire
Story:
Die Schauspielerin Nikki Grace (Laura Dern) erhält die Möglichkeit, zusammen mit Star-Darsteller Devon Berk (Justin Theroux) ein Drama unter der Regie von Kingsley Stewart (Jeremy Irons) zu drehen. Während der Dreharbeiten erfahren die beiden Darsteller, dass der Film ein Remake eines unbeendeten anderen Films ist, im Rahmen dessen die beiden damaligen Hauptdarsteller verstorben sind. Kurz darauf findet sich Nikki in einem Albtraum wieder und sie weiß immer weniger, ob sie noch sie selbst ist oder ihre Rolle spielt.
Meinung zum Film:
Es hat nach der Uraufführung von "Inland Empire" viele Diskussionen um diesen langerwarteten Film von Regisseur David Lynch gegeben: die einen sahen ihn als Meisterwerk, die anderen hielten ihn für totalen Schrott und fragten sich, ob Lynch nun endgültig den Verstand verloren hätte. Im Gegensatz zu den meisten vorherigen Filmen des Regisseurs kamen diese Stimmen jedoch auch gehäuft aus seinem Fanlager. Fakt ist, dass „Inland Empire“ vermutlich der schwierigste Film in dem Schaffen des Künstlers ist, aber mit Sicherheit nicht sein schlechtester. Beim Filmfestival in Venedig 2006 sah man dies ähnlich und verlieh ihm den „Future Film Festival Digital Award“. Bei den „National Society of Film Critics Awards” konnte “Inland Empire” darüber hinaus den Preis für den besten Experimentalfilm einheimsen.
Das sehr schwer zu verdauende 3-Stunden-Werk ist in vielerlei Hinsicht anders als Lynchs andere abendfüllenden Werke, denn er drehte den Film auf einer Digicam. Das Ergebnis ist, dass der Film zwar zuweilen einen billigen Eindruck macht, dafür aber viel einfacher Experimente mit Fokus und Kamerabewegungen möglich waren, deren Ergebnis Lynch beim Dreh sofort sehen konnte. Aber auch im Aufbau gibt es deutliche Unterschiede zu den beiden Spielfilmen „Lost Highway“ und „Mulholland Drive“, die sich zwar nicht vergleichen lassen, die dennoch eines gemeinsam hatten: Man verfolgte zunächst eine lineare Handlung, die mehr oder weniger Sinn ergab und mit einem harten Schnitt änderten sich dann vorgeblich die Identitäten und nichts war mehr so, wie es im ersten Teil des Films gezeigt wurde. Bei „Inland Empire“ geht es von Anfang an mit dem Rätselraten los: Im gefühlten 5-Minuten-Takt wechselt der Film die Zeit, die Locations und die gezeigten Personen. Erst beobachten wir Nikki Grace, wie sie ihre Rolle erhält, zuvor aber noch von einer rätselhaften Person (Grace Zabriski / „Twin Peaks“, „King of Queens“) gewarnt wird. Dann sehen wir Menschen im Hasenkostüm beim Wohnen zu und anschließend unterhalten sich 2 ältere Herren über ein Thema, mit dem der Zuschauer anfänglich nichts anfangen kann. Unmittelbar nach dem Beginn eines Gesprächs zwischen Regisseur und Darstellern des zu drehenden Films, zu dem Lynch später noch einmal zurückkehrt und in dem es eine markante und vermeintlich absurde Szene gibt, deren Grundidee auch schon „Lost Highway“ umrahmt hat, wird es dann recht anstrengend für den nicht Lynch-erprobten Zuschauer. Zeiten, Identitäten und Sets werden auf den ersten Blick sinnlos aneinandergereiht und ergeben beim ersten Sichten kaum einen Sinn. Dennoch ertappt man sich dabei, wiederkehrende Textpassagen zu erkennen und sich selbst eine eigene Deutung des Gezeigten zurechtzulegen – was nach Lynchs Aussage genau in seinem Interesse liegt, denn er betont stets, dass er bei den meisten seiner Filme selbst nicht weiß, wovon sie handeln, was aber sicherlich gelogen ist.
