 |
DVD-Besprechung - Der letzte Mohikaner
Story:
Unkas (Daniel Martín) ist der letzte der Mohikaner. Der Rest von seinem Stamm wurde von den Irokesen unter der Hilfe von weißen Banditen ausgelöscht. Als Gegenleistung sollen die Schurken von den Irokesen dabei unterstützt werden, einen Goldtransport der Armee zu überfallen. Der Armeetrupp kann den Angriff aber zunächst abwehren und flüchtet auf die Ranch von Oberst Munroe (Carl Lange), wo die Soldaten fortan von den Gangstern belagert werden. Doch Unkas hat zusammen mit seinem Blutsbruder Falkenauge (Anthony Steffen) ohnehin Rache an den Irokesen geschworen und kommt Munroe zu Hilfe.
Meinung zum Film:
Anfang-Mitte der sechziger Jahre gab es einen wahren Deutsch-Western-Boom in Deutschland, hervorgerufen durch die Erfolge der Karl-May-Adaptionen vom „Schatz im Silbersee“ (1962) und „Winnetou I-III“(1963-1965). Bei allen diesen Filmen führte Harald Reinl Regie, und so übertrug man ihm auch die Drehleitung für diesen Film, dem zwar eine Romanvorlage von James Fenimore Cooper zugrundeliegt, die aber nicht nur in Details sehr stark an die Winnetou-Filme erinnert. Mit Joachim Fuchsberger („Neues vom Wixxer“), Karin Dor („Ich bin die andere“) und dem späteren Italowestern-Star Anthony Steffen („Django und die Bande der Bluthunde“, „Der Tod sagt Amen“) konnte darüber hinaus ein interessanter Cast vor der Kamera zusammengestellt werden.
Wahrscheinlich liegt es in den Kino-Erfolgen des Duos Winnetou und Old Shatterhand begründet, dass der „letzte Mohikaner“ sehr stark an die beiden Prärie-Helden der sechziger Jahre erinnert. Unkas, der letzte seines Stammes, erinnert stark an seinen Apachenkollegen und Falkenauge (eigentlich „Lederstrumpf“) ist ein deutlicher Old Shatterhand. Aber das stellt keinen Qualitäts- oder Originalitätsmangel dar, sondern zeigt auf interessante Weise, wie vor 40 Jahren auf damals aktuell bewährte Kinorezepte zurückgegriffen wurde. Interessanter ist die Tatsache, dass Falkenauge und vor allem der titelgebende Unkas im Film höchstens eine große Nebenrolle haben, mehr nicht. Hauptaugenmerk liegt klar bei Blacky Fuchsberger und Karin Dor. Diese spielt Cora Munroe, Tochter des belagerten Colonel, die sich momentan in der Obhut von Nordstaaten-Captain Bill Hayward (Joachim Fuchsberger) befindet und die von den Irokesen entführt werden soll, um ihren Vater zu überreden, die Belagerung aufzugeben und das begehrte Gold herauszurücken. Doch Hayward weiß das mit der Hilfe von Unkas und Falkenauge actionreich zu verhindern. Insgesamt ist Reinl mit dem Mohikaner ein recht spannender und actionreicher Western gelungen, der sich qualitativ vor den May-Western nicht so sehr zu verstecken braucht.
Sehr gut aufspielen können die heimlichen Hauptdarsteller Joachim Fuchsberger und die junge Karin Dor. Was viele Italowestern-Fans nicht wussten, ist dass Anthony Steffen, der sich durch so manchen harten Western geschossen hat, sogar mehr als nur einen einzigen Gesichtsausdruck im Repertoire hat, wie er in diesem Film in einigen Szenen durch einen leichten Anflug eines Lächelns eindrucksvoll unter Beweis stellt. Der wenig bekannte Daniel Martín kann die Titelrolle hingegen nicht recht ausfüllen und bleibt überwiegend blass. Ablenkung schaffen da die Filmlocations, denn der „letzte Mohikaner“ wurde im schönen Almeria gedreht und der Kameramann hat diese Gegend in einigen schönen Szenen einfangen können. Das I-Tüpfelchen ist dann der sehr schöne Score, geschaffen von Peter Thomas („Raumschiff Orion“, „Der Hexer“). Obwohl es keine Karl-May-Verfilmung ist, ist „Der letzte Mohikaner“ doch unbedingt ein Hingucker für die Fans dieses Sub-Genres des Westerns.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wurde sehr gut restauriert und verwöhnt den Zuschauer mit satten Farben und einem schönen Kontrast. Bildfehler und –verschmutzungen sind keine zu sehen. Der Ton kommt auf deutsch in Dolby Digital 2.0 daher und verfügt über eine gute Verständlichkeit.
Die Extras werden gleich beim Öffnen der DVD-Hülle eingeleitet, nämlich mit einem sehr interessanten und kenntnisreichen Booklet, das auf 28 Seiten über die Hintergründe der Produktion informiert. Auf der Film-Disc befindet sich dann als erstes ein ca. 20 Minuten langes Interview mit dem Komponisten Peter Thomas. Weiter geht es mit der auf 30 Minuten gekürzten Super-8-Fassung des Films. Eine 30 Sekunden lange, entfallene Szene (auf italienisch) wurde ebenfalls aufgetrieben. Abgeschlossen werden die Special Features mit dem deutschen Trailer und einer Bildergalerie.
Fazit:
„Der letzte Mohikaner“ fühlt sich wie eine Karl-May-Verfilmung an und kann daher schon punkten. Es geht sehr ereignis- und actionreich zu und so verfliegen die knapp 90 Minuten Laufzeit wie im Flug. Die DVD ist technisch sehr gut und auch die Extras können überzeugen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,35:1
|
84:22 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
- Booklet
- Interview mit Peter Thomas
- Super-8-Fassung
- Entfallene Szene
- Trailer
- Bildergalerie
|
|  |
Der letzte Mohikaner
Der letzte Mohikaner
Mehr eine Karl-May-, als eine J.F.-Cooper-Verfilmung
Autor der Besprechung:
Andreas Schultz
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1965 Regie: Harald Reinl Drehbuch: Joachim Bartsch Darsteller: Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Daniel Martín, Anthony Steffen, Carl Lange
Label :
Koch Media Entertainment
Verleihstart : 14.12.2007 Verkaufsstart : 14.12.2007
Vertrieb :
Koch Media Entertainment
Verleihstart : 14.12.2007 Verkaufsstart : 14.12.2007
|