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DVD-Besprechung - The Dixie Chicks: Shut up & sing

Story:
Am 10. März 2003 sagte Dixie-Chicks-Sänger Natalie Maines während des Auftakts ihrer „On Top of the World“-Tournee in London auf der Bühne, dass Sie sich dafür schäme, dass Präsident Bush, wie sie selbst, aus Texas stammt. Mit dieser als lockeren Einlage gedachten Aussage wurde eine Lawine losgetreten, welche die Karriere der erfolgreichen Band nachhaltig verändern sollte.

Meinung zum Film:
Die Vereinigten Staaten von Amerika rühmen sich gerne damit, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sein und in der Nationalhymne ist zusätzlich die Rede davon, dass es „das Land der Freien und das Heim der Mutigen“ sei. Was man tatsächlich davon halten kann, wurde der Weltöffentlichkeit vor Augen geführt, als eine der erfolgreichsten Bands Amerikas durch eine einzige Aussage zum Feindbild bei einem Großteils der Bevölkerung wurde. Hintergrund für die Aussage war, dass Präsident Bush nur wenige Stunden davor stand, den Einmarsch amerikanischer Truppen in den Irak zu befehlen, um die Gefahr, die durch Massenvernichtungswaffen bestand zu beseitigen. Würde ein Künstler aus heimischen Breiten- und Längengraden es wagen, sich dafür zu schämen aus dem gleichen Bundesland zu kommen wie das deutsche Staatsoberhaupt, wäre das sicherlich nicht mehr als ein Fußnote wert. In den USA wurde die Aussage allerdings gleich zu einem großen Politikum gemacht, dass über Monate hinweg zum zentralen Thema wurde und in Aktionen gipfelte, die an eine Hexenverfolgung erinnern. Es wurde immer mehr klar, dass die freie Meinung natürlich geäußert werden darf. Nur halt nicht in der Öffentlichkeit und schon gar nicht im Ausland.

Die 2-fach mit dem Oscar ausgezeichnete Dokumentarfilmerin Barbara Kopple („American Dream“) war während der Ereignisse von Anfang an dabei. Eigentlich war geplant, eine Dokumentation über eine der erfolgreichsten Bands Amerikas aller Zeiten zu drehen, was dabei herauskam, ist ein Zeugnis, wie schnell man durch eine unvorsichtige Aussage öffentlich zum Nestbeschmutzer erklärt werden kann. Unterstützt wurde Kopple bei der Dokumentation von Cecilia Peck, die erstmals Regie führte und bislang lediglich als Schauspielerin in kleineren Rollen („Killing Zoe“) von sich reden machte. Ein Teil der Konzerteindrücke ist in der Dokumentation geblieben und nach den ersten Reaktion der Öffentlichkeit geht es erst einmal im privaten Rahmen mit dem Leben hinter den Kulissen weiter. Die drei Künstlerinnen ziehen sich nach den harschen Anfeindungen erst einmal zurück, arbeiten an neuen Songs und bekommen Kinder. In dieser Phase sind die Anfeindungen durch die Öffentlichkeit zwar nicht mehr zu sehen, überschatten aber trotzdem die meisten Momente. Selbst vor dem Kreißsaal bei der Geburt der Zwillinge von Emily Robison kommt der entstandene Druck durch die Medien zur Sprache.

Nach der Babypause geht es mit den neuen Dixie Chicks weiter. Anstatt sich dem Druck zu beugen und als reuige Sünder aufzutreten, entschließt man sich zu kämpfen und das Recht auf freie Meinungsäußerung weiter zu leben. Die alte riesige Fangruppe unter den Countrymusik-Liebhabern scheint verloren zu sein. Unter ihnen finden sich zu einem großen Teil vernarrte Patrioten, die den Irak-Krieg und Präsident Bush auch noch dann verteidigen, als dieser kleinlaut zugeben muss, dass man sich hinsichtlich der Massenvernichtungswaffen offensichtlich geirrt hat. Dies ist dann aber spätestens der Punkt, wo ein großer Druck der Medien von der Gruppe genommen wird und diese sich teilweise sogar für ihr Verhalten entschuldigen. Doch die Band ist gezeichnet von den Drohungen und Verschmähungen der vergangenen Monate, bei denen die Ankündigung eines Attentats während eines Konzertes den schmerzlichen Höhepunkt darstellte. Die Dixie Chicks beschließen, dass man sich nicht mehr auf das Country-Business konzentrieren will und buchen konsequenter Weise keine Termine mehr in den wichtigen Radiostationen, die sie teilweise noch immer von den Playlisten genommen haben. Doch der Umbruch ist alles andere als leicht und „Shut up & sing“ zeigt in nachvollziehbarer Weise wie viel Kraft und Nerven die Monate gekostet haben, in denen man zum Nationalfeind erklärt wurde.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist nicht sonderlich überzeugend. Vor allem das recht deutliche Rauschen, das teilweise in deutliches Farbrauschen übergeht, stellt zusammen mit dem durchschnittlichen Schärfegrad selbst für eine Dokumentation ein leicht unter dem Durchschnitt liegendes Ergebnis dar. Das Sehvergnügen wird dadurch aber nicht nachhaltig gestört. Der englische Ton in Dolby Digital 2.0 ist durchweg sehr gut zu verstehen. Wer dem Englischen nicht mächtig ist, kann auf Wunsch deutsche Untertitel zuschalten.

Als Bonusmaterial gibt es lediglich Interviews mit den Dixie Chicks und den beiden Regisseurinnen, die insgesamt rund 9 Minuten Laufzeit haben. Sie bieten allerdings nur wenig neues und kommen zudem ohne Untertitel daher. Der Trailer zum Film ist ebenfalls enthalten.

Fazit:
„The Dixie Chicks: Shut up & sing“ ist eine interessante Dokumentation, die drei Frauen auf ihrem Leidensweg begleitet, nachdem sie als Täter in ein pathetisches Politikum gedrängt wurden. Die politische Diskussion selbst steht hierbei in aber nur zweiter Reihe, im Vordergrund stehen die persönlichen Schicksale von Natalie Maines, Emily Robison und Martie Maguire.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,33:1
1,33:1
88:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interviews mit den Dixie Chicks und den beiden Regisseurinnen Barbara Kopple und Cecilia Peck
  • Trailer
The Dixie Chicks: Shut up & sing - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Dixie Chicks: Shut up & sing
The Dixie Chicks: Shut up & sing

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Eine ungeliebte Form von Patriotismus


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006
Regie:
Barbara Kopple, Cecilia Peck
Drehbuch:
-
Darsteller:
Natalie Maines, Martie Maguire, Emily Robison

Label Deutschland :
Senator Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
04.02.2008