Auffällig ist, dass es in „Inland Empire“ ein gehäuftes Wiedersehen mit Darstellern aus seinen vorherigen Filmen gibt. In der Hauptrolle sehen wir Laura Dern („Wild at heart“), ihr Co-Star ist Justin Theroux („Mulholland Drive“). In klein(er)en Rollen sehen wir Diane Ladd („Wild at heart“), Harry Dean Stanton („Twin Peaks – Der Film“, „Straight Story“) als etwas durchgeknallten Produzenten und Grace Zabriski („Twin Peaks“) als rätselhafte Oma. Selbst auf einen Mini-Auftritt der bezaubernden Laura Harring („Mulholland Drive“) müssen wir nicht verzichten, allerdings bis zum Abspann warten. Nicht nur durch die Schar an bekannten Darstellern hat man manchmal das Gefühl, „Inland Empire“ wäre eine Art „Best of“ von David Lynch. Motive aus anderen Werken von ihm tauchen auf, wie z.B. die berühmten roten Vorhänge oder Isabella Rosselinis blaues Kleid aus „Blue Velvet“. Insgesamt hat Lynch mit diesem Werk einen Film geschaffen, mit dem die meisten „normalen“ Zuschauer noch weit mehr Probleme haben werden als mit seinen anderen surrealen Filmen. Wer allerdings schon Lynch-erprobt ist, wird mit Sicherheit zumindest seinen Spaß an dem Film haben und hinterher sicher Lust verspüren, „Inland Empire“ noch ein weiteres mal in den Player zu legen, um sich langsam eine Theorie zurechtzulegen. Nur für Lynch-Einsteiger kann dieser Film nicht empfohlen werden – da gibt es bessere Einstiegsfilme wie z.B. „Lost Highway“ oder „Mulholland Drive“.
Digitale Aufarbeitung:
Der Film wurde mit einer Digicam gedreht, daher ist es schwierig, die DVD-Bildqualität zu bewerten. Es gibt Unschärfen und Bildgrieseln zu sehen, des Weiteren zeichnet sich das Bild durch Überbelichtung in hellen Szenen aus. Diese „Mängel“ sind jedoch vom Regisseur so gewollt und können daher nicht der DVD-Aufarbeitung angelastet werden. Der Ton liegt auf deutsch und auf englisch in Dolby Digital 5.1 vor, zusätzlich wurde noch eine deutsche Tonspur in dts spendiert. Leider passiert bei allen Spuren sehr wenig auf den hinteren Lautsprechern. Des Weiteren muss, eine entsprechende Anlage vorausgesetzt, gelegentlich der Center mit der Sprachausgabe nachjustiert werden, vor allem, wenn leise gesprochen wird. Aber auch dies ist vermutlich vom Regisseur so gewollt.
An Extras gibt es den deutschen und den englischen Trailer, sowie einen englischen Teaser zum Film. Bei den „Cast und Crew“-Infos gibt es Texttafeln zu den Hauptdarstellern und zu Regisseur Lynch. „Produktionsnotizen“ ist eine 7-seitige Texttafel und zum Abschluss gibt es noch eine Fotogalerie. Der DVD ist noch ein 4-seitiges Booklet beigelegt, dessen Infos lassen sich aber auch in den Produktionsnotizen nachlesen.
Fazit:
„Inland Empire“ ist vermutlich das schwierigste und vielleicht bei den Fans umstrittenste Werk des Kunstregisseurs David Lynch. Festhalten kann man, dass dieser Film für Lynch-Einsteiger keine Empfehlung ist, Interessierte sollten lieber mit den weiter oben genannten Filmen beginnen. Für Fans des schrulligen Regisseurs ist der Film jedoch ein klarer Kauftipp, nicht zuletzt, weil es hier sehr viel aus Lynchs Universum zu entdecken gibt. Die DVD ist technisch gut, die Extras machen jedoch einen etwas mageren Eindruck.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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172:21 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Trailer/Teaser
- Produktionsnotizen
- Darstellerinfos
- Booklet
- Fotogalerie
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Inland Empire
Inland Empire
Vermutlich Lynchs unzugänglichstes Werk
Autor der Besprechung:
Andreas Schultz
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006 Regie: David Lynch Drehbuch: David Lynch Darsteller: Laura Dern, Justin Theroux, Jeremy Irons, Harry Dean Stanton, Grace Zabriskie
Label :
Concorde Home Entertainment
Verkaufsstart : 07.11.2007
